Donnerstag, 25. April 2019

Weniger Zucker, besser leben

Ausgabe 2019.02
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Wir Österreicher konsumieren viel zu viel Zucker – nämlich 33,4 Kilogramm. Pro Kopf. Jedes Jahr. Die Folge: Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. GESÜNDER LEBEN zeigt mit Experten, wie Sie Ihren Zucker-konsum ganz einfach reduzieren können. Für mehr Wohlbefinden und Lebensfreude!

 


Foto: iStock-971485918_Cecilie_Arcurs

 

Naschen Sie auch so gerne? Fällt es Ihnen schwer, auf die Topfengolatsche zum Frühstück, die Rippe Schokolade nach dem Mittagessen oder die Gummibären vor dem Fernseher zu verzichten? Ja? Dann: Herzlich willkommen! Sie sind nicht allein! Wir Österreicher konsumieren durchschnittlich 33,4 kg (!) Zucker pro Kopf im Jahr – das sind etwas mehr als 90 Gramm bzw. 22 Stück Würfelzucker pro Tag. Laut WHO ist das viel zu viel, nämlich genau doppelt so viel wie von Ernährungsmedizinern empfohlen. Denn: Zucker liefert außer Energie, also Kalorien, nichts, rein gar nichts – keine erwähnenswerten Vitamine, keine Mineralstoffe, keine Spurenelemente, keine Ballaststoffe oder gar sekundäre Pflanzenstoffe. Ganz im Gegenteil: Eine hohe und häufige Zuckerzufuhr fördert die Entstehung von Übergewicht und Adipositas sowie damit zusammenhängende Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, außerdem die Entstehung von Karies. Zuckerreiche Getränke wie Limonaden, Energy Drinks, pure Fruchtsäfte und -nektare tragen zum Übergewicht bei und sind ein eigenständiger Risikofaktor für Diabetes mellitus Typ 2. „Per se ist Zucker aber nicht ungesund“, meint Mag. Angela Mörixbauer, Ernährungswissenschafterin aus Waidhofen an der Ybbs. „Wie so oft kommt es auch hier auf die Menge an. Unser Organismus ist sogar auf Zucker angewiesen, denn der Einfachzucker Glukose versorgt sowohl unsere Körper- als auch Gehirnzellen mit dem nötigen Treibstoff, um sie vor einer gefährlichen Unterzuckerung zu bewahren.“

Es gibt keine Zuckersucht
Wer seinen Zuckerkonsum einmal überdacht hat und diesen reduzieren möchte, muss sich aber auf kein langwieriges „Entzugsprogramm“ einstellen – auch wenn man mitunter das Gefühl hat, dem Verlangen nach Zucker nicht standhalten zu können, ähnlich wie bei einer Sucht. „Zucker macht aber nicht abhängig“, ist Mörixbauer überzeugt. „Es ist eine weitverbreitete Irrmeinung, dass er wie eine Droge wirkt“, so Mörixbauer. „Zucker hat im Gegensatz zu Alkohol oder Kokain etc. keine psychotrope Wirkung.“ Süßigkeiten können jedoch als Ersatz für andere Befriedigungen dienen. Wurden wir beispielsweise als Kind mit Zuckerln & Co belohnt oder ruhiggestellt, steigt die Wahrscheinlichkeit, auch im Erwachsenenalter Trost und Freude in der Naschlade zu suchen. „Im mesolimbischen System unseres Gehirns werden solche Emotionen an den Konsum dieser Lebensmittel gekoppelt und abgespeichert“, erläutert die Wiener Gehirnforscherin Dr. Katharina Turecek. „Wenn der Konsum von bestimmten Nahrungsmitteln eine positive Auswirkung hat, also Freude verursacht, wird der Botenstoff Dopamin an das Großhirn mit der Botschaft ,Das war eine gute Sache’ und gleichzeitig an unsere Gedächtniszentrale, den Hippocampus, geschickt. Die Folge: Wir merken uns diesen Effekt und wollen ihn wiederholen.“ Immer öfter und öfter, bis der Botenstoff aufgebraucht ist bzw. sich die Rezeptoren daran gewöhnt haben und das Gehirn nach einer höheren Dosis verlangt, um die gleiche Wirkung zu erzielen. „Insofern weisen Zuckerkonsum und Drogensucht gewisse Parallelen auf, sie aktivieren das gleiche Belohnungssystem im Gehirn“, so Turecek. Aus der Zuckerfalle kommt man aber leichter heraus. „Die Dopamin-Ausschüttung ist nämlich wesentlich geringer und es gibt auch keinen körperlichen Entzug“, weiß Mörixbauer. Es geht vielmehr darum, die Geschmacksnerven neu auszurichten – und das kann gut gelingen, denn unsere Geschmacksknospen auf der Zunge erneuern sich etwa alle 14 Tage. Wer in diesem Zeitraum auf unnatürlich süßes Essen verzichtet, kann wieder empfänglich für den herrlichen Geschmack ganz natürlicher Lebensmittel werden. „Geschmack ist somit auch eine Frage der Gewohnheit“, so Mörixbauer. 

Übersicht zu diesem Artikel:
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