Weg mit dem Gift!

Ausgabe 2020.06

Die Leber entgiftet nicht nur unseren Körper, sie produziert auch Eiweißstoffe und kontrolliert den Stoffwechsel. GESÜNDER LEBEN erklärt, wie Sie dieses wichtige Organ bei seiner Arbeit unterstützen können.


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Die Leber ist unser zentrales Stoffwechselorgan und hält gleich zwei Rekorde im menschlichen Körper. Sie ist das schwerste innere Organ und gleichzeitig die größte exokrine (ausschüttende) Drüse. Mit ungefähr 1,5 Kilogramm ist sie ein echtes Schwergewicht und liegt anatomisch gesehen im rechten Oberbauch. Aufgebaut ist sie aus zwei Leberlappen, von denen einer etwas in die linke Körperhälfte reicht. Beim Verdauungsvorgang werden die vom Magen-Darm-Trakt kommenden Nährstoffe über die Pfortader zur Leber transportiert. Dort werden sie von den Leberzellen aufgenommen und gelangen im Anschluss über die Hohlvene in den Körperkreislauf. In der Leber finden sich zahlreiche Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, was ein Hinweis auf die hohe Aktivität dieses Organs ist. „Der Leber werden viele Aufgaben zuteil“, erklärt Dr. Maximilian Horetzky, Arzt aus Salzburg, „zum Beispiel reguliert sie den Fett- und Zuckerstoffwechsel, spielt eine Rolle im Mineral- und Vitaminhaushalt und bildet Proteine, insbesondere für die Blutgerinnung.“ Ein komplexes Netzwerk aus kleinen und kleinsten Gefäßen durchzieht die Leber, damit sie diese essenzielle Rolle im Körper übernehmen kann. „Daneben speichert sie Nährstoffe wie Zucker, Fette und Vitamine und hat eine Filterfunktion für Schadstoffe und Gifte“ so der Experte. „Weiters“, so Horetzky, „bildet sie den Gallensaft und sondert hiermit auch Stoffwechselprodukte in den Darm ab.“ Tatsächlich beträgt die tägliche Gallensaftproduktion 600 bis 800 Milliliter und variiert dabei erheblich in ihrer Zusammensetzung. So haben die Art und Menge der Nahrung, die wir zu uns nehmen, einen wesentlichen Einfluss darauf, woraus die Galle genau besteht. Die Leber ist außerdem ein sehr regenerationsfähiges Organ. „Nach Schädigung kann sie sich teilweise selbst regenerieren und sogar nachwachsen“, betont Horetzky und ergänzt aber, dass „trotz seiner Widerstandsfähigkeit dieses wichtige Organ nicht selten einem Erkrankungsrisiko ausgesetzt ist.“

3 TEES FÜR IHRE GESUNDHEIT

Diese drei Tees unterstützen Ihr Verdauungssystem bei seiner Arbeit

Magen-Darm-Tee

  • Wermutkraut (10 g)
  • Schafgarbenkraut (40 g)
  • Pfefferminzblätter (30 g)
  • Bitterorangenschalen (10 g)

Gallentee

  • Löwenzahnwurzel (35 g)
  • Kamilleblüten (25 g)
  • Pfefferminzblätter (20 g)
  • Andornkraut (20 g)

Windtreibender Tee

  • Pfefferminzblätter (25 g)
  • Kamillenblüten (25 g)
  • Kalmuswurzel (25 g)
  • Kümmelfrüchte (25 g)

Von A wie Alkohol bis Z wie Zirrhose
Aufgrund ihrer Entgiftungsfunktion sieht sich die Leber naturgemäß einer großen Anzahl von möglichen Schadstoffen ausgesetzt und viele davon können über die tägliche Nahrung aufgenommen werden. „Zu den typischen Lebererkrankungen in Österreich zählt unter anderem die Fettleber“, erläutert Horetzky. „Diese ist häufig bedingt durch Überernährung, Fettleibigkeit, Alkoholgenuss und Diabetes mellitus – ein Umstand, der bis zur Entzündung der Fettleber führen kann.“ Ein Grund mehr also, bewusst auf seinen Körper zu achten und verarbeitete Lebensmittel sowie Alkohol nur in Maßen zu genießen. Sollte Bluthochdruck oder eine Zuckerkrankheit vorliegen, dann fördert eine gute Einstellung der Blutdruck- und Blutzuckerwerte die Gesundheit der Leber. „Aber auch Virusinfektionen können die Leber betreffen“, so der Arzt. Im Hinblick auf die Inzidenz sind in Österreich vor allem die Viruserkrankungen Hepatitis A bis E zu nennen. „Wichtig zu wissen ist, dass es gegen manche Hepatitis-Viren – nämlich A und B – Impfungen gibt“, erklärt Horetzky. „Über die Sinnhaftigkeit einer Impfung gegen Hepatitis A und B informiert üblicherweise der Hausarzt.“ Die Hepatitis-Impfung schützt effektiv vor diesen Krankheitserregern, die, wenn sie die Leber befallen, Entzündungen und einen Umbau des Bindegewebes und der Gefäßstruktur verursachen. „Das Endstadium einer chronischen Lebererkrankung zeichnet sich im Bild einer Schrumpfleber, Leberzirrhose genannt, ab“, weiß der Experte zu berichten, „in dieser Situation kann die Leber sich nicht mehr selbst regenerieren. Sie kann ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen und Schadstoffe können nicht mehr ausreichend abgebaut werden.“ Weitere, wenngleich seltenere, aber nicht weniger bedeutende Erkrankung, dieses Organs sind bösartige Tumore.


