Freitag, 19. Juli 2019

Wechsel beschwerden müssen nicht sein! - Heilkräuter & mehr

Ausgabe 2019.07/08
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Heilkräuter & mehr

Dr. Karin Buchart ist Ernährungswissenschafterin an der TEH Akademie des Vereins für Traditionelle Europäische Heilkunde im Salzburger Unken. In ihrer Doktorarbeit hat sie das regionale Heilwissen im Pinzgau erhoben. „Heilpflanzen sind in den Wechseljahren sehr hilfreich. Wenn die Monatsblutung noch vorhanden ist, verwenden wir für die beiden Zyklushälften unterschiedliche Pflanzen. In der ersten Hälfte gilt es, die Durchblutung mit phytoöstrogenhältigen Pflanzen zu fördern. Sie wirken ausgleichend bei zu hohem und ergänzend bei zu niedrigem Östrogenspiegel. Denn ein Zeichen der Wechseljahre sind Hormonschwankungen. Ist der Östrogenspiegel zu hoch, besetzen die phytoöstrogenhältigen Pflanzen die Rezeptoren schneller als die körpereigenen Östrogene, wirken aber schwächer. Dadurch wird der Östrogenspiegel gesenkt. Ist er zu niedrig, erhöhen wir ihn mit Pflanzenöstrogenen wie Himbeerblättern, den Blättern der schwarzen Ribiseln, Beifuß, Rotklee, Salbei, Hopfen und Leinsamen. Man trinkt sie als Tee oder bereitet einen alkoholischen Auszug, weil Tropfen einfacher in der Handhabung sind. In der zweiten Zyklushälfte knapp vor und nach dem Eisprung steht die Entspannung im Vordergrund. Wir verwenden progesteronhältige Pflanzen wie Frauenmantel, Schafgarbe und Gänsefingerkraut. Sie wirken entspannend und sind auch gut für die Stimmung. Auch beim prämenstruellen Syndrom, den Schmerzen vor der Regel, sind sie zum Loslassen und Entspannen zu empfehlen.“  Dr. Buchart befasst sich seit 2004 hauptberuflich mit regionalen Kräutern und Heilpflanzen und ist Lehrbeauftragte des Zentrums für Gastrosophie, dem Forschungszentrum für Esskultur an der Universität Salzburg. „Damit die Zellen elastisch bleiben und der Zellstoffwechsel aktiviert wird, sollten Frauen Omega-3-Fettsäuren, also Fisch, Leinöl und Walnussöl, essen. Ich empfehle auch das Budwigmüsli, es wirkt kühlend und enthält Phytoöstrogene in Form von Leinsamen.“ Auch Frauenarzt Dr. Wellenhofer kennt eine Reihe von Alternativtherapien: „Entscheidet sich eine Patientin gegen den Hormonersatz, gibt es die Therapie mit pflanzlichen Substanzen, sogenannten SERMs (selektive Östrogenrezeptormodulatoren) an. Dazu gehören Rotklee, Sojaisoflavone, Traubensilberkerze  – alles Substanzen, die eine Anwesenheit von Östrogen an den Rezeptoren im Gewebe imitieren, aber keine Risikoerhöhung wie die HET mit sich bringen. Haben weder Hormonersatztherapie noch SERMs Erfolg, gibt es die Möglichkeit der Ohrakupunktur mit Dauernadeln. Außerdem empfehle ich Ausdauersport wie Nordic Walking oder Radfahren. Erleichterung kann auch die sogenannte Anti-Aging-Ernährung bringen. Dabei wird um 8 Uhr und um 16 Uhr und anschließend 16 Stunden nichts gegessen. In jedem Fall ist aber die jährliche gynäkologische Kontrolle unbedingt anzuraten!“

 

Typische Wechselbeschwerden und Therapiemöglichkeiten

Diese häufigsten Symptome im Wechsel können gut therapiert werden – zumeist auch auf natürliche Art.

 

Hitzewallungen und Schweißausbrüche

Dr. Buchart empfiehlt Apfelessig- oder Zitronenwaschungen. „Waschungen sind ja in Zeiten moderner Badezimmer ganz aus der Mode gekommen, aber sehr wirkungsvoll. Man verdünnt Apfelessig mit Wasser im Verhältnis 1:5 und wäscht sich damit ganzkörperlich. Es riecht nur kurz nach Essig und ist angenehm kühlend. Innerlich ist der schweißhemmende Salbei das Mittel der Wahl. Ich empfehle auch die Tinktur „Frauenpower 45plus“, von Maria Hauser aus den Hohen Tauern. Sie besteht aus Zitronenmelisse, Salbei, Kamille, Weißdorn und Johanneskraut, wirkt auch stimmungsaufhellend und sollte drei bis vier Wochen genommen werden.“ Dr. Heide Fischer, Frauenärztin aus Freiburg in Deutschland empfiehlt als Tee zur Förderung des Kalziumstoffwechsels die Mischung von Ackerschachtelhalm, Brennnessel und Löwenzahnwurzel.

