Samstag, 29. Februar 2020

Wechseljahre – auf zu neuen Ufern! - INTERVIEW

Ausgabe 2017.04
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INTERVIEW

GESÜNDER LEBEN hat Ulja Krautwald, eine der beiden Autorinnen von „Der Weg der Kaiserin“, getroffen.

„Frauen, genießt diesen Lebensabschnitt!“

Frau Krautwald, wie kam es zu diesem Buch?
Krautwald: Ich habe im Jahr 1998 als freie Autorin für eine Hamburger Frauenzeitschrift gearbeitet und eine Serie über TCM geschrieben. So habe ich Christine Li kennengelernt, die aus weiblicher Sicht ein Buch für Frauen mit dem uralten Wissen der chinesischen Medizin schreiben wollte. Sie hat auch Erfahrungen ihrer Patientinnen einfließen lassen. Damals war mir nicht klar, wie wichtig das Buch für viele Frauen sein wird. Heute ist es sogar auf Bulgarisch, Tschechisch, Kroatisch, Griechisch und natürlich auf Englisch übersetzt erschienen.

Wie haben Sie Ihren eigenen Wechsel erlebt?
Ich bin überzeugt, es ist Einstellungssache, ob man Beschwerden hat. Ich nenne es auch lieber Herausforderungen. Man kann ja auch Wallungen schön und spannend finden. Mir ist zum Beispiel leicht zu kalt, von daher fand ich die aufsteigende Hitze schön. Für mich war interessant, was da passierte.

Kommt jede Frau in den Wechsel?
In Kulturen wie Maya, Bantu, Mafa, Maori, in denen ältere Frauen jenseits der Wechseljahre als erfahrene Frauen einen hohen Status haben, finden sich Beschwerden der Wechseljahre kaum. Es hängt viel mit der Einstellung, der gesellschaftlichen Bewertung und auch mit der Ernährung zusammen. Japanische Frauen haben gar kein Wort für den Wechsel. In Japan wird ganz anders gegessen, viele Sojaprodukte, Algen, Fisch, Reis und Gemüse, Yamswurzel und andere Knollen. Möglicherweise wirken da auch die Phytohormone von Soja und Yamswurzel. Hitze fördernde Speisen wie rotes Fleisch, Chili oder Rotwein werden dagegen nicht so viel konsumiert.

Was raten Sie einer Frau im Wechsel?
Zunächst einmal, die Zeit zu genießen! Wenn die aufsteigende Hitze als unangenehm empfunden wird, anders zu essen, also erhitzende Speisen zu meiden. Viel Bewegung, Tanzen, Wandern, was Neues anfangen, mutig sein. Jetzt ist auch eine gute Zeit, ein Bewusstsein für den eigenen Körper weiterzuentwickeln. Es beginnt ein neuer aufregender Lebensabschnitt. Das Älterwerden ist in unserer Gesellschaft eine echte Herausforderung, besonders für Frauen, weil damit so viele Bewertungen verbunden sind. Diese persönliche Auseinandersetzung ist nicht immer leicht. Danach erst entsteht ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Die Kinder sind meist erwachsen oder zumindest aus dem Gröbsten raus, oft ist auch der Mann aus dem Haus. Das schafft Platz. Beruflich haben viele Frauen erreicht, was sie sich vorgenommen hatten. Jetzt kann die Frau sich neu orientieren und endlich all das umsetzen, wofür bisher keine Zeit, kein Platz und keine Kraft da waren. Auch das Ausbleiben der monatlichen Blutung ist ein Segen.

Kann eine veränderte Betrachtungsweise helfen?
Ich finde es völlig unangemessen, dass die Wechseljahre als Krankheit betrachtet werden. Der Wechsel ist ein natürlicher Vorgang. Wie die Pubertät hat er auch etwas Wildes, Hitziges, Unberechenbares. Das kann schon mal Angst machen. Es ist die Angst vor der wilden weiblichen Natur, die sich oft der eigenen Kontrolle entzieht und natürlich auch der Kontrolle der Männer. Dabei ist das Unberechenbare ja gerade das Schöne!

Was halten Sie von Hormonersatzprodukten?
Das wird jede Frau für sich persönlich entscheiden. Es gibt ja inzwischen viele Studien zum Thema Hormonersatztherapie, die auf ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Infarkte, Schlaganfälle, Thrombosen, Embolien und Eierstockkrebs hinweisen. Ich würde nicht dazu greifen.

Kommen auch Männer in den Wechsel?
Auch Männer haben hormonelle und persönliche Umstellungen zu bewältigen. Seit den 70er-Jahren nennt man das Midlife-Crisis. Die Hormone werden weniger, die Kraft lässt nach, die Erektionsselbstverständlichkeit wird weniger.

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wechseljahre – auf zu neuen Ufern!
Seite 2 INTERVIEW

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