Donnerstag, 27. Februar 2020

Was geht, wenn nichts mehr geht?

Ausgabe 2020.02
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Nicht nur ältere, auch immer mehr junge Männer leiden an einer erektilen Dysfunktion. Hinter diesen Potenzproblemen stecken meist psychische Ursachen – etwa Stress. Aber auch andere Krankheiten können das Stehvermögen des Mannes massiv einschränken. Je früher behandelt wird, desto besser!


Foto: © iStock - Chinnapong

Wir mögen in einer aufgeklärten Zeit leben, in der offen über Sexualität gesprochen wird. Trotzdem sind Erektionsstörungen nach wie vor ein Tabuthema, der Großteil der Betroffenen meidet aus Scham den Arztbesuch – auch dann, wenn der Leidensdruck immer größer wird. Dass dies nicht nur gefährlich sein kann, sondern auch nicht nötig ist, bestätigt Dr. Markus Margreiter, Wiener Facharzt für Urologie und Andrologie sowie Autor des Buches „Mann 2020“: „Erektile Dysfunktionen sind ein weitverbreitetes Thema! Ein Großteil der Männer ist im Laufe des Lebens davon betroffen.“ Schätzungsweise 5 bis 30 Prozent der österreichischen Männer leiden unter unterschiedlich schweren Erektionsstörungen, am meisten betroffen sind Männer ab dem 50. Lebensjahr. Was auffällt: Auch immer mehr junge Männer berichten von Frust im Schlafzimmer. Laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2018, an der mehr als 10.000 Männer teilnahmen, weist bereits ein Viertel der 45-Jährigen Symptome einer erektilen Dysfunktion (ED) auf. Eine österreichische Studie, im Auftrag gegeben vom Wiener Krankenhaus SMZ Ost, wiederum berichtet von 20 Prozent der heimischen Männer zwischen 20 und 30 Jahren, die unter milden Formen einer Potenzstörung leiden.

Was Sie bei Potenzproblemen selbst tun können

• Hören Sie mit dem Rauchen auf.
• Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen.
• Bewegen Sie sich täglich mindestens 30 Minuten an der frischen Luft.
• Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga helfen gegen Stress.
• Reden Sie mit Ihrer Partnerin/IhremPartner über Ängste, Sorgen und Wünsche.
• Nehmen Sie sich genügend Zeit für den Sex, ein Orgasmus muss nicht immer das Ziel sein.
• Gehen Sie spätestens ab dem 45. Lebensjahr zur Vorsorgeuntersuchung.

Protest gegen Stress und Leistungsdruck
Dass Mann im Bett nicht immer so kann wie gewünscht, ist normal und nicht per se ein Grund zur Sorge. Von einer erektilen Dysfunktion spricht man erst dann, „wenn es über einen längeren Zeitraum wiederkehrende oder anhaltende Probleme gibt, eine Erektion zu erreichen oder in einem Maße aufrechtzuerhalten, die für eine zufriedenstellende sexuelle Aktivität ausreicht“, erklärt Margreiter. Die Ursachen für eine ED sind unterschiedlich und breit gefächert: Die Fähigkeit, eine Erektion aufzubauen, basiert auf einem komplexen Ablauf im Gehirn. Nerven sind hier genauso beteiligt wie Hormone, Blutgefäße und Muskeln. In den meisten Fällen stehen, anders als bei älteren Betroffenen, bei jungen Männern psychische Ursachen im Vordergrund. „Psychologische Faktoren spielen bei Erektionsstörungen eine große Rolle“, gibt der Experte zu bedenken. „Der Kopf ist das größte Sexualorgan des Menschen. Psyche und Sexualität sind eng miteinander verbunden und können sich gegenseitig bedingen.“ Stress im Berufs- und Privatleben, negative sexuelle Erfahrungen beziehungsweise Traumata, Angst- und Schamgefühle, Frustrationen, Sorgen und natürlich eine ausgewachsene Depression wirken sich negativ auf die Libido aus. Stellt sich der Penis tot, kann ein Protest gegen Stress, Leistungsdruck oder falsche Erwartungshaltungen dahinterstecken. Letztgenannte nehmen unter jungen Männern immer mehr zu, was zum einen mit der Digitalisierung der Sexualität und dem damit vermehrten Konsum von Pornografie zu tun hat: „Die Realität hält nicht, was uns die Virtualität verspricht“, gibt Margreiter zu bedenken. Viele junge Betroffene berichten von einer Porno-Abhängigkeit, die zu einer permanenten Überstimulation führt, ohne die eine (ausreichende) Erregung nicht mehr möglich ist. Aber auch die von der Gesellschaft geforderte Rolle des Mannes kann besonders junge Männer überfordern: Einerseits sollen Männer hart und widerstandsfähig, zugleich aber auch sensibel und lieb sein. „Die Forderungen von Maskulinität sind widersprüchlich und inkonsequent“, kritisiert Margreiter.

Übersicht zu diesem Artikel:
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