 „An erster Stelle zur Stimmungsaufhellung steht das Johanniskraut. Lavendel hebt – wissenschaftlich erwiesen – den Serotoninspiegel und auch Kamille tut gut. Hat frau aber wirkliche Depressionen, sollte sie jedenfalls einen Arzt aufsuchen“, erklärt die Kräuterexpertin. Dem stimmt auch der Gynäkologe zu: „Grundsätzlich ist zu klären, ob es sich um eine endogene Depression handelt. Manchmal ist eine Hormonersatztherapie erfolgreich. Ich empfehle auch hier Ausdauersport sowie eine Lichttherapie.“

Schlafprobleme

„Einschlafanstoßende Kräuter sind Zitronenmelisse, Lavendel, Hopfen, Baldrian und Zitronenverbene, abends als Tee zu trinken und nachts, wenn man aufwacht, als Tinktur. Der zitronige Duft ist auch gut für die Stimmung“, weiß die Ernährungswissenschafterin. Gynäkologe Dr. Wellenhofer: „Im Rahmen einer Hormonersatztherapie werden auch die Schlafstörungen besser. Darüber hinaus ist Anti-Aging-Ernährung und Alkoholabstinenz zu empfehlen. Grundsätzlich sollte man vor dem Einschlafen blaues Licht vermeiden, also Computer, Fernseher, Handy. Zu empfehlen sind auch spezielle Handy-Apps, die Schlafverhalten und Tiefschlafphasen aufzeichnen.“ 

Trockene Schleimhäute

„Es gibt eine Reihe von Pflanzen, die viel Pflanzenschleim enthalten und eine befeuchtende Wirkung haben, weil sie mit Wasser aufquellen und sich wohltuend über die trockenen Schleimhäute legen. Dazu gehören Malve, Eibisch und Spitzwegerich. Man bereitet einen Kaltauszug, denn die Schleime sind empfindlich und würden als heißer Tee zerstört. Lassen Sie die Kräuter zwei bis vier Stunden im kalten Wasser ziehen und trinken Sie den Absud. Ich empfehle auch unseren TEH-Sauerhonig, er besteht aus drei Teilen Honig und einem Teil Apfelessig. Mit Wasser verdünnt befeuchtet er, wirkt kühlend und probiotisch für die Flora der Schleimhäute“, empfiehlt Dr. Buchart.  Frauenarzt Dr. Wellenhofer: „Ich empfehle meinen Patientinnen entweder eine Hormonersatztherapie oder SERMs wie Isoflavone, Rotklee oder Traubensilberkerze. Lokal anzuwenden gibt es vaginale Hyaluron- oder Östrogenzäpfchen. Gegen trockene Augen bieten spezielle Apotheken Östrogenaugentropfen an.“ 

Entzündungen

„Bei Neigung zu Scheiden- und Blasenentzündungen sollten Frauen der Scheidenflora Gutes tun. Bäder mit Apfelessig oder Salzbäder mit 1–2% Salz fördern das Wachstum der Milchsäurebakterien. Man kann auch Rose und Lavendel dazugeben. Ist eine Entzündung akut, empfehle ich innerlich wie äußerlich Salbei und Schafgarbe“, rät die Kräuterspezialistin. 

Gewichtszunahme

Dr. Wellenhofer erklärt: „Im Hormonbefund sieht man den Testosteron- und den DHEAS-Wert. Sind sie sehr niedrig, führt das zu Gewichtszunahme, vor allem des Bauchfetts. Als Therapie eignet sich der Hormonersatz, der allerdings nur bei vollständiger Alkoholabstinenz erfolgreich ist.“ Dr. Buchart: „Bitterkräuter wie im TEH-Bitterkräuterpulver oder in alkoholischer Lösung im Pinzgauerbitter oder Schwedenbitter regen den Stoffwechsel an, der im Alter träge wird, und fördern die Fettverdauung.“ 

Libidoverlust

„Bei sexueller Lustlosigkeit sind ebenfalls Bitterkräuter zu empfehlen. Wie ein Aphrodisiakum wirkt auch Galgantwurzel, sie ist bitter und scharf“, erklärt die Kräuterexpertin. Auch der Gynäkologe verweist auf in Apotheken frei erhältliche Medikamente auf Kräuterbasis: „Bringen diese keinen Erfolg, sollte die Konsultation eines Sexualtherapeuten überlegt werden.“  

Gelenks- und Muskelschmerzen

„Sehr hilfreich ist die Basensuppe. Ungesalzen, jeden Tag getrunken wirkt sie gegen Steifigkeit am Morgen und tut dem Bindegewebe gut wie grundsätzlich alle basenbildenden Nahrungsmittel“, lautet die Empfehlung der Kräuterexpertin.

Weitere Informationen: www.wellenhofer.com , www.teh.at

Übersicht zu diesem Artikel:
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