Mittwoch, 20. Februar 2019

Wege zum Wunschkind

Ausgabe 11/2012
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Viele Paare sehnen sich nach gemeinsamen Kindern. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie Ihre Fruchtbarkeit steigern können, wo die Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit liegen und welche Maßnahmen es gibt.

Foto: Can Stock Photo Inc. - wacker
Bei Babywunsch kann es den zukünftigen Eltern oft gar nicht schnell genug gehen. Den positiven Schwangerschaftstest erwarten sich viele schon wenige Wochen nach Absetzen der Verhütungsmittel. Doch die Voraussetzungen für eine Empfängnis sind sehr komplex – daher braucht es manchmal etwas Geduld. „Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Monatszyklus schwanger zu werden, liegt bei einer Frau zwischen 20 und 30 Jahren bei etwa 30 Prozent“, so Dr. Peter Zorzi, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in Wien. „Die höchste Schwangerschaftsrate wird statistisch gesehen mit 27 Jahren erreicht.“ Wer eine Schwangerschaft plant, kann bereits im Vorfeld für sich und sein Baby optimale Bedingungen schaffen. Dazu gehören u. a. eine ausgewogene Ernährung mit einer ausreichenden Zufuhr des wasserlöslichen Vitamins Folsäure (für eine gesunde Zellteilung und Entwicklung des Gehirns), regelmäßige Bewegung, Stressreduktion, der Verzicht auf Genussmittel wie Tabak und Alkohol und die ärztliche Überprüfung, ob eine ausreichende Rötelimmunität besteht (zur Vermeidung von schweren Organfehlern bzw. Entwicklungsstörungen). Weiters ist auch ein Besuch beim Zahnarzt zu empfehlen, da Entzündungen im Zahnfleisch oder im Bereich von wurzelbehandelten Zähnen einen ungünstigen Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf einer Schwangerschaft haben können.

Das richtige Timing. Ein gesunder Lebensstil allein reicht aber nicht, um schwanger zu werden. Der optimale Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr und eine Reihe an biologischen Vorgängen spielen eine große Rolle. Nur an wenigen Tagen im Monat können befruchtungsfähige Spermien auf eine empfängnisbereite Eizelle treffen. Da Spermien im Körper der Frau zwei bis fünf, manchmal sogar bis zu sieben Tage überleben können und die reife Eizelle 24 Stunden befruchtungsfähig bleibt, bieten sich im Allgemeinen die 48 bis 72 Stunden vor dem Eisprung, der Tag des Eisprungs selbst und die darauffolgenden 24 Stunden für Sex mit Kinderwunsch an. Zur Berechnung bzw. Erkennung des Eisprungs sollten Frauen über einige Wochen ihren Zyklus beobachten und Hinweise wie ein Spannungsgefühl in der Brust, leichte Beschwerden im Unterbauch oder das (minimale) Ansteigen der Basaltemperatur (Aufwachtemperatur) als Indiz deuten. Sensible Ovulationstests aus der Apotheke bestimmen zudem die fruchtbaren Tage. Wer die Spontaneität beim Sex aber nicht verlieren will, schläft am besten zwei- bis dreimal in der Woche miteinander – meistens „erwischt“ es dann auch von selbst die fruchtbaren Tage.

Ungewollt kinderlos – an wem liegt’s? „Wenn innerhalb eines Jahres – trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs und unauffälligen Gesundheitszustands – die ersehnte Schwangerschaft nicht eintritt, spricht man von ,ungewollter Kinderlosigkeit‘. Wir gehen davon aus, dass davon jedes fünfte bis siebente Paar in Österreich betroffen ist“, erklärt Dr. Josef Zech, Leiter der privaten „Kinderwunsch-Clinic“ in Innsbruck. Die Gründe für Infertilität liegen zu gleichen Teilen bei Mann und Frau. „Die Ursachen sind zu einem Drittel bei der Frau, zu einem Drittel beim Mann und zu einem weiteren Drittel bei beiden zu finden“, ergänzt Univ.-Prof. Dr. Hans-Christian Egarter, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Wiener AKH. „Ärztliche Untersuchungen sollten also nach etwa zwölf Monaten von beiden potenziellen Elternteilen durchgeführt werden.“

Frauen: Risikofaktor Alter. Weibliche Ursachen für unerfüllten Kinderwunsch sind vielfältig. Der wichtigste Faktor ist das Alter der Frau. „Bereits nach dem 25. Lebensjahr nimmt die Fruchtbarkeit der Frau leicht ab. Markant wird der Abfall jedoch ab dem 35. Lebensjahr. Liegt die relative Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft im Alter von weniger als 35 Jahren noch bei 85 Prozent, so sinkt diese danach auf 55 Prozent. Nur noch knapp fünf Prozent Wahrscheinlichkeit besteht ab einem Alter von 45 Jahren“, klärt Klinikleiter Zech auf. Hintergrund: Die millionenfache Anzahl an Eizellen bei der Geburt wird bis zur Pubertät auf etwa 400.000 reduziert. Jedes Jahr wird die Zahl der Eizellen geringer, womit auch eine verminderte Fertilität mit steigendem Alter korreliert. „Bis zum 40. Lebensjahr ist die Anzahl der Eizellen auf wenige Hundert gesunken“, so Egarter. Weiters können hormonelle Störungen (wie z. B. Schilddrüsendysfunktion, Progesteronmangel, erhöhter Prolaktinspiegel etc.), mangelhafte Eierstockfunktion oder Verschlüsse der Eileiter zu Infertilität führen. Interessant ist außerdem eine Theorie, wonach Frauen heutzutage mehr männliche Eigenschaften wie Aggression und Risikobereitschaft benötigen, um berufliche Karriere zu machen. „Die daraus folgende veränderte Hormonlage begünstigt die Entstehung einer Schwangerschaft nicht“, so Univ.-Prof. Dr. Heinz Strohmer, Leiter des Kinderwunschzentrums
Goldenes Kreuz in Wien.

Kinderwunsch – Wunschkinder?
Ungewollte Kinderlosigkeit in Österreich:
  • 30 % aller Frauen versuchen länger als 12 Monate, schwanger zu werden
  • 6 bis 9 % sind ungewollt kinderlos
  • 3 % bleiben ungewollt kinderlos

Die Kinderanzahl sinkt:
  • 1963: 2,82 Kinder pro Frau
  • 2011: 1,43 Kinder pro Frau

Das durchschnittliche Alter der Mutter bei der Geburt steigt:
  • 1963: 27,4 Jahre
  • 2001: 28,4 Jahre
  • 2011: 30,0 Jahre


Übersicht zu diesem Artikel:
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