Dienstag, 11. Dezember 2018

Wechseljahre- Sex? Ja bitte!

Ausgabe 2018.04
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Viele meinen, der Wechsel sei eine Zeit der Entbehrung und des Unwohlseins. Doch immer mehr Frauen entdecken die Qualität dieses Lebensabschnitts: Es kann eine Zeit der Freiheit, des Erkennens und der (Neu-)Entdeckung der Lust sein.


Foto: iStock-Squaredpixels

Die Wechseljahre bringen ganz ähnlich wie die Pubertät tief greifende Veränderungen: Der Hormonhaushalt der Frau stellt sich um und damit verändern sich Figur, Haut und Haare. Aber auch psychisch reagieren wir oft unerwartet, auch für uns selber – genauso wie in der Pubertät. Im Gegensatz zu unserer westlichen Kultur der „ewigen Jugend“ genießen Frauen in Asien oder Afrika nach den Wechseljahren sogar einen höheren gesellschaftlichen Rang und gelten erst dann als reif genug, um als Schamanin wirken zu dürfen. Doch auch bei uns beginnt sich die Wahrnehmung und das Selbstverständnis von Frauen im Wechsel zu ändern: „Heute hat sich das Bild der Frau in und nach den Wechseljahren entscheidend verändert. Früher war sie eine alte Frau, das Leben war aus, sie konnte nur mehr Enkel hüten und stricken. Heute sind Frauen nach dem Wechsel hochattraktiv, voll Leben und versprühen mehr Sexualität als junge Frauen. Sie entdecken ihr Frausein und fragen sich: Wer bin ich als Frau, ohne Kinder und alle Pflichten einer jungen Frau und Mutter. Der Wechsel ist eine magische Zeit, und Sexualität im Alter ist etwas sehr Schönes!“, erklärt Dr. Ulrike Wilhelm, psychologische Beraterin mit dem Spezialgebiet Sexualberatung.

Gesund durch den Wechsel

GESÜNDER LEBEN hat hier die wichtigsten Tipps für ein gesundes und lustvolles Leben in und nach den Wechseljahren.

  • Reinigen Sie sich mit Wasser oder speziellen Intimwaschlotionen: Seife, Desinfektionsmittel und Intimsprays reizen die empfindliche Schleimhaut und bringen die schützende Scheidenflora aus dem Gleichgewicht.
  • Feuchtcremes und Feuchtigkeitsvaginalzäpfchen können das Gefühl von Trockenheit, Juckreiz und Brennen in der Scheide und im Intimbereich reduzieren.
  • Bei Beschwerden im äußeren Intimbereich lindern Schutzsalben Trockenheitsgefühl, Brennen und Juckreiz.
  • Um ein gesundes Scheidenmilieu aufrechtzuerhalten, verwenden Sie regelmäßig milchsäurehältige Scheidenzäpfchen oder vaginale und orale Milchsäurebakterien
  • Gleitgel verhindert beim Sex die schmerzhafte Reibung bei vaginaler Trockenheit.
  • Bei häufigen Blasenentzündungen gilt: Viel Wasser trinken, die Blase häufig und vollständig entleeren, Kälte vermeiden. Cranberry-Saft und Kombinationspräparate haben antibakterielle, vorbeugende Wirkung ebenso wie D-Mannose.
  • Yamswurzel, Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze sind bewährte, nicht hormonelle Alternativen zu einer Hormonersatztherapie.
  • In jedem Fall: Wenden Sie sich an Ihren Frauenarzt und fragen Sie Ihre Apothekerin!

Was passiert im weiblichen Körper? Im Alter von 45 bis 55 reduzieren die Eierstöcke nach und nach ihre Funktion, sodass immer weniger Geschlechtshormone gebildet werden. Damit endet die Fruchtbarkeit der Frau. Das hat Auswirkungen auf den ganzen Organismus. Denn es sind nicht nur die bekannten typisch weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron, die mit den Veränderungen in den Wechseljahren zu tun haben. Sie arbeiten eng mit den Steuerungshormonen im Gehirn zusammen, die in hochkomplexen Kreisläufen den gesamten Hormonhaushalt der Frau regulieren.  Als Folge der Hormonschwankungen gerät auch das Gleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn durcheinander. Dadurch kommt es zu den typischen Wechselsymptomen. „Neben dem Hormonstatus gibt es auch psychische Veränderungen, die für viele Frauen einschneidend sein können“, erklärt Medizinerin Dr. Wilhelm. „Im Alter zwischen 40 und 55 passiert bei den meisten Frauen sehr viel: Die Kinder sind aus dem Haus, die Partnerschaft muss neu definiert werden, oft gibt es einen Berufswechsel. Viele Frauen werden sich bewusst, dass sie keine Kinder mehr bekommen können. Das kann ein Gefühl der Minderwertigkeit mit sich bringen oder einfach die Trauer, dass diese Zeit der Fruchtbarkeit und Fülle jetzt unwiederbringlich vorbei ist. Andererseits bringt es aber eine große Freiheit und eine in dieser Form nie da gewesene Unbeschwertheit. Frau kann ihre Sexualität endlich frei leben, ohne an Verhütung denken zu müssen. Keine tagtägliche Einnahme der Pille oder das Überprüfen des Menstruationszyklus, wenn sie sich für natürliche Verhütung entschieden hat. Einfach nicht mehr denken zu müssen, wann bekomme ich die Regel, habe ich meine Binden oder Tampons dabei, fahre ich gerade auf Urlaub, werde ich Bauchkrämpfe haben?“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wechseljahre- Sex? Ja bitte!
Seite 2 Sex – neue Wege erkunden

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