 

So erkennen Sie eine Lebererkrankung
Mithilfe von Vorsorgeuntersuchungen und Blutabnahmen zur Bestimmung der Leberwerte kann eine etwaige Beeinträchtigung der Leber frühzeitig erkannt werden. Es erweist sich jedoch als gut, selbst hin und wieder sprichwörtlich auf sein Bauchgefühl zu hören und lieber einmal früher zum Arzt zu gehen als zu spät. In der Tat besitzt die Leber selbst keine Nervenfasern und ist folglich ein schmerzunempfindliches Organ. Damit entfällt ein akutes Warnsignal des Köpers: der Schmerz. „Sie kann, trotz teilweise vorhandener Schädigung, ihre Aufgaben noch weiter erfüllen. Durch diese Situation verlaufen Erkrankungen der Leber zunächst unbemerkt“, betont Horetzky. Die Symptome zeigen sich als allgemeine Abgeschlagenheit und Müdigkeit und sind dementsprechend unspezifisch. „Im Verlauf einer Erkrankung kann allerdings die Bindegewebskapsel, die das Organ überzieht, gedehnt werden und somit ein Druckgefühl oder Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen verursachen“, sagt der Experte. „Häufig kommt es auch zu einer Störung der Blutgerinnung, da die Produktion der hierfür notwendigen Proteine in der Leber eingeschränkt ist. Das kann sich in wiederholtem Nasenbluten oder einer verstärkten Neigung zu Blutergüssen zeigen. Abgesehen davon können ebenso generalisierter Juckreiz, Gewichtsverlust, eine Rötung der Handinnenflächen und die bekannte Gelbfärbung von Haut und Augen auftreten.“

Die Leber bei der Entgiftung entlasten
Es gibt vielfältige Möglichkeiten, etwas Gutes für die Leber zu tun und sie bei ihren Aufgaben optimal zu unterstützen. „Aus medizinischer Sicht gibt es eine klare Empfehlung zur generellen gesunden Lebensweise. Die Leber wird es Ihnen danken, wenn Sie sich fett- und zuckerarm ernähren“, erläutert Dr. Horetzky. Unter einer ausgewogenen Ernährung versteht man den Verzicht auf zu viel Fleisch, Alkohol und den Einbau von beispielsweise Fischgerichten in den Speiseplan. Zusätzlich ist es hilfreich, auf Vollkornprodukte zurückzugreifen und gesunde Fette wie Olivenöl, Leinöl und Walnussöl anstelle von Kokos- oder raffinierten Ölen zu gebrauchen. Vorteilhaft ist es weiters, seine Mahlzeiten selbst zuzubereiten und auf Fertigprodukte zu verzichten, da diese meist eine ganze Bandbreite an Zusatzstoffen und eine große Menge Salz enthalten. „Sollten Sie an Übergewicht leiden, reduzieren Sie langsam, aber stetig Ihr Körpergewicht“, sagt der Arzt und betont, dass „eine schnelle und radikale Verringerung“ nicht sinnvoll sei.

Artischocke, Löwenzahn und Co
Eine schier endlos lange Liste an Arznei- und Heilpflanzen kann zur Förderung der Lebergesundheit und entgiftung zum Einsatz kommen. Pflanzliche Helfer haben den Vorteil, dass sie sanft in die fehlgesteuerten Körperfunktionen eingreifen und deswegen sehr gut verträglich sind. So kann etwa eine medikamentöse Therapie durch die Pflanzenheilkunde ergänzt werden, um eine bestmögliche Wirkung zu entfalten. Um das zu erreichen, sollte eine etwaige Behandlung immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, um potenzielle Wechselwirkungen mit Medikamenten zu vermeiden. Zu den am häufigsten verwendeten Arzneipflanzen bei Leber-Galle-Beschwerden gehören jene, welche über viele Bitterstoffe und ätherische Öle verfügen. Dazu zählen in erster Linie die bekannte Artischocke und der Löwenzahn, aber auch Mariendistelfrüchte, Kurkuma, Pfefferminzblätter, Erdrauchkraut, Wermut- und Schafgarbenkraut. Volksmedizinisch werden ebenfalls Andornkraut, Alantwurzel und Benediktenkraut mit Erfolg eingesetzt. Die enthaltenen Bitterstoffe und ätherischen Öle führen reflektorisch, über den bitteren Geschmack im Mund, zu einer gesteigerten Sekretion von Verdauungsenzymen wie Amylase, Lipase und Gastrin. Des Weiteren wird der Gallenfluss angeregt und vermehrt Magensaft gebildet. Damit wird der Verdauungsvorgang unterstützt, Völlegefühl vermieden und darüber hinaus dem lästigen Bauchdrücken vorgebeugt. Nicht umsonst gibt es nach zu viel Speis und Trank das Sprichwort: „Das schlägt mir auf den Magen.“

Starten Sie durch!
Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln. Verbannen Sie ungesunde Lebensmittel aus Ihrer Küche und probieren Sie mal etwas Neues aus. Versuchen Sie, mehr frisches Obst und Gemüse in Ihre Einkäufe zu integrieren und weniger zu Salami oder Wurst im Sonderangebot zu greifen. Unterstützen Sie die Entgiftung zusätzlich mit mehr Bewegung an der frischen Luft. Schritt für Schritt fördern Sie damit die Gesundheit Ihrer Leber und Ihr eigenes Wohlbefinden. Wenn Ihnen dann doch einmal eine Laus über die Leber läuft, hilft eine der drei, dem Österreichischen Arzneibuch entnommenen, Leber-Galle-Tees auf die Sprünge. Denn wie auch unser Experte Horetzky sagt: „Die Leber wird es Ihnen danken!“

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