Montag, 23. September 2019

Wenn der Darm streikt

Ausgabe 07-08/2011
Reiseapotheke – Teil 2Montezumas Rache oder quälende Verstopfung – beides kann die Urlaubsfreuden gewaltig trüben. Ein paar Vorsichtsmaßnahmen und die richtige Reiseapotheke können den Traumurlaub jedoch retten.

Foto: istockphoto.com - George Peters
Endlich weg! Doch leider nehmen Magen-Darm-Probleme nicht Rücksicht auf unser Erholungsbedürfnis. Und gerade auf Reisen ist die Gefahr groß, die Verdauungsorgane zu verärgern. Fremdartige Speisen und Gewürze, ungewohntes Klima und Jetlag können den Körper und damit die Darmflora ziemlich strapazieren. Wenn Kreislauf und Abwehrsystem auf diese Weise geschwächt sind, haben Bakterien leichtes Spiel. Kein Wunder, dass Durchfall das häufigste Gesundheitsproblem im Urlaub ist, nahezu jeder zweite Reisende ist betroffen. Doch fast ebenso häufig ist das genaue Gegenteil: Darmträgheit bzw. Verstopfung.

Gesünder Leben hat daher bei Mag. Ilona Leitner, Präsidentin der Wiener Apothekerkammer, nachgefragt, welche Vorsichtsmaßnahmen Urlauber unbedingt berücksichtigen sollten und was in der Reiseapotheke nicht fehlen darf.


1. Erste Hilfe bei Reisedurchfällen
Das Erkrankungsrisiko hängt stark vom Reiseziel und dem individuellen Reisestil ab. Am ehesten verschont bleibt, wer grundsätzliche Hygienetipps berücksichtigt und sich an die Ferntouristenweisheit „Koche es, schäle es oder vergiss es“ hält. Potenzielle Infektionsquellen sind: Leitungswasser, mit Eiswürfel gekühlte Getränke, ungeschältes Obst und Gemüse, roher Salat, roher Fisch und Meeresfrüchte, rohes Fleisch, Speiseeis, Milch, Mayonnaise und Salatsaucen.

Wenn es Sie doch erwischt hat, ist die wichtigste Maßnahme: trinken, trinken, trinken! Leitner: „Geeignet sind z.B. stilles Wasser, Kamillen- oder Fencheltee. Cola wird zwar oft empfohlen, aber Koffein und Zucker können den Darm reizen und dadurch die Symptome verstärken.“ Durch die Durchfälle verliert der Organismus aber nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Elektrolyte wie z.B. Kalium und Kochsalz. „Gerade bei Fernreisen sollten Sie daher eine ausreichende Menge an Elektrolytmischungen mitnehmen. Pulver zum Auflösen sind besonders praktisch“, empfiehlt die Apothekerin.

Nach 1–2 Tagen bessern sich die Beschwerden meist wieder, Medikamente aus der Reiseapotheke (siehe Kasten) können diese Zeit erleichtern. Bei schweren Durchfallerkrankungen, oder wenn der Durchfall länger als zwei Tage andauert, sollten Sie allerdings die Selbstmedikation abstellen und einen Arzt aufsuchen.

2. Erste Hilfe bei Darmträgheit
Fast jeder vierte Erwachsene leidet unter Darmträgheit oder Verstopfung. „Wer zu Hause schon Probleme damit hat, sollte auf jeden Fall daran denken, ein vertrautes und zuverlässig wirkendes Abführmittel einzupacken“, rät Pharmazeutin Leitner. Aber auch wer diesbezüglich keine Schwierigkeiten hat, ist im Urlaub nicht davor gefeit. Klimawechsel, ungewohnte Ernährung sowie Flüssigkeitsmangel durch vermehrtes Schwitzen und zu wenig Bewegung können den Darm blockieren. Verstopfung kommt jedoch nicht alleine, sondern Völlegefühl, Blähungen und Bauchschmerzen belasten zusätzlich.

„Bei Verstopfung aufgrund der Umstellung des Körpers an neue Verhältnisse sollte dem Darm zunächst mit verdauungs-und motilitätsfördernden Maßnahmen geholfen werden. Anschließend sind ausreichend Bewegung und zwei bis drei Liter Flüssigkeit am Tag das beste Aktivprogramm für Ihren Darm“, rät Leitner. „Achten Sie außerdem auf ausreichend Ballaststoffe. Wenn Sie aus hygienischen Gründen auf verdauungsfördernde Speisen wie Obst, Salate und Rohkost verzichten müssen, sind Nahrungsergänzungsmittel mit natürlichen Ballaststoffen eine sichere Alternative.“
Doch wie beim Durchfall gibt es Grenzen der Selbstmedikation: Bei akuter Verstopfung mit starken Bauchschmerzen, Blut im Stuhl oder Verstopfung abwechselnd mit Durchfall sollten Sie zum Arzt gehen.

Profi-Tipps für die Reiseapotheke
Zugegeben, an potenzielle Desaster in Sachen Verdauung denkt niemand gerne, wenn Fernweh gestillt und Urlaubs­träume wahr werden sollen. Dennoch rät die erfahrene Pharmazeutin Leitner: „Leider sind Durchfall oder Verstopfung die häufigsten Reisebegleiter. Informieren Sie sich lieber vorher, was im Fall des Falles hilft und Ihr Urlaub braucht nicht im wahrsten Sinn des Wortes verdorben sein. In der Apotheke können wir Sie ganz gezielt beraten.“

Checkliste Reiseapotheke
1. BEI DURCHFÄLLEN
  • Gegen Durchfall: z.B. Tierkohlepräparate (Carbo), Tannalbin®, Hylaktiv®
  • Mittel gegen Übelkeit und Krämpfe: z.B. Similasan® Magen-Darm-Tabletten
  • Gegen überaktiven Darm: Imodium® akut, Normakut® (Kombination mit Elektrolyten)
  • Elektrolytersatz: z.B. Normolyt®, Normhydral®, Normakut® (enthält zusätzlich einen Arzneistoff gegen überaktiven Darm)
  • Darmbakterien ersetzende Präparate: z.B. Bioflorin®, Omnibiotic®, Omniflora®, Yomogi®
  • Sanierung der Darmflora: z.B. OptiFibre® (rascher Wirkungseintritt auch im Akutfall)

2. BEI DARMTRÄGHEIT
Nur zur kurzfristigen Anwendung:
  • Abführmittel: z.B. Dulcolax®, Guttalax® Tropfen, Movicol®
  • Zum Gleitfähigmachen des Stuhls / Defäkationsreiz: z.B. Agaffin®-Bananenmilch, Glycerin-Zäpfchen, Lecicarbon®
Zur Unterstützung der Darmfunktion:
  • Nahrungsergänzungsmittel mit natürlichen Ballast­stoffen, z.B.: OptiFibre® (rascher Wirkungseintritt, am besten schon ein paar Tage vor Reiseantritt mit der Einnahme beginnen), Laxasoft® (machen den Darminhalt leichter transportierbar), SymbioLact® (zur Unterstützung der Darmflora)
  • Extratipp: Zwetschken im Frühstücksjoghurt

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