Montag, 10. Dezember 2018

Wenn der Magen Grippe hat

Ausgabe 2016.02

Besonders in der kalten Jahreszeit hat die Magen-Darm-Grippe (oder Gastroenteritis) ihre Hochsaison. Hier erfahren Sie, welche Hausmittel tatsächlich helfen, wie man Ansteckung vermeiden kann und wann man besser den Arzt aufsuchen sollte.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - aaronamat

 

Es beginnt von einer Sekunde auf die andere. „Es gibt Betroffene, die erbrechen plötzlich beinahe schwallartig – und schon steckt man mittendrin!“, betont der Wiener Gastroenterologe Dr. Marcus Franz (www.internist-franz.at). Die Rede ist von der „klassischen“ Magen-Darm-Grippe, im Fachjargon Gastroenteritis genannt, die in der kalten Jahreszeit ihre Hochkonjunktur hat und sowohl Säuglinge als auch Erwachsene betreffen kann. Die häufigsten Auslöser einer Gastroenteritis sind Noro- und Rotaviren. Während der Norovirus für bis zu 85 Prozent aller
Magen-Darm-Grippen bei Erwachsenen verantwortlich ist, steht bei Säuglingen und Kleinkindern eher der Rotavirus im Vordergrund. Obwohl sich Noro- und Rotavirus ein wenig in der Art ihrer Symptome unterscheiden, spielt die Unterscheidung in der Praxis nur eine untergeordnete Rolle, erklärt Franz: „Um welche Art von Virus es sich handelt, ist nur im Labor ersichtlich. Bei der Behandlung macht es keinen Unterschied.“ Für eine Gastroenteritis können auch bak-terielle Infektionen infrage kommen. Diese sind zwar seltener, zeigen sich in ihrer Verlaufsform (Beschwerden, Krankheitsdauer) aber schwerer als eine Virusinfektion. „Die häufigsten bakteriellen Erreger sind Salmonellen, Campylobacter, Escherichia coli sowie Shigellen“, so der Experte. Erfolgt eine Ansteckung nach einer Fernreise, sind auch Parasiten als Auslöser möglich.

Höchst ansteckend. „Noro- und Rotaviren sind höchst ansteckend, infektiös und resistent“, warnt Franz. Obwohl sie vor allem in der Winterzeit gehäuft vorkommen (eine Antwort, wieso dies so ist, hat die Forschung bis dato noch nicht gefunden), überleben die Viren auch bei hohen Temperaturen sehr lange. Zudem zeigen sich die Viren sowohl in Teppichen als auch auf glatten Flächen äußerst hartnäckig. „Die Ansteckung erfolgt in den allermeisten Fällen über eine Schmier- oder Tröpfcheninfektion“, erklärt der Experte. Der Erkrankte scheidet die Erreger über den Stuhl oder über Erbrochenes aus, womit sich die Viren unbemerkt in der Umgebung verbreiten können. Ebenso durch Händeschütteln, Umarmungen oder fäkal-oralen Kontakt kann eine Ansteckung leicht erfolgen, aber auch ein indirekter Übertragungsweg, beispielsweise über infizierte Lebensmittel oder Gegenstände, ist möglich. „Sogar wenn der Erkrankte neben mir erbricht, aber keine Berührung erfolgt, kann ich mir eine Magen-Darm-Grippe einfangen“, sagt Franz. „Es reichen wenige Viruspartikel, um eine Ansteckung hervorzurufen.“ Besondere Vorsicht  ist in engen Räumen mit großen Menschenansammlungen geboten, etwa in Schulen, Kindergärten, Altersheimen, Hotels, Thermen, öffentlichen Toiletten oder auch auf Kreuzfahrtschiffen.

Erbrechen und Durchfall. Die Diagnose ist aufgrund des typischen Erscheinungsbildes einer Magen-Darm-Grippe schnell gestellt: Maximal 24 Stunden nach der Ansteckung kommt es zu mehr oder minder heftigen Durchfällen (breiig, wässrig, teils stark übel riechend) und zu Erbrechen, zum Teil können die Betroffenen weder Nahrung noch Flüssigkeit bei sich behalten. Man fühlt sich – ähnlich wie bei einer „normalen“ Grippe – abgeschlagen und antriebslos, oft klagen die Patienten über Bauchkrämpfe. Je nach Art der Erreger kann der Erkrankte auch Fieber, Schwindel oder Gliederschmerzen bekommen, manchmal kann der Durchfall Spuren von Blut oder Schleim beinhalten. Dr. Marcus Franz: „Bei schweren Verlaufsformen kann es zu Toilettengängen bis zu 30 Mal am Tag kommen! Bei milden Verlaufsformen dominiert vor allem die Übelkeit; Durchfälle und Erbrechen halten sich in Grenzen.“ Bei Kindern, so Franz, steht vor allem das Erbrechen im Vordergrund: „Prinzipiell gilt: je jünger die Betroffenen, desto mehr Erbrechen und desto weniger Durchfall. Je älter die Betroffenen, desto mehr Durchfall, dafür aber seltener Erbrechen.“ Aber keine Sorge: Im Normalfall klingen die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen vollkommen ab und hinterlassen auch keinerlei bleibende Schäden.

