Sonntag, 15. September 2019

Wechsel beschwerden müssen nicht sein!

Ausgabe 2019.07/08
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Die Wechseljahre bereiten rund 70 Prozent der betroffenen Frauen die unterschiedlichsten Beschwerden. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie diese in den Griff bekommen – und das Leben wieder so richtig genießen können!


Foto: © iStock - piolka

Bereits ab dem 40. Lebensjahr beginnen die Eierstöcke die Hormonproduktion zu verlangsamen. Dadurch sinken kontinuierlich zuerst der Progesteron- und dann der Östrogenspiegel. In seltenen Fällen wird der Beginn des Wechsels schlagartig wahrgenommen. Die Zeitspanne von den ersten Anzeichen bis zur letzten Hormonumstellung in der Postmenopause bezeichnet man als Wechseljahre. In dieser Zeit können Beschwerden auftreten, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Durch die verminderte Hormonproduktion kommt es zu typischen Symptomen wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen, Nervosität, innerer Unruhe, Herzrasen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Haarausfall, Hautveränderungen und Gewichtszunahme. Viele Frauen neigen zu depressiven Verstimmungen. Etwa jede dritte Frau ist von Beschwerden betroffen. 

Was passiert in den Wechseljahren?

„Schuld“ an den Beschwerden ist die Hormonumstellung, die von der Hypophyse, der Hirnanhangsdrüse, gesteuert wird. Unter dem Einfluss des follikelstimulierenden Hormons reifen die Eizellen in den Eibläschen heran. Diese produzieren Östrogen, das zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut führt und bei entsprechender Höhe das Gehirn zur Auslösung des Eisprungs veranlasst. Der zurückbleibende Gelbkörper produziert Progesteron, das die Gebärmutterschleimhaut für eine Schwangerschaft vorbereitet. Tritt sie nicht ein, wird die Progesteronproduktion eingestellt und die Gebärmutterschleimhaut in der Regelblutung abgestoßen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Empfindlichkeit der Eierstöcke gegenüber der hormonellen Stimulation ab. Der Eisprung findet seltener statt und die Produktion von Östrogen in den Eibläschen sinkt.

 „Die häufigsten Beschwerden meiner Patientinnen in den Wechseljahren sind Schlafstörungen, Hitzewallungen, Libidoverlust, Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen sowie Haut- und Schleimhauttrockenheit“, berichtet Oberarzt Dr. Alfred Wellenhofer, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in Baden. „Wenn Patientinnen mit Wechselbeschwerden zu mir kommen, steht am Beginn ein ausführliches Anamnesegespräch. Als Basisuntersuchung ist ein Hormonprofil in Form einer Blutuntersuchung wichtig, eine Knochendichtemessung und die Mammografie.“ Die Einstellung der Eierstockfunktion geht nicht von heute auf morgen, definitionsgemäß findet sie zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr statt. „Es ist ein länger dauernder Prozess, der sehr individuell ist“, erklärt der Gynäkologe. „Bei manchen Patientinnen geht das sehr rasch, bei anderen zieht es sich über viele Jahre. Nicht alle Frauen leiden, erfahrungsgemäß haben etwa 70 Prozent Beschwerden, davon 30 Prozent schwere. Die Dauer des Wechsels hängt sehr von der persönlichen Einstellung und Akzeptanz des neuen Lebensabschnittes ab. Auch genetische, kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe spielen eine Rolle. Systemisch betrachtet hatte zwar oft die Mutter einer Patientin gar keine Beschwerden, aber die Großmutter väterlicherseits.“ Meistens werden die Symptome nach dem dauerhaften Ausbleiben der Blutung, also in der Postmenopause, besser oder verschwinden vollständig.  

Hormonersatztherapie

Zu einem verantwortungsvollen Patientinnenmanagement gehört die Aufklärung über das Für und Wider einer Hormonersatztherapie (HET) und über komplementärmedizinische Therapieformen wie Kräuter, Akupunktur oder Yoga. Dr. Wellenhofer: „Die Grundfrage ist, was sich die Patientin wünscht, aber auch, welches Risiko sie betreffend Hormonersatztherapie einzugehen bereit ist bzw. mit welchen Symptomen, die in manchen Fällen ein Leben lang andauern können, sie leben will. Wünscht sich die Patientin eine Hormonersatztherapie, muss zuerst ein sorgfältiger klinischer Check erfolgen. Ich erfrage, ob es Faktoren gibt, die dagegen sprechen wie zum Beispiel Bluthochdruck, Thromboseneigung, familiäre Vorbelastung durch Mamma- oder Uteruskarzinome. Am wichtigsten ist die umfassende Aufklärung!“

Eine Hormonersatztherapie ist als systemische Ganzkörpertherapie mit Tabletten bzw. einem Gel zur äußerlichen Anwendung möglich oder zur Risikoabsenkung als lokale Therapie mit Vaginalzäpfchen. „Wählt eine Patientin die Hormonersatztherapie, muss sie sich außerdem zwischen einer zyklischen Östrogen-Gestagen-Therapie, bei der die Monatsblutung weiter bestehen bleibt, oder einer kontinuierlichen Hormonersatztherapie entscheiden“, erklärt der Gynäkologe, dem die laufende Kontrolle besonders wichtig ist. „Ein Mal jährlich mache ich eine Kontrollanamnese, ob die Patientin medikamentös richtig eingestellt ist, sowie einen Laborbefund. Ganz wichtig ist die regelmäßige Mammografie, die Verlaufskontrolle der Knochendichte mittels Knochendichtemessung und die Vaginalsonografie zur Beurteilung der Gebärmutterschleimhautdicke.“  

Übersicht zu diesem Artikel:
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