Montag, 24. Februar 2020

Wege aus der Zuckerfalle - Alternativen am Prüfstand

Ausgabe 2020.02
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Alternativen am Prüfstand
Längst hat die Industrie auf die Negativmeldungen zum Zucker reagiert und bietet eine Vielzahl von vermeintlich gesunden Alternativen an. Die Bandbreite ist riesig. Da gibt es einerseits künstliche Süßstoffe oder Ersatzzucker wie Stevia, Birkenzucker (Xylit) oder Erythrit. Andererseits natürliche Süßungsmittel wie Ahornsirup, Agavendicksaft oder Reissirup. „Letztere sind zwar Geschmackssalternativen, aber nicht gesünder“, fasst es Fensl zusammen. „Ahornsirup besteht beispielsweise zu 70 Prozent aus einem Zuckerkonzentrat und Agavendicksaft ist fast noch schlimmer, da er hauptsächlich aus Fruktose besteht und ein Zuviel an Fruktose auf die Leber geht“. Die mögliche Folge: Fettleber und eine verstärkte Produktion von Harnsäure. Besser bewertet die Expertin Xylit oder Erythrit, da diese deutlich weniger Kalorien als Zucker oder sogar gar keine haben. Aber eine echte Lösung sieht sie in diesen auch nicht. „Das Problem ist, dass die Süßpräferenz trotzdem bleibt. Wir wollen weiter Süßes konsumieren. Noch dazu entsteht auch so Heißhunger, der Körper konsumiert in den Folgestunden also mehr.“

Tipps zur Zuckerreduktion

Diese Hilfestellungen gibt Margit Fensl im Buch „Der Jungbrunnen-Effekt“:

  1. Misten Sie aus: Durchforsten Sie Ihre Vorräte nach ungesunden, zuckerhältigen Produkten und trennen Sie sich davon.
  2. Softdrinks und Fruchtsäfte sind als Durstlöscher nicht geeignet. Ein Glas enthält oft schon acht Stück Würfelzucker. Trinken Sie stattdessen Wasser und geben Sie, wenn Sie mögen, etwas Zitronensaft oder Kräuterblätter dazu.
  3. Bereiten Sie sich Ihr Fruchtjoghurt mit Naturjoghurt und Bio-Früchten selbst zu.
  4. Trinken Sie Tee oder Kaffee ohne Zucker.
  5. Würzen Sie, statt zu süßen: zum Beispiel mit Vanille, Zimt und Anis oder herzhafter mit Rosmarin, Pfefferminze, Chili, Oregano & Co.
  6. Achten Sie bei verpackten Lebensmitteln auf die Nährwertkennzeichnung: Dort ist angeführt, wie viel Zucker in 100 Gramm oder 100 Millilitern des Produktes enthalten ist. Alles, was zum Beispiel die Endung -ose, -sirup, -dicksaft und natürlich -zucker hat, ist eine Form von Zucker (Saccharose, Glukose, Fruktose oder Fruktosesirup etc.). Aber auch Namen wie Malzextrakt oder Maltodextrin bezeichnen nichts anderes als Zucker.
  7. Greifen Sie zu Produkten mit der Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ bzw. „ohne Süßstoffe“.

So klappt der Verzicht
Will man also diesen ewigen Kreislauf durchbrechen, hilft nur eines: Zuckerverzicht. „Schon nach ein oder zwei Wochen Zuckerfasten ist das Geschmackserleben ein komplett anderes“, verspricht die Expertin. „Kostet man dann ein Stückchen Schokolade, verspürt man fast Widerwillen.“ Für einen guten Start in ein zuckerfreies Leben braucht man einen Plan. Wie der ausschauen kann, weiß die Ernährungswissenschafterin: „Zuerst mal alle Süßigkeiten ausmisten und auch die anderen Vorräte nach verstecktem Zucker kontrollieren und ebenfalls wegräumen. Es wird immer mal eine Phase geben, in der die Lust auf Süßes kommt, und wenn dann nichts daheim ist, kann man nicht sündigen.“ Hilfreich ist, möglichst viel selbst zu kochen und auf Fertigprodukte zu verzichten. Zum Trinken sollte es nur Wasser sowie Kräuter- und Früchtetees geben. „Wer zum Heißhunger neigt, sollte genug Eiweiß zu sich nehmen. Das sättigt gut und nimmt den Heißhunger. Ich empfehle etwa Nüsse, Kürbiskerne, Eier oder Käse.“ Wer Angst hat, nicht durchzuhalten, kann den Versuch gemeinsam mit Freunden machen, da ist der Ansporn größer.

