Samstag, 24. August 2019

Wenn die Blase schwächelt

Ausgabe 2018.06
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Inkontinenz – also Blasenschwäche – ist eine große Belastung für die Betroffenen. gesünder leben zeigt, wie Sie Ihre Blase wieder fit machen können. Für mehr Lebensqualität!


Foto: iStock-BlackJack3D-951702832

Harninkontinenz, also der unkontrollierte Harnabgang, ist nach wie vor ein Tabuthema, das nicht selten mit großem Leidensdruck einhergeht: „Viele Betroffene leiden zusätzlich an Depressionen, Schlafstörungen, Scham und sozialer Vereinsamung“, berichtet Gynäkologin Dr. Eva Lehner-Rothe aus Wien. Auch Urologe Dr. Florian Wimpissinger aus Wien bestätigt, dass Inkontinenz eine große psychische Belastung sowohl für Frauen als auch Männer darstellt: „Viele Patienten trauen sich gar nicht mehr aus dem Haus – oder nur dann, wenn sie genau wissen, wann und wo sich die nächste Toilette befindet.“ In Österreich sind etwa 850.000 Frauen und immerhin 150.000 Männer betroffen. „Inkontinenz ist altersabhängig: Je höher das Alter, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie auftritt“, klärt Lehner-Rothe auf.

So stärken Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur

Diese beiden Übungen helfen bei (drohender) Inkontinenz:

Übung 1:
Auf dem Rücken liegend die Beine anwinkeln (Beine im Abstand von fünf Zentimetern). Nun die Muskeln im Beckenboden vollkommen entspannen. Dann die Schließmuskeln von Harnröhre und Darm abwechselnd anspannen: so, als wolle man beim Wasserlassen den Harnstrahl anhalten. Nach einigen Wiederholungen beide Schließmuskeln mehrmals gleichzeitige anspannen und wieder entspannen. Die Kontraktion sollte jeweils für fünf Sekunden angehalten werden. Alternativ kann man beim tatsächlichen Harnlassen versucht werden, den Harnstrahl zu stoppen.

Übung 2:
Auf dem Boden kniend, die Knie hüftbreit auseinander, die Stirn auf den Händen ruhend. Nun die Beckenbodenmuskeln nach innen und oben ziehen, gleichzeitig ausatmen und die Spannung beim Einatmen loslassen.

GESÜNDER LEBEN dankt Gynäkologin Dr. Eva Lehner-Rothe für diese beiden Übungsanleitungen.

Belastungsinkontinenz. Bei beiden Geschlechtern unterscheidet man zwischen Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz. Junge Frauen sind vor allem von der Belastungsinkontinenz betroffen, die durch unfreiwilligen Harnabgang zum Beispiel beim Husten, Lachen, Springen, Laufen, schwerem Heben und Ähnlichem gekennzeichnet ist. „Die Betroffenen verspüren dabei keinen Harndrang!“, betont die Frauenärztin. „Bedingt ist die Belastungsinkontinenz durch einen inkompetenten Verschlussmechanismus der Harnröhre und eine Schwäche des Beckenbodens, häufig infolge von Geburten.“ Aber auch ein Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen im Rahmen der Wechseljahre kann dazu führen, dass sowohl das Gewebe von Harnröhre als auch jenes des Beckenbodens an Spannkraft verliert. „Bei Männern ist Belastungsinkontinenz eine häufige Nebenwirkung bei der vollständigen Entfernung der Prostata “, so Wimpissinger. „Bei dieser Operation können die Nerven der Blase verletzt werden.“ Seltener tritt Inkontinenz als Folge einer Enddarm-Operation auf.

Dranginkontinenz. In den Altersgruppen über 65 Jahren ist eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz sehr häufig, eine reine Dranginkontinenz tritt dagegen verhältnismäßig selten auf. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte „überaktive Blase“, wie Wimpissinger erklärt: „Der Drang zu urinieren kommt plötzlich, dabei hat man aber erhebliche Schwierigkeiten, den Harn zu behalten.“ Der Harnröhrenverschluss ist hier vollkommen intakt, jedoch weist die Blase eine extreme Empfindlichkeit auf. Ursachen können Entzündungen, Tumore, krankhafte Veränderungen von Gehirnarealen, die für die Harnkontrolle zuständig sind, oder auch psychische Faktoren wie außergewöhnlich hoher Stress sein. Bei Männern liegt dieser Inkontinenzform in den allermeisten Fällen eine gutartige Prostatavergrößerung zugrunde. „Die Prostata vergrößert sich bei jedem Mann ab circa dem 40. Lebensjahr“, beruhigt Wimpissinger. „Dadurch, dass die Blase nun mehr Druck aufbringen muss, um den Widerstand aufgrund der vergrößerten Prostata überwinden zu können, verändert sich die Blase: Die Muskeln werden dicker und es bilden sich Falten.“ In der Folge kommt es zu irritativen Beschwerden, was schlussendlich zur Überreizbarkeit der Blase führt.

Blasen-Tagebuch. „Schämen Sie sich nicht und wenden Sie sich schon bei den ersten Symptomen an Ihren Arzt!“, appelliert Wimpissinger an das Gewissen der GESÜNDER LEBEN-Leser. Ein wesentlicher Bestandteil der Diagnose ist die exakte An-amnese. Bereits vor dem ersten Arztbesuch kann hier ein sogenanntes „Blasen-Tagebuch“ hilfreich sein, weiß der Urologe: Schreiben Sie auf, wann und wie oft sie das WC aufsuchen müssen, was Sie zuvor getrunken/getan haben, wie stark der Urinstrahl ist und wie viel Sie urinieren. „Zur Objektivierung ist eine sogenannte urodynamische Untersuchung bzw. Messung geeignet, welche die Beurteilung der Funktion von Blase und Harnröhrenschließmuskel erlaubt”, so Lehner-Rothe. Diese Untersuchung umfasst etwa einen Ultraschall der Blase und der Nieren, eine Restharnbestimmung, eine Harnflussmessung sowie eine Untersuchung des Harns selbst. Bei Männern wird zudem die Prostata auf Veränderungen abgetastet.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wenn die Blase schwächelt
Seite 2 Beckenbodentraining

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