Sonntag, 17. Februar 2019

Was für ein Wetter!

Ausgabe 2016.03

Kaum werden die Tage wieder länger, setzt uns gerade dieses allmähliche Erwachen der Natur zu. Warum wir unter Frühjahrsmüdigkeit und anderen Beschwerden leiden und was wir dagegen tun können.

 


Foto: Can Stock Photo Inc. - edharcanstock

Wir leiden unter einer unerträglichen Müdigkeit, obwohl wir ausreichend schlafen, unter Gereiztheit und Stimmungsschwankungen, Schwindelgefühlen, Kreislaufproblemen, Kopfschmerzen und manchmal sogar unter Gliederschmerzen wie bei einer Grippe. Ja, der Lenz kann sich auch von seiner garstigen Seite zeigen. Warum aber setzt uns das Wetter im Frühling derart zu? Laut Dipl.-Biol. Holger Westermann, Redakteur von Menschenswetter (www.menschenswetter.at), einem Webdienst zum Thema Wetterempfindlichkeit, haben wir es mit zwei Effekten zu tun: „Zum einen macht uns das sich ändernde Verhältnis zwischen hell und dunkel zu schaffen.“ Während die Verlängerung der Tageszeit im Winter jedoch im Sekundentakt vonstattengeht, werden die Tage rund um Ostern täglich um bis zu vier Minuten länger. Und das mag man dann durchaus spüren, denn, so der Wetterexperte weiter, „wenn die Tage rasant länger werden, hat das einen enormen Einfluss auf die beiden Hormone Serotonin und Melatonin. Das ‚Problem’: Die körperliche Anpassung hinkt den sich verändernden Hell-Dunkel-Verhältnissen hinterher.“

Wenn das Wetter umschlägt ... Ein weiterer Grund dafür, dass wir das Wetter spüren, sind die starken Temperaturunterschiede, mit denen wir es im Frühjahr zu tun haben. Frühlingshaft warm lockt uns das Wetter endlich wieder vor die Tür, während wir uns im Winter gern in den eigenen, geheizten vier Wänden verkrochen haben. Allein: Da sich das Wetter auch wankelmütig präsentiert, kann es durchaus vorkommen, dass wir in einer Woche herrliches Wetter genießen und Energie an der frischen Luft tanken, nur um wenige Tage später einen erneuten Wintereinbruch zu erleben, der uns zurück in die warme Stube verbannt. „Genau dieses Wechselspiel setzt sowohl dem Gemüt als auch der körperlichen Verfassung zu“, weiß Westermann. Und dann wäre da noch das Vitamin D, das durch UV-B-Strahlung in der Haut gebildet wird. Die dazu notwendige Intensität der UV-Strahlung ist in unseren Breiten allerdings nur zwischen März und Oktober garantiert. Zudem verstecken wir in den „Vitamin-D-armen“ Monaten den Großteil der Haut unter dicker Kleidung und verbringen, wie bereits erwähnt, nur wenig Zeit im Freien. So kommt es mitunter zu einem saisonalen Vitamin-D-Mangel, der wiederum, so Westermann, „zu Müdigkeit, Schlafstörungen, verlangsamtem Denken, Konzentrationsproblemen, depressiver Verstimmung, Muskelschwäche und -krämpfen, Schmerzen in den Knien und im Rücken, Hautproblemen, erhöhter Anfälligkeit für Infekte und bakteriellen Infektionen führen kann. Kurz: zu Symptomen, die mit Frühjahrsmüdigkeit assoziiert werden.“

Wetterfühlig oder wetterempfindlich? Wir bilden uns Frühjahrsmüdigkeit, Stimmungsschwankungen und andere Beschwerden somit nicht ein. Dabei gilt es jedoch, zwischen gesunden und kranken Menschen zu unterscheiden, wie der Biologe erklärt: „Bei gesunden Menschen sprechen wir von Wetterfühligkeit, bei chronisch kranken Personen von Wetterempfindlichkeit. Diese Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil kranke bzw. gesundheitlich vorbelastete Menschen das Wetter und seine Veränderungen wesentlich stärker spüren als gesunde Personen.“ Wie empfindlich die Menschen schlussendlich wirklich auf das Wetter reagieren, hängt von der jeweiligen Vorbelastung und deren Ausprägung ab. Und je älter wir werden, umso eher wird aus einem wetterfühligen Menschen ein wetterempfindlicher, denn mit dem Alter sammeln wir in gewisser Weise auch Krankheiten bzw. eben Vorbelastungen an. Dass manche Menschen behaupten, das Wetter ein, zwei Tage im Voraus in den Gliedern oder Narben zu spüren, ist laut Westermann im Übrigen nicht sehr plausibel, da unser Wetter von Atlantik-Tiefdruckgebieten bestimmt ist. Kurzfristig könne man einen Wetterumschwung jedoch schon spüren: „Beispielsweise können Muskelverkrampfungen zu einem erhöhten Schmerzempfinden etwa rund um Narben führen“, so der Experte.

Dem Frühling sei Dank. Was aber sind die häufigsten Beschwerden, unter denen wetterfühlige, also an sich gesunde Menschen, im Frühling leiden? Neben der allgemeinen Frühjahrsmüdigkeit treten sehr häufig Konzentrationsprobleme auf. Ausgelöst werden diese unter anderem durch Schlafstörungen, die wiederum mit der Veränderung der Tageslänge und damit einhergehend mit dem sich verändernden Serotonin- und Melatoninspiegel zusammenhängen. Genauso sind Antriebslosigkeit und Motivationsprobleme im Frühling nicht selten – ein psychologischer Effekt, wie Holger Westermann erläutert: „Im Frühling empfinden wir den Unterschied zwischen Schönwetter und trüben Regentagen als besonders drastisch, da wir die schöne Zeit ja auch dazu nutzen, hinauszugehen, und dabei neue Kraft und Energie tanken. Wenn es dann plötzlich wieder regnet, sind viele unzufriedener mit sich und der Welt.“ Ebenso sind Gemütsschwankungen keine Seltenheit und zuweilen können sich diese sogar zu einer sogenannten Frühjahrsschwermut entwickeln, die allerdings nicht mit einer schweren Depression zu verwechseln ist. Letztere ist weitgehend unabhängig vom Wetter. Übrigens: Bei einem wirklich schönen Frühling sind die genannten Probleme deutlich geringer – es sei denn, man leidet unter Atemwegsproblemen oder Allergien, dann nämlich beschert uns das herrliche Wetter leider auch mehr Pollen.

Frischluft tanken. Gegen wetterbedingte Beschwerden hilft vor allem Bewegung an der frischen Luft. Das mag freilich banal klingen, macht aber definitiv Sinn, denn körperliche Aktivität – sei es im Rahmen eines zügigen Spaziergangs oder einer Jogging-runde, beim Radfahren oder bei einer anderen sportlichen Betätigung – regt den Kreislauf an, der sich daraufhin besser an die Temperaturunterschiede anpassen kann. Und abgesehen von der frischen Luft versorgen wir den Körper selbst an trüben Frühlingstagen im Freien mit mehr Licht als im hell beleuchteten Wohnzimmer. Das wiederum fördert die Vitamin-D- sowie Serotoninbildung und hemmt das Schlaf-wach-Hormon Melatonin. Und doch müssen wir die im Winter angezogene Trägheit des Körpers jetzt nicht krampfhaft gegen eine höhere Agilität austauschen, betont Holger Westermann: „Es gibt nicht nur gute Tage, sondern auch solche, an denen es nicht so gut läuft – mental wie körperlich. Das muss man sich auch einmal zugestehen, wohl wissend, dass es am nächsten Tag wieder besser geht.“ In diesem Sinne: einen bewegten Start in den Frühling!

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