Freitag, 19. Juli 2019

Wenn die Blase schwächelt - Beckenbodentraining

Ausgabe 2018.06
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Beckenbodentraining. Je nachdem, um welche Form der Inkontinenz es sich handelt, kommen verschieden Behandlungsansätze zur Anwendung. Bei der Stressinkontinenz rät Lehner-Rothe zum gezieltem Training der Beckenbodenmuskulatur, am besten in Begleitung dafür ausgebildeter Physiotherapeuten. „Frau kann aber auch zu Hause für sich selbst mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel Vaginalkugeln sehr effektiv ihren Beckenboden stärken“, so die Gynäkologin. Gute Ergebnisse werden in Verbindung mit einer medikamentösen Behandlung erzielt, bei Männern wird generell vor allem mit Medikamenten therapiert. Führen all diese Behandlungen zu keinem Erfolg oder sind die Beschwerden zu massiv, ist eine Operation vonnöten. Elektrostimulation und Biofeedback bezeichnet Lehner-Rothe als „unterstützende Methoden, die allerdings nur in Kombination mit gezieltem Beckenbodentraining helfen“. Urologe Wimpissinger betont allerdings den „hohen Stellenwert“ dieser Therapien nach einer radikalen ProstataEktomie.

Den Drang aushalten. Liegt eine Dranginkontinenz vor, ist zunächst ein Blasentraining empfehlenswert, bei dem die Blase lernt, den Drang auszuhalten. „Die Blase kann sich durch ein Training stärker dehnen und somit mehr Harn speichern”, erklärt Lehner-Rothe. Zu solch einem Training gehören zudem verschiedene verhaltenstherapeutische Ansätze: „Man kann üben, die Blase nicht sofort beim ersten Harndrang zu leeren, auch wenn dieser sehr stark ist“, gibt die Expertin Auskunft. „Auch ruhig und langsam zur Toilette zu gehen, anstatt zu laufen, kann hilfreich sein.” Medikamentöse Unterstützung bieten sogenannte Anticholinergika: Dabei handelt es sich um Präparate, welche die Überaktivität des Blasenmuskels über das zentrale Nervensystem hemmen und damit die Beschwerden der Betroffenen bessern. Eine Operation ist bei einer Dranginkontinenz meist nicht nötig.

Tipps für den Alltag. Ein konkreter Trink- und Toilettenplan kann Betroffenen helfen, Inkontinenz so gut es geht in den Alltag zu integrieren. Weniger zu trinken, wäre aber der falsche Weg, betont Lehner-Rothe: „Durch die geringere Flüssigkeitsmenge wird die Blasenmuskulatur trotz weitverbreiteten Irrglaubens nicht noch zusätzlich trainiert!” Kollege Wimpissinger rät zu „regelmäßigem Trinken, am besten über den Tag verteilt, um die Blase nicht zu überlasten.“ Betroffene sollten zu milden Getränken (zum Beispiel ohne Kohlensäure, am besten Wasser) greifen. Auch durch eine gezielte Gewichtsabnahme kann man einer Blasenschwäche zu Leibe rücken: „Bereits eine Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent kann den Beckenboden entlasten und zusammen mit Beckenbodentraining sowie weiterer körperlicher Aktivität für Besserung der Beschwerden sorgen!“, betont Lehner-Rothe.

Prävention. Und wie sieht es mit präventiven Maßnahmen aus? Da Harnwegsinfektionen eine Blasenschwäche begünstigen, sollte diesen gezielt vorgebeugt werden (Frauen sollten zum Beispiel nach dem Geschlechtsverkehr möglichst zeitnah die Toilette aufzusuchen, um mögliche Erreger sofort auszuspülen). Bei Frauen empfiehlt sich ein Beckenbodentraining bereits während der Schwangerschaft und direkt nach der Geburt. „Generell ist geistige und körperliche Fitness eine ausgezeichnete Prophylaxe, die es auch älteren Menschen ermöglicht, kontinent zu bleiben”, so die Gynäkologin. Wichtig ist es auch, Risiko­faktoren wie Übergewicht, Rauchen oder chronische Verstopfung zu beseitigen. „Eine Prophylaxe der Harninkontinenz kann und soll daher in jedem Lebensalter durchgeführt werden!”

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wenn die Blase schwächelt
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