Montag, 16. September 2019

Wechseljahre – auf zu neuen Ufern!

Ausgabe 2017.04
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Immer mehr Frauen entdecken die Wechseljahre neu. Sie erkennen die Chancen, die die Mitte des Lebens bereithält. gesünder leben zeigt, wie Sie Ihre Lebensqualität deutlich steigern können.


Foto: Can Stock Photo - halfpoint, Lea Hepp

 

Als Autorin dieser Zeilen weiß ich, wovon ich schreibe! Ich bin 56 und seit mehr als zehn Jahren im Wechsel. Ich sitze in geschäftlichen Besprechungen, umringt von Männern, und spüre, wie die Hitze in mir aufsteigt, wie ich mich in Schweiß auflöse, bevor ich als Rettung zu meinem Fächer greife und mir wild kühle Luft zufächle. Sehr zum Erstaunen der Männer, denen ich mittlerweile ganz „cool“ mitteile: „Meine Herren, ich bin im Wechsel. Das ist etwas ganz Normales!“ Wie ich zu diesem Selbstbewusstsein gekommen bin? Unter anderem durch das Buch „Der Weg der Kaiserin“ von Christine Li, Sinologin und Ärztin für westliche und chinesische Medizin, und der Medizinsoziologin Ulja Krautwald (Fischer Taschenbuchverlag). „Mit dem Versiegen der Menstruation hat die Frau alle ihre Kraft für sich selbst. Nun verfügt sie über die Möglichkeit und die Erfahrung, das in die Tat umzusetzen, was sie immer schon wollte, sich vorher nicht traute oder wofür sie keine Zeit hatte. Die zweite Hälfte des Lebens gehört ihr allein. Vorausgesetzt, sie ist bereit, das Geschenk zusätzlicher Kraft anzunehmen“, schreiben die beiden Autorinnen. Denn: „Die Frau um fünfzig ist die mächtige Matrone, nicht das liebliche Mädchen.“ Noch einmal jung sein mit all den Erfahrungen der späteren Jahre, das ist der klugen Frau, im Buch „Kaiserin“ genannt, vergönnt.

Beschwerden durch Hormonentzug. Natürlich leugnen die Autorinnen nicht die im Wechsel auftretenden Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Depressionen, trockene Schleimhäute, Herzklopfen, Nachtschweiß, Schlafstörungen, rheumaartige Gelenksbeschwerden, Taubheit, Kribbeln, glanzlose Haare, brüchige Nägel und vieles mehr. „Aber häufig vergisst man bei der Bewertung der Wechseljahrsymptome, dass die meisten Frauen im Laufe ihres Lebens viel heftigeren Hormonschwankungen ausgesetzt sind: Die Pubertät, jedes An- und Absetzen der Pille, jede Schwangerschaft, jede Geburt, jede Fehlgeburt und jeder Abbruch und nicht zuletzt der Menstruationszyklus selbst bewirken vielfältige, zum Teil extreme Veränderungen des Hormonspiegels.“ Je nach subjektiver Bewertung empfinden Frauen diese Veränderungen als angenehm oder unangenehm. „Vieles wird auch auf die Wechseljahre geschoben, ein natürlicher Vorgang wird als Krankheit bezeichnet und so verändert sich das subjektive Gefühl“, ist Ulja Krautwald überzeugt. Die Wechseljahre sind vielmehr eine Periode des Abfallens der Hormonproduktion weiblicher Geschlechtshormone – laut traditioneller chinesischer Medizin (TCM) ein Vorgang, der rund 20 Jahre dauert. Die wichtigste hormonelle Änderung ist der Rückgang des Östrogens, das in den Eierstöcken gebildet wird. Aber, so sind Krautwald und Li überzeugt, die subjektive Bewertung der Beschwerden ist oft der am meisten krank machende Faktor.

Neue Energien in der Lebensmitte. Aus Sicht der TCM verbrauchen wir im Laufe unseres Lebens die angeborene Lebensenergie, die Essenz, die in den Nieren gespeichert ist. Das Ausbleiben des „himmlischen Wassers“, wie die chinesische Medizin die Menstruation nennt, zur Lebensmitte hilft den Frauen, ihre Kräfte, die zuvor mit der monatlichen Blutung freigesetzt wurden, zu schützen, und gibt ihnen die Möglichkeit, sie ganz für sich zu nützen. Tun sie das nicht, staut sich diese expansive Energie und es kommt zu Störungen des Energieflusses, der sich als Hitze, Gereiztheit oder auch sexuelle Übererregung äußern kann. Denn „mit dem Versiegen der Menstruation wird überschüssige Hitze nicht mehr ausgeleitet und ein großer Teil des kühlenden Yin ist in der Lebensmitte schon verbraucht“, erklären die Autorinnen. „Da können manche Frauen durch das überschüssige Yang ganz schön in Wallung geraten.“ Dr. Cecilia Deri, Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin mit Ärztekammerdiplom für Akupunktur zieht Parallelen zwischen westlicher Medizin und der TCM: „In der chinesischen Medizin sagen wir, das Nieren-Yin nimmt im Wechsel ab, das ist in der westlichen Medizin das Östrogen. Dadurch kommt es zu Osteoporose, zum Weißwerden der Haare, zu Zahnausfall usw. Durch das Abnehmen des Nieren-Yin entsteht das sogenannte Leberfeuer, die Hitze steigt auf, die Frauen leiden unter Schweißausbrüchen, Schlaflosigkeit, Trockenheit der Schleimhäute.“

Übersicht zu diesem Artikel:
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