Montag, 27. Mai 2019

Wenn die Haut um Hilfe schreit

Ausgabe 2012/12-2013/01
Menschen, die unter Schuppenflechte leiden, haben oft einen großen Leidensdruck. Doch es gibt inzwischen maßgeschneiderte Therapien für nahezu alle Betroffenen!

Foto: Can Stock Photo Inc. - konradbak
Die Haut ist rot und entzündet, schmerzt, juckt und sondert ständig silbrige Schuppen ab. Die Umwelt schaut, wendet sich ab, zeigt Ekel: Wer unter Schuppenflechte leidet, kämpft nicht nur gegen eine quälende Hautkrankheit, sondern auch gegen das Stigma des „anders Aussehens“.

Was ist Psoriasis? Die im Fachjargon Psoriasis genannte Hauterkrankung kann in verschiedensten Ausprägungen auftreten. Durch eine Störung des Immunsystems kommt es zu chronisch entzündlichen Prozessen. Hauptsymptom sind entzündete, schuppende Hautstellen an Körper und Kopfhaut. Es können aber auch Gelenke, Finger- und Zehennägel betroffen sein. Die Symptome treten meist schubhaft auf, wobei die Dauer und die Stärke der Schübe individuell stark variieren. Nicht nur die Erkrankung selbst, die „systemisch“ ist und daher den gesamten Körper betreffen kann, ist oft quälend, sondern hinzu kommen auch die weitreichenden psychosozialen Folgen des „anders Aussehens“, die Psoriasis-Patienten oft in den totalen Rückzug drängen. „Leider sind noch immer viele Patienten un- bzw. unterbehandelt. Betroffene sind zum Teil auch nur ungenügend über moderne und adäquate Therapiemöglichkeiten aufgeklärt und wissen nicht, was sie sich hinsichtlich der Therapieziele erwarten dürfen. Oft dauert es mehrere Jahre, bis sie einen Dermatologen aufsuchen und dann adäquat behandelt werden“, sagte Prim. Dr. Werner Saxinger, Leiter der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Klinikum Wels-Grieskirchen.

1. Hilfe bei Psoriasis
PSO-Austria
Verein und Selbsthilfegruppe der PsoriatikerInnen in Österreich
Obere Augartenstraße 26-28/1.18
1020 Wien

Tel.: 0664/731 119 91
E-Mail: office@psoriasis-hilfe.at
Internet: www.psoriasis-hilfe.at


Maßgeschneiderte Therapien. Dabei gibt es heute zahlreiche, für jeden Betroffenen maßgeschneiderte Therapien, die von verschiedensten Salben und Cremen über spezielle Lichttherapien und Laserbehandlungen bis hin zu sogenannten systemischen Medikamenten reichen, welche innerhalb des Körpers wirken und für Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Psoriasis, die nicht auf konventionelle Therapien ansprechen, bestimmt sind. Diese Medikamente, zu denen beispielsweise Biologika zählen, stellen eine moderne Entwicklung dar und spielen heute bei der Behandlung der Schuppenflechte eine maßgebliche Rolle. Sie greifen zielgerichtet ins Entzündungsgeschehen ein und blockieren ganz spezifisch Abläufe des Immunsystems, die für die chronische Entzündung verantwortlich sind. Damit können die Symptome der Erkrankung weitgehend unterdrückt werden. „So ist die Erkrankung zwar heute noch nicht heilbar, aber dem erfahrenen Dermatologen steht eine Vielzahl von therapeutischen Optionen zur Verfügung, um dem Patienten eine deutliche Verbesserung seiner Erkrankung und psychischen Belastung zu ermöglichen“, betont Experte Saxinger.

Neue Erkenntnisse. Zudem gibt es seit einigen Jahren auch neue Erkenntnisse über die Psoriasis. So weiß man heute etwa, dass die Erkrankung nicht nur auf die Haut beschränkt ist, sondern auch andere Organsysteme betreffen kann – so zum Beispiel Gelenke, Verdauungstrakt oder auch das Auge. Damit zählt die Schuppenflechte zu den systemischen Erkrankungen wie etwa auch Diabetes, und wer an Psoriasis leidet, hat auch ein erhöhtes Risiko für das Auftreten anderer Erkrankungen. Betroffene leiden häufig auch unter Störungen des Fettstoffwechsels, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis, Morbus Crohn oder Depressionen.

Besonders belastend: Psoriasis-Arthritis. Eine spezielle Form der Gelenksentzündung, von der rund 20 Prozent aller Psoriasis-Patienten betroffen sind, ist die Psoriasis-Arthritis. Sie ist eine besonders belastende chronische Krankheit, bei der die Schuppenflechte mit Gelenksentzündungen verknüpft ist. Genau wie bei der rheumatoiden Arthritis ist auch hier die Früherkennung von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche Behandlung. Denn nur so kann die damit verbundene Gelenksschädigung und -zerstörung verhindert oder verlangsamt werden. „Ärzte aller Fachrichtungen müssen den Zusammenhang zwischen Psoriasis und internistischen und rheumatologischen Erkrankungen kennen“, sagt dazu OA Priv.-Doz. Dr. Paul Sator, Leiter der Psoriasis Ambulanz der Abteilung Dermatologie des Krankenhauses Hietzing. „Die Diagnostik und Therapie der Begleiterkrankungen erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Eine Früherkennung kann nur möglich sein, wenn das Zusammenspiel der verschiedenen Fächer gut funktioniert.“

Information und Unterstützung. Doch Aufklärung ist nicht nur für Ärzte angesagt, auch Betroffene und die breite Bevölkerung sollten sich über Psoriasis informieren, denn viele Menschen glauben immer noch, es handle sich dabei um eine ansteckende Krankheit und begegnen Schuppenflechte-Patienten oft – vornehm ausgedrückt – mit Zurückhaltung. Die PSO-Austria, Verein und Selbsthilfegruppe der PsoriatikerInnen in Österreich, bemüht sich darum seit vielen Jahren, Betroffenen, Angehörigen, medizinischem und pflegendem Personal eine möglichst breite Palette an Informationen und Unterstützung zu bieten. „Besonders wichtig ist der persönliche Austausch unter Betroffenen“, betont die Obfrau von PSO-Austria, Friederike Schönauer, und: „Wir vermitteln zum Beispiel auch Friseure und Fußpflegerinnen, die an Schuppenflechte leidende Menschen nicht zurückweisen. In den Sommermonaten verfügen wir zudem über ein Schwimmbadareal an der Alten Donau, wo Patienten und Angehörige von unerwünschten Blicken ungestört sind, denn hier ist man unter sich.“ Sie sehen also, es gibt Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung der Psoriasis – nehmen Sie sie in Anspruch!

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie informieren Sie sich über Nebenwirkungen von Medikamenten?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information