Freitag, 18. Oktober 2019

Was hilft bei Winterblues?

Ausgabe 11/2009
Triste Stimmung an grauen Tagen? Und auch sonst kämpfen Sie öfters mit Seelentiefs, und im Herbst und Winter fällt Ihnen alles besonders schwer? Mit diesem Problem stehen Sie nicht alleine da, vielen Menschen schlägt die dunkle Jahreszeit auf die Stimmung und sie leiden unter Depressionen. Eine spezielle Behandlung kann jedoch wieder Licht ins Leben bringen.

Foto: Alx - Fotolia.com
Was genau ist eine „Herbst-Winter-Depression“?
Univ.-Prof. Dr. Nicole Praschak-Rieder
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Wien

Man versteht darunter eine Verschlechterung der Befindlichkeit mit depressiver Stimmungslage während der Herbst- und Wintermonate. Leider kommt die Erkrankung bei den meisten Betroffenen jedes Jahr im Herbst wieder. Sie fühlen sich niedergeschlagen und müde, zeigen wenig Interesse an ihrem Hobby oder an Alltagsaktivitäten, oft nehmen sie an Gewicht zu. Sie leiden an Konzentrationsstörungen und haben somit auch Schwierigkeiten am Arbeitsplatz. Das Verlangen nach Sexualität lässt nach. All diese Symptome belasten natürlich auch zwischenmenschliche Beziehungen und Partnerschaften.
Wesentliche Ursache für eine Herbst-Winter- Depression ist der Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit, zusammen mit einer entsprechenden Veranlagung. Übrigens: Die Erkrankung ist sehr häufig! Jeder fünfte Mitteleuropäer ist in irgendeiner Form durch die dunkle Jahreszeit in seinem Wohlbefinden beeinträchtigt!


Was kann ich gegen eine „Herbst-Winter-Depression“ tun?
o.Univ.-Prof. Dr. DDr.h.c. Siegfried Kasper
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Wien

Bei Herbst-Winter- Depression sollten Sie immer einen Facharzt aufsuchen, insbesonders dann, wenn Sie Schuldgefühle, Zukunftsängste oder deutliche Antriebsstörungen haben oder das Gefühl haben, das Leben sei nicht mehr lebenswert. Die ideale Therapie bei Herbst-Winter-Depression ist eine tägliche Lichttherapie. Dazu werden Speziallampen verwendet. Schon nach wenigen Tagen beobachten wir bei den meisten Patienten einen deutlichen stimmungsaufhellenden und antriebssteigernden Effekt. Ergänzend zur Lichttherapie können moderne Antidepressiva vom Arzt verordnet werden. Ganz wichtig ist auch: Nutzen Sie das Tageslicht aus! Gehen Sie wenn irgendwie möglich untertags hinaus, idealerweise in den Morgenstunden. Gestalten Sie Ihre Wohnung mit mehr Licht aus, etwa durch das Verrücken von Möbelstücken. Bei manchen Augenerkrankungen ist eine Lichttherapie nicht möglich, im Zweifel wird ein Augenarzt befragt.


Tipps & Infos: Wo finden Betroffene Hilfe?

Grundsätzlich kann jeder Psychiater in Österreich eine Winterdepression behandeln. In Wien (leider nur dort) steht zudem eine eigene Ambulanz im AKH zur Verfügung, die sich auf die Diagnose und Behandlung der Erkrankung spezialisiert hat. Dort können Patienten einen Monat lang Lichttherapiegeräte kostenlos testen, ehe sie ein eigenes Lichttherapiegerät kaufen. Eine „Überdosierung“ ist nicht möglich, wenn die Speziallampen aber zu kurz verwendet werden, bleibt die Wirkung aus. Empfohlen werden täglich 30–60 Minuten (Abstand 60–70 cm von der Lampe). Geräte zur Lichttherapie gibt es im Sanitärfachhandel (normale Lichtquellen im Haushalt, Blumenlampen, UV-Lampen u.a. eigenen sich nicht).
  • Terminvereinbarungen in der Spezialambulanz für Herbst-Winter-Depressionen am AKH Wien. Tel.: 01/40400-3543.
  • Buchtipp: „Lichttherapie – das Programm gegen Winterdepression“ von Norman E. Rosenthal und Siegfried Kasper, Kneipp-Verlag

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