Bei Dehydrierung zum Arzt. Auf die leichte Schulter sollte man eine Magen-Darm-Grippe aber trotzdem nicht nehmen, warnt der Experte: „Bei extrem heftigen Verläufen kann es aufgrund des starken Flüssigkeitsverlusts, besonders bei Kindern und Senioren, zur Austrocknung kommen.“ Typische Anzeichen einer Dehydrierung sind beispielsweise Müdigkeit, trockene Haut, stehende Hautfalten, niedriger Puls, Konzentrationsschwierigkeiten, Heiserkeit, eingefallene Augen, Krämpfe und allen voran ein dunkler Urin. Beobachtet man diese Anzeichen bei sich, sollte man so schnell als möglich einen Arzt aufsuchen. „Wenn man kollabiert oder sogar zu schwach fürs Trinken ist, ist ein Arztbesuch dringend notwendig!“, betont Franz. Sollten die Beschwerden länger als 3 Tage dauern (bei Kindern länger als 24 Sunden) oder ist der Durchfall blutig, kontaktiert man am besten den Hausarzt. „Es ist aber nicht ratsam, schon bei leichten Symptomen ein Krankenhaus aufzusuchen, da man einen sehr ansteckenden Keim einschleppt und somit bereits kranke Personen gefährdet“, warnt Franz eindringlich.

Keine Antibiotika. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, ein Akutmedikament gegen Gastroenteritis gibt es nicht. „Im Falle einer Dehydrierung kommt eine Infusionsbehandlung zum Einsatz, bei leichteren Fällen können Aktivkohle, Probiotika oder auch Hefe helfen“, so Franz. Peristaltikhemmer – also Medikamente, die den Stuhlgang unterdrücken – sollten nur kurzfristig eingenommen werden, da es wichtig ist, dass die Krankheitserreger ausgeschieden werden. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, auf sie sollte, auch aufgrund der Gefahr einer Resistenzentwicklung, verzichtet werden. Seit 2006 gibt es eine Impfung gegen den Rotavirus, die von Experten für Säuglinge empfohlen wird. Eine Schutzimpfung gegen Noroviren gibt es allerdings nicht.

Gründliche Hygiene. Und wie sieht es mit der Prävention aus? „Sehr schwierig“, gibt Experte Dr. Marcus Franz zu. Das A und O, so der Gastroenterologe weiter, sei eine ausreichende Körperhygiene. „Waschen Sie sich nach jedem Toilettengang, aber auch nach dem Nach-Hause-Kommen gründlich die Hände – und zwar mit einem speziellen Desinfektionsmittel, das auch gegen Noroviren schützt!“ Dieses ist auf der Verpackung mit einem „N“ gekennzeichnet und in jeder Apotheke erhältlich. Kranke Personen sollten bis zur Gesundung gemieden werden. Nach einer Infektion entwickelt man keine Immunität gegen eine Magen-Darm-Grippe, jedoch „sind die späteren Ver-laufsformen oft milder als beim ersten Mal“, so Franz.

Richtige Ernährung bei Magen-Darm-Grippe
  • Trinken Sie so viel wie möglich! Am besten schluckweise Wasser, Schwarztee (wirkt schmerzlindernd), Pfefferminztee, Fencheltee, Elektrolytdrinks (am besten: gespritzter Apfelsaft). Die Tees sollten lauwarm genossen werden.
  • Schonkost: Zwieback, Weißbrot (nicht zu frisch!), Erdäpfel- oder Karottenpüree, Hühnersuppe. Versuchen Sie zu essen, das hilft bei der Genesung!
  • Bekannte und wirksame Hausmittel: geriebene/gerissene Äpfel, Ribiseln, getrocknete Heidelbeeren, leicht angebräunte, zerdrückte Bananen, Schwedenbitter (in Form von Tropfen)
  • Geheimtipp: Chili (zum Beispiel in der Suppe) wirkt bakterientötend, fördert die guten Darmkeime und wärmt den Magen.
  • Ingwerwurzel hat eine brechreizhemmende Wirkung.
  • Gegen den Mineralstoffverlust hilft eine Mischung aus 1/2 Liter Wasser, 5 TL Traubenzucker und 1/2 TL Salz.
  • Umstritten sind Cola und Salzstangen. Für Gastroenterologe Dr. Marcus Franz spricht nichts dagegen: „Man führt dem Körper Elektrolyte zu, Salzstangen sind zudem leicht verdaulich.“

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