Sonntag, 22. September 2019

Was können Vitamine wirklich?

Ausgabe 02.2015
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Stärkt Kalzium tatsächlich den Knochen? Schützt Vitamin C vor Erkältungen? Sorgt Zink für schöne Haut? Die gesünder leben-Experten sagen, was Vitamine und Mineralstoffe wirklich können – und was nicht.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - glorcza

Wir brauchen sie wie das Licht zum Leben: Vitamine und Mineralstoffe, diese winzigen und für uns unsichtbaren organischen Bausteine, treiben den menschlichen Motor erst richtig an. Sie sind nicht nur für einen intakten Stoffwechsel und die Hormonbildung verantwortlich, sondern produzieren Körpergewebe, wandeln Nahrung in Energie um und bauen Knochen, Zähne und Blutzellen auf. Während wasserlösliche Vitamine (B-Gruppe, C und Biotin) bei einem Überangebot ausgeschieden werden, reichern sich die fettlöslichen Helfer der Natur (A, D, E und K) im Körper an. Mineralstoffe aktivieren u. a. zahlreiche Enzyme, die den Organismus in Schwung halten, und übertragen Nerven- und Muskelreize. Man unterscheidet zwischen Mengenelementen (z. B. Magnesium, Phosphor oder Kalzium) und Spurenelementen (z. B. Eisen, Fluor, Zink oder Selen). Sie alle erfüllen ganz spezifische Aufgaben und müssen regelmäßig in empfohlenen Mindestmengen zugeführt werden, um Körper und Geist gesund und fit zu halten. Welche wertvollen Dienste das sind und welche populären Irrtümer nach wie vor existieren, erklären unsere Experten. Sie werden staunen!

Sind Sie gut versorgt?

Symptome, die möglicherweise auf einen Nährstoffmangel hinweisen:

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • brüchige Nägel, Haarausfall 
  • eingerissene Mundwinkel
  • erhöhte Infektanfälligkeit 
  • trockene Haut 
  • schlecht heilende Wunden 
  • Appetitlosigkeit 
  • Heißhunger auf Süßes 
  • leicht depressive Verstimmung

 

Nährstoffmängel können durch Vitalstoffanalysen im Blut erhoben und danach gezielt behandelt werden. Bei Verdacht wenden Sie sich an einen diplomierten Ernährungsmediziner.

 

„Karotten sind gut für die Augen“
 RICHTIG  „Es gibt eine wissenschaftliche Evidenz, dass Vitamin A, das z. B. in Karotten reichlich enthalten ist, die Sehschärfe beeinflusst“, bestätigt Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin in Wien. Schließlich verbessert es die qualitative Zusammensetzung des Tränenfilms und unterstützt die Bildung des Proteins Opsin, das auch als „Sehpurpur“ bekannt ist. Wird davon zu wenig produziert, kann die Sehschärfe negativ beeinträchtigt werden. Die möglichen Folgen: Nachtblindheit, eine rasche Ermüdung der Augen und eine Verhornung der Sehzellen. „Um Vitamin A bzw. seine Vorstufe Retinol optimal aufzunehmen, bedarf es allerdings ein wenig Fett“, meint die Wiener Internistin und Orthomolekularmedizinerin Dr. Petra Fabritz. Wer daher geriebene Karotten z. B. mit etwas Olivenöl verfeinert, zaubert sich eine wahre Vitamin-A-Bombe. Aber Achtung: „Brechungsfehler des Auges wie Kurzsichtigkeit oder Astigmatismus sind nicht auf einen Retinol-Mangel zurückzuführen und können daher auch nicht durch Vitamin A ausgeglichen werden“, gibt Widhalm zu bedenken.  

„Vegetarier neigen zu Vitamin-B12-Mangel“
 RICHTIG  Vitamin B12 – das Zentralatom im roten Blutfarbstoff Hämoglobin – ist in größeren Mengen in Fleisch als in pflanzlichen Produkten enthalten. „Allerdings können sich Vegetarier vor einem Mangel schützen, indem sie ausreichend andere Lebensmittel tierischer Herkunft wie z. B. Eier oder Milchprodukte zu sich nehmen“, erklärt Widhalm, der aus gesundheitlichen Gründen generell für eine fleischreduzierte Kost plädiert. Expertin Fabritz empfiehlt Vegetariern zudem eine regelmäßige Kontrolle des Vitaminstatus, um eine Unterversorgung mit dem wasserlöslichen Vitamin ausschließen zu können. Schließlich bietet es Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beeinflusst die Zellteilung und wirkt bei der Ausbildung der Myelinscheide, welche die Nervenfasern umhüllt, mit. Übrigens: Auch auf Obst und Gemüse befinden sich Vitamin-B12-produzierende Mikroorganismen, die einen Mangelzustand verhindern. Es bedarf allerdings einer intakten Darmflora, da die Vitamin-B12-Resorption im Magen stattfindet.

„Magnesiummangel verursacht Wadenkrämpfe“
 Eher Falsch  „Bei Wadenkrämpfen spielen mehrere Mikronährstoffe eine Rolle“, meint Widhalm. „Zu wenig Magnesium kann, aber muss nicht die Ursache sein.“ Auch ein Mangel des Coenzyms Q10 kann laut Expertin Fabritz Krämpfe auslösen. Sollten sich – vor allem nächtliche – Wadenkrämpfe häufen, lohnt es sich, einen Arzt zu konsultieren. Schließlich können Durchblutungs- und Elektrolyt­störungen, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen sowie rheumatische, neuromuskuläre und orthopädische Erkrankungen dahinterstecken. Falls tatsächlich ein Magnesiummangel attestiert werden sollte, greifen Sie am besten zu hochdosierten Präparaten aus der Apotheke.

„Vitamin C schützt vor Erkältungen“
 Falsch  Vitamin C gilt, insbesondere seit der Chemie-Nobelpreisträger Linus Pauling in den 1970-er Jahren die angebliche Wirkung von hochdosiertem Vitamin C (mehr als 200 mg pro Tag) anpries, als Schnupfen- und Husten-Vitamin schlechthin. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration wies hingegen nach, dass das nicht der Fall ist. „Studien belegen, dass die Häufigkeit von Erkältungen nicht durch die vorbeugende, hochdosierte Vitamin-C-Einnahme reduziert werden kann“, erklärt Widhalm. Trotzdem: Vollkommen nutzlos scheint Vitamin C bei harmlosen Erkältungskrankheiten nicht zu sein. Es kann – bei regelmäßiger Einnahme (!) – die Krankheitsdauer geringfügig verkürzen; bei Kindern ist dieser Effekt etwas deutlicher. „Ausschlaggebend ist zudem, in welcher Form Vitamin C zugeführt wird. Der Inhalt von Brausetabletten wird innerhalb weniger Stunden wieder ausgeschieden. Retardierte Präparate, also Arzneimittel mit verzögerter Wirkstoff-Freisetzung, sind hingegen länger im Blut nachweisbar“, so Fabritz.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Was können Vitamine wirklich?
Seite 2 Vitamin D

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