Donnerstag, 19. September 2019

Warum macht mein Körper das?

Ausgabe 2017.11
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Der Magen knurrt, Narben jucken, die Knie werden weich, die Augenlider zucken, auffallender Haarverlust im Herbst – ein Mediziner nimmt eigenartige Körperphänomene unter die Lupe und erklärt, was wirklich dahintersteckt.


Foto: iStock - Sergey Khakimullin

Unser Körper gibt uns täglich Rätsel auf:
Am Morgen haben wir Sand in den Augen, mittags bekommen wir einen feucht-kühlen Händedruck und spätestens am Abend lassen wir uns vom Gähnen anderer anstecken. Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Molnár enträtselt diese faszinierenden Körpervorgänge und beschreibt, was genau dabei vor sich geht.

Warum knurrt ein leerer Magen?
Verdaut der Magen gemeinsam mit dem Darm das Essen, ist er immer in Bewegung. Er zieht sich zusammen und dehnt sich auch wieder aus. So wird einerseits der Speisebrei mit den Verdauungssäften durchmischt und weitertransportiert, andererseits auch der Magen im leeren Zustand „sauber“ gemacht. Sobald der Magen wieder leer ist, gerät insbesondere die Luft darin durch die Bewegung in Schwingung und das klingt dann wie ein Knurren. Laute Darmgeräusche können bei älteren Menschen übrigens ein wichtiges Warnsignal sein: Treibt der Darm den Nahrungsbrei gegen eine Verengung des Verdauungstrakts, kommt es zu lauten Geräuschen. Bei jüngeren Menschen tritt das sehr selten auf, bei älteren können sich dahinter ernsthafte Krankheiten verbergen: Vernarbungen und Tumore etwa. Daher gilt: Treten sehr laute Magen-Darm-Geräusche neu auