Sonntag, 22. September 2019

Wege aus der Alu-Falle

Ausgabe 02.2015

Deos, Dosen, Diphtherie-Impfung. Sie alle enthalten Aluminium, das im Verdacht steht, Brustkrebs oder Alzheimer auslösen zu können. Wie können Sie sich davor schützen?


Foto: © Can Stock Photo Inc. - pioneer111

Tagtäglich haben wir mit ihm zu tun. Und wissen es oft gar nicht. Aluminium, das häufigste Metall in der Erdkruste, begegnet uns permanent. Trotz seiner Allgegenwart steigt jedoch die Skepsis gegenüber dem oft als unbedenklich eingestuften Leichtmetall – v. a. wenn es um mögliche gesundheitliche Gefahren geht. „Aluminium kommt zwar sehr häufig in der Natur vor, es sind jedoch keinerlei nützliche biologische Funktionen bekannt, d. h., es hat keine physiologischen Aufgaben im Organismus wie z. B. Eisen oder andere Spurenelemente“, meint Assoz.-Prof. PD Dipl.-Ing. Dr. Hans-Peter Hutter, Oberarzt am Institut für Umwelthygiene an der Medizinischen Universität Wien.

Unnütz und dennoch so präsent? Fakt ist, dass der natürliche Gehalt an Aluminium, der für die Lebensmittelproduktion herangezogen wird, kaum beeinflussbar und meistens vernachlässigbar ist. „Eine Abschätzung einer tolerierbaren Aufnahmemenge wurde von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) durchgeführt. So wurde ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Woche für die orale Aufnahme über die Nahrung abgeleitet“, erklärt Hutter. Überlegenswerter Nachsatz: „Die wöchentliche tolerierbare Aufnahmemenge wird wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung allein schon durch Lebensmittel ausgeschöpft.“ Berücksichtigt man also auch den oft aluminiumreichen Kosmetika- oder Medikamentenkonsum, ist es nicht weiter erstaunlich, dass die kumulative Alu-Belastung mit Sorgenfalten betrachtet wird. Als gesichert gelten die neurotoxischen Wirkungen von Aluminium auf das Nervensystem sowie die schädigenden Effekte auf Gewebe und Stoffwechsel. Diskutiert wird aber auch seine Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs oder Alzheimer. „Es ist zwar unwahrscheinlich, dass Aluminium die alleinige Ursache für Morbus Alzheimer ist. Nach Durchsicht der vorhandenen Studien kann man allerdings einen Einfluss der Aluminiumaufnahme auf das Auftreten von Alzheimer annehmen. Es sind aber noch viele Fragen offen“, weist Hutter auf den bestehenden Forschungsbedarf hin. Wenngleich eine überstürzte Reaktion nicht angebracht ist, empfiehlt sich nach Ansicht des Experten ein sorgsamer Umgang mit Aluminium. Doch: Wo lauern eigentlich die größten Fallen im Alltag?

Ernährung. In den meisten unverarbeiteten Lebensmitteln befinden sich weniger als fünf Milligramm Aluminium. Die höchsten Konzentrationen finden sich hier v. a. in Tee und Kräutern wie Thymian oder Cayenne. Diese Pflanzen resorbieren Aluminium besonders gut. Aluminiumhaltige Zusatzstoffe (z. B. Festigungsmittel, Farbstoffe etc.), die z. B. in Back- und Süßwaren, Fertiggerichten oder Milchprodukten enthalten sind, führen zu noch höheren Konzentrationen. Die derzeit zugelassenen Zusatzstoffe samt ihren E-Nummern sind vollständig auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) www.bmg.gv.at angeführt (Studie: „Aluminium-Toxikologie und gesundheitliche Aspekte körpernaher Anwendungen“).

Verpackungen. Eine weitere Alu-Quelle sind Verpackungen wie z. B. von Kaffee, Deckel von Milchprodukten, Dosen oder aluminiumbeschichtete Innenverpackungen. Unter normalen Bedingungen wird dadurch nur ein Bruchteil des Aluminiums übertragen. Wie viel Leichtmetall sich aber tatsächlich löst, hängt v. a. vom pH-Wert des Produkts und der daraus folgenden Gefahr für die schützende Oxidschicht ab. Hutter: „Es konnte gezeigt werden, dass aus der AluFolie Aluminium in säure- und salzhaltige Lebensmittel übergehen kann.“ Das BMG rät daher, beim Zubereiten und Aufbewahren von stark säurehaltigen Lebensmitteln (z. B. Tomatensauce, Apfelmus etc.) keine Alu-Folie zu verwenden.

Kosmetika. Aluminium steckt auch in kosmetischen Produkten. Die Nase vorn haben hier Deodorants, die den schweißhemmenden Wirkstoff Aluminiumchlorid enthalten. „Es konnte ermittelt werden, dass schon durch die einmalige Deo-Anwendung pro Tag die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge ausgeschöpft werden kann“, so Hutter. Bis heute gibt es zwar keinen wissenschaftlichen Beleg, dafür aber fundierte Vermutungen, dass dieser Inhaltsstoff Brustkrebs auslösen kann. Das BMG empfiehlt nicht umsonst den Umstieg auf aluminiumfreie Deos und weist darauf hin, dass aluminiumhaltige Antitranspirantien v. a. nicht auf frisch rasierter oder verletzter Haut aufgebracht werden sollten.

Arzneimittel. Aluminiumhaltige Medikamente werden v. a. zur symptomatischen Behandlung von Übersäuerung bei Sodbrennen verschrieben (Antazida) oder sind z. T. rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Aluminium wirkt in hohen Dosen toxisch, wodurch es – vor allem bei Langzeitanwendung oder bei Niereninsuffizienz – in Gehirn und Knochen eingelagert werden kann. Da es (nicht auszuschließende) Indizien gibt, die auf den Zusammenhang von Aluminium und Alzheimer deuten, rät das BMG dazu, Ärzte und Apotheker nach Alternativen zu aluminiumhaltigen Medikamenten zur Neutralisierung der Magensäure zu fragen.

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