Montag, 10. Dezember 2018

Was hilft gegen Schmerzen?

Ausgabe 11/2011
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Akute Kopf-, Rücken- oder Gelenkschmerzen können oftmals selbst behandelt werden. Doch: Wann sollte man einen Arzt aufsuchen? Und welche Rolle spielt die Psyche bei Schmerzen? GESÜNDER LEBEN hat nachgefragt.

Foto: Istock.com
Wer kennt ihn nicht – den Schmerz, der nach einem langen Arbeitstag den Rücken peinigt, den Krampf im Unterleib, der viele Frauen allmonatlich plagt, oder die Stiche im Kopf, die von zu viel Stress oder auch zu viel Alkohol oder Rauch herrühren? Solche Alltagsschmerzen sind in der Regel nicht chronisch und man kann sie mitunter selbst kurieren.
Doch bevor man munter ans Werk geht, sollte man die Worte des Präsidenten der Österreichischen Schmerzgesellschaft, Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzky von der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg bedenken: „Schmerzen zeigen immer an, dass etwas nicht in Ordnung ist. Besonders beachten sollte man diese Grundregel: Schmerz, der drei Monate oder länger bestehen bleibt und sich trotz Intervention nicht bessert, ist chronisch geworden.“
Doch auch mit akutem Schmerz sollte man nicht fahrlässig umgehen. „Akuter Schmerz kennzeichnet sich dadurch, dass er rasch kommt und auch oft rasch wieder vergeht. Trotzdem: Er ist immer ein Warnsignal des Körpers, und man sollte sich damit an den Arzt wenden“, so der Experte.

Schmerz: vielfältige Ursachen. Die Ursachen von Schmerzen sind immer vielfältig, und deshalb muss auch die Behandlung dieses Problems auf mehreren Ebenen ansetzen. „Wir gehen heute davon aus, dass Schmerz immer eine biopsychosoziale Einheit ist“, sagt Bernatzky. „Auf der biologischen Ebene gibt es eine körperliche Ursache, von der auch die Schmerzreizweiterleitung und die Schmerzverarbeitung im Gehirn abhängen. Was die psychische Ebene betrifft, so entscheiden etwa bei der Schmerzwahrnehmung auch die momentane psychische Verfassung oder die Stimmung darüber, wie intensiv man den Schmerz wahrnimmt. Und auf der sozialen Ebene sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eines Schmerzpatienten zu berücksichtigen.“

Hausmittel und ihre Grenzen. Natürlich ist es sinnvoll, altbewährte Hausmittel gegen Alltagsschmerzen einzusetzen (siehe dazu auch Kasten), doch sollten Sie darauf achten, was Ihnen Ihr Körper mit seinen Schmerzsignalen sagen will. Wenn Sie also am Ende eines langen Arbeitstages Schmerzen im Bewegungsapparat verspüren, machen Sie eine Bestandsaufnahme und beachten Sie dabei auch, ob Sie etwa beim Heben von Lasten die Wirbelsäule falsch belasten oder ob Sie, wenn Sie einen sitzenden Beruf haben, nicht öfters aufstehen und sich bewegen sollten. Und: „Wenn die Beschwerden zwischen zwei und vier Uhr früh auftreten, liegt meist ein entzündliches Geschehen vor. Nächtliche Kreuzschmerzen sind ein Warnsignal, das ärztlich abgeklärt werden muss“, warnt Bernatzky. So sind Schmerzen im Brustkorb bei Belastung jedenfalls ein Grund, den Arzt zu kontaktieren. Auch Bauchschmerzen, die stark stichartig sind und/oder mit Blut im Stuhl, Erbrechen, Durchfall und Fieber sowie starkem Schwitzen, Blässe und einem Kollapsgefühl einhergehen, bedürfen unbedingt der ärztlichen Abklärung.

Sonderfall Kopfschmerz. Kopfschmerzen sind für Experten ein eigenes Kapitel. Denn viele Betroffene verwenden viel zu häufig Schmerzmittel und setzen damit einen Teufelskreis in Gang, der dazu führt, dass die vorher punktuell aufgetretenen Kopfschmerzen chronisch werden. Deshalb unsere klare Empfehlung: Wenn Sie an mehr als zehn Tagen im Monat Kopfschmerzen haben, immer mehr oder immer häufiger Schmerzmittel brauchen, zusätzlich Fieber und/oder einen steifen Nacken haben, die Kopfschmerzen generell stärker werden oder sich in ihrer Qualität ändern – das sind alles klare Signale, einen Arzt aufzusuchen. Zusätzliche starke Übelkeit, Sehstörungen, Kurzatmigkeit oder Fieber sind ebenfalls Indikationen für einen Arztbesuch.  

Vorbeugung ist möglich. Fragt sich zum Schluss noch, was man eigentlich tun kann, damit die Pein des Alltags gar nicht erst auftritt? Bernatzky: „Von aktiver regelmäßiger Bewegung weiß man, dass sie erstens sehr gut vorbeugend gegen Schmerzen wirkt, und zweitens auch dann, wenn man schon Beschwerden hat, schmerzlindernd wirkt. Das zweite hochwirksame Prophylaktikum gegen Alltagsschmerz ist Entspannung, die ebenfalls nicht nur vorbeugend wirkt, sondern auch die Wahrnehmung der Schmerzintensität verringert.“
Ein in diesem Zusammenhang besonders empfohlenes Entspannungsverfahren ist übrigens die „Progressive Muskelentspannung“, bei der durch die willentliche und bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung des ganzen Körpers erreicht werden kann.

1. Hilfe bei Alltagsschmerz
  • Bei Rückenschmerzen Wärmeflasche oder Thermopack auflegen.
  • Bei Glieder- oder Gelenkschmerzen Massagen oder Gymnastik versuchen. Auch probat: mit Gelkissen kühlen (Manchem hilft allerdings Wärme besser – hier gilt es auszuprobieren).
  • Bei Regelschmerzen Wärmeflasche oder Thermopack auflegen.
  • Bei Kopfschmerzen einen kalten Waschlappen auf Stirn oder Nacken legen, einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft machen, Entspannungsübungen wie die Progressive Muskelentspannung durchführen.
  • Zur Vorbeugung aller Alltagsschmerzen ausreichend schlafen, ausgewogen essen, nicht rauchen und nur mäßig Alkohol trinken. – Sport hilft, das richtige Körpergewicht zu halten, denn: Jedes Kilo zuviel ist eine zusätzliche Belastung für Rücken und Gelenke.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Was hilft gegen Schmerzen?
Seite 2 Positive Lebenseinstellung schützt vor Schmerz!

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