Vielfacher Bonus
Hilfreich fürs Durchhalten ist auch der Hinweis auf die gesundheitlichen Auswirkungen des Zuckerentzugs – und die Liste ist lang, so Fensl: „Der Insulinspiegel bleibt niedriger, es gibt weniger Entzündungen im Körper, die Fettverbrennung funktioniert besser und man nimmt leichter ab. Zudem wird die Haut reiner, man fühlt sich aktiver und schläft besser.“ Wer trotz dieser Aussicht nicht komplett auf Zucker verzichten will, kann auch erst mal bloß reduzieren, beruhigt die Expertin. „Die Geschmacksknospen stellen sich darauf ein, man empfindet Süßes dann viel intensiver und braucht immer weniger.“ 

Interview: Beate Barth

Kein Zucker – und Sie sehen 10 Jahre jünger aus!

Univ.-Ass. Prof. Dr. Markus Metka ist Arzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien – Abteilung für Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung und Präsident der Österreichischen Anti-Aging-Gesellschaft und beschäftigt sich vor allem mit der Wechselwirkung von Körper, Geist und Ernährung.

Im GESÜNDER LEBEN-Interview erklärt Dr. Markus Metka die Auswirkungen des (übermäßigen) Zuckerkonsums.

Welche Auswirkungen hat ein zu hoher Zuckerkonsum auf unsere Gesundheit?
Zucker ist per se wichtig für die Denkleistung und auch für die Muskelleistung. Das Problem ist aber, dass wir viel zu viel Zucker zu uns nehmen. Die Hauptursache für die epidemische Zunahme der Adipositas, des Übergewichts, ist nicht das Fett, sondern der Zucker. Und das ist weltweit ein massives Problem geworden. Denn Übergewicht ist der direkte Weg zur Zuckerkrankheit, also Diabetes. Der Zuckerkranke ist anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle. Kurz: Alle Organe leiden darunter. Das ist somit das Gegenteil von Anti-Aging! Große Zuckermengen fördern die Hautalterung gewaltig. So entstehen etwa beispielsweise die Altersflecken durch hohen Zuckerkonsum. Es gibt einen amerikanischen Dermatologen, der ein Buch herausgebracht hat, darin schreibt er: „Wenn Sie 30 Tage keinen Zucker zu sich nehmen, dann schauen Sie zehn Jahre jünger aus.“ Die Kernaussage ist nicht schlecht.
Aber es gibt doch so viele zuckerhältige Produkte zu kaufen!
Man muss unterscheiden: Es gibt die Lebensmittelindustrie und den Handel. Bei der Lebensmittelindustrie ist es relativ einfach. Da geht es um das „Big Food“, ums Geld – um die Aktien. Der Handel lebt von den Kunden und deren Wünschen. Und diese Wünsche ändern sich. Der Handel stellt sich darauf ein und bietet vermehrt zuckerreduzierte Lebensmittel an. Dabei spart er derzeit 700.000 Tonnen Zucker im Jahr ein. Das ist sehr löblich.

Wenn das Angebot nicht wäre, würde der Konsument also weniger in Versuchung geraten?
Da haben Sie recht. Es müsste bei der Werbung darauf hingewiesen werden – wie beispielsweise beim Tabak –, dass zu viel Zucker gefährlich sein kann. Ich habe so eine Kampagne beispielsweise in Frankreich gesehen. Wenn Sie sich bei uns umschauen: Bei der Fernsehwerbung geht es bei rund einem Drittel der Spots ausschließlich um Süßigkeiten! Das müsste man verbieten! Denn derzeit werden unsere Kinder regelrecht zu Zuckerjunkies herangezüchtet. Die Kinder haben das größte Risiko, wegen des hohen Zuckerkonsums alle Krankheiten zu bekommen.

Welche Hoffnung gibt es?
Mich fasziniert, dass sich viele junge Menschen – etwa auch Greta Thunberg – unglaublich bewusst ernähren. Nicht nur im Hinblick auf ihre eigene Gesundheit, sondern auch für die Gesundheit des ganzen Planeten.

Übersicht zu diesem Artikel:
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