Donnerstag, 21. Februar 2019

Warum nehme ich nicht ab?

Ausgabe 2014.05

Wenn man trotz einer Diät keine Kilos verliert, kann das an der individuellen Darmflora bzw. auch an Nahrungsmittelunverträglichkeiten liegen.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - privilege

Der Wienerin Susanne F. erging es wie vielen „Leidensgenossinnen“: Die 56-Jährige empfand sich zwar nicht als dick, dennoch standen gut fünf Kilogramm zwischen ihr und ihrem Wunschgewicht für die Badesaison. „Ich dachte mir, dass diese paar Kilos mit einer strikten Diät doch binnen wenigen Wochen zu verlieren wären.“ Zum Frühstück gab’s etwas Obst, mittags Steak oder Fisch und Salat, zwischendurch Magerjoghurt und zum Abendessen eine Portion Gemüse. „Letztlich habe ich diese Diät über Monate durchgehalten, ohne auch nur ein Gramm Fett abzunehmen“, erzählt sie. „Sie können sich vorstellen, dass ich schon ziemlich ratlos war.“ Eine umfassende Beratung mit dem Schwerpunkt Ernährung und Darmgesundheit brachte schließlich Licht ins Dunkel. „Ich habe Susanne nach einem ausführlichen Gespräch dazu geraten, den Stuhl in einem darauf spezialisierten Labor in Deutschland genauer untersuchen zu lassen“, sagt die Wiener Darm-Fachberaterin Mag. Renée Bittner. „Anhand des Ergebnisses der Stuhluntersuchung konnte man bei Susanne darauf schließen, dass die Zusammensetzung ihrer Darmbakterien nicht optimal war und dass sehr wahrscheinlich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vorlag.“
 
Schlankmacher- und Dickmacher-Bakterien. Die Bewohner des Darms sind den meisten Menschen recht gleichgültig. Eine fahrlässige Einstellung, wie Forscher festgestellt haben. Denn die aus vielen Milliarden Bakterien bestehende Lebensgemeinschaft unseres Verdauungstrakts ist nicht nur für die Verstoffwechselung vieler Nahrungsteile unersetzlich. Die Darmflora beeinflusst auch entscheidend die schlanke oder eben weniger schlanke Linie ihres Trägers, wie Expertin Bittner bestätigt: „90 Prozent der Darmbakterien lassen sich zwei großen Bakteriengruppen zuordnen, der Gruppe der Firmicuten und der Gruppe der Bacteroidetes. Und je nach Vorkommen dieser Bakterien werden beim Verzehr der gleichen Nahrungsmenge unterschiedlich viele Kalorien aufgenommen.“ Besonders ausgeklügelt funktionieren Bakterien mit dem Namen „Firmicutes“: „Sie versuchen, jede Nahrung, also auch Ballaststoffe, besonders gut aufzuschließen. Es entstehen Zucker und Fettsäuren, die der Körper aufnimmt und aus denen er Fettpolster aufbauen kann.“ Der Firmicuten-Anteil im Darm entscheidet also mit darüber, wie viele Kalorien der Körper verwertet. Diese Bakterien fand man übrigens auch bei Gletscherleiche Ötzi, der damals als Jäger und Sammler selbst bei schmaler Kost seinen hohen Energieaufwand decken konnte. „Das war früher, als es in unseren Breiten noch Hungersnöte gab, sehr vorteilhaft. Das ist nicht mehr so praktisch, wenn an jeder Ecke ein Supermarkt und ein Fast-Food-Restaurant steht und wir permanent einen Überschuss an Nahrung haben“, erklärt Bittner.

Der Schlüssel zur Wunschfigur. Und dann gibt es jene Gesegneten, die eine beachtliche Anzahl an den sogenannten Bacteroidetes-Bakterien im Darm ihr Eigen nennen. Diese „Schlankmacher“-Keime mit dem zungenbrecherischen Namen verfügen über das Potenzial, „überflüssige“ Kohlenhydrate im Darm einzukapseln. Worauf diese überschüssigen Kalorien wieder unverdaut ausgeschieden werden  – weitere Fettpolster bleiben aus, wie Bittner erklärt: „Wir wissen: Je schlanker der Mensch ist, desto prominenter ist die Gruppe der Bacteroidetes vertreten. Eher rundliche Menschen besitzen hingegen nur halb so viele Bacteroidetes.“ Das Gute daran: Seit man über diese Bakterienarten Bescheid weiß, basteln Forscher an Nahrungsergänzungsmitteln, die ein mögliches Ungleichgewicht ausgleichen können. Die Darm-Expertin: „Ein Kombinationspräparat mit probiotischen Bakterien kann zum Beispiel die Dickmacher-Bakterien verdrängen und so das Abnehmen gezielt unterstützen. Und auf der anderen Seite gibt es ein Präbiotikum, das als Futter für die Schlankmacher-Bakterien Bacteroidetes fungiert.“ In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass auch übergewichtige Menschen, die sonst kaum abnehmen, mit diesen Nahrungsergänzungsmitteln an Gewicht verlieren – und zudem den Jo-Jo-Effekt umgehen können.

Der Einfluss von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Bei einer weiteren Blutuntersuchung wurde dann bei Susanne eine einzige Unverträglichkeit festgestellt – auf Milcheiweiß. „Da ich relativ wenig gegessen habe, habe ich versucht, mit viel Joghurt das Hungergefühl zu dämpfen“, erinnert sie sich. Das Problem dabei: Wenn die Darmschleimhaut  eine erhöhte Durchgängigkeit  ähnlich einem Gartenschlauch mit Löchern aufweist, können Nahrungsbestandteile das Immunsystem zur Produktion von Antikörpern anregen. Der Körper reagiert auf dieses häufig gegessene Nahrungsmittel mit einer Entzündung, welche das Abnehmen zusätzlich vereitelt. Susanne ließ alle für sie ungünstigen Nahrungsmittel aus Kuhmilch weg und ernährte sich weiter gesund mit wenig Kohlenhydraten. Zusätzlich nahm sie über mehrere Monate ein spezielles Probiotikum ein, um das Verhältnis der Firmicuten- zu Bacteroidetes-Bakterien auszugleichen und die dickmachenden Bakterien zu verdrängen. Dadurch blieb auch ein möglicher Jo-Jo-Effekt aus, als Susanne ihr Wunschgewicht erreicht hatte. Darmprofi Bittner freut sich über den sichtbaren Erfolg ihrer Beratung: „An diesem konkreten Fall sieht man sehr gut, wie weitreichend das Wohlergehen des Darms mit unserem ganzheitlichen Wohlbefinden zusammenhängen kann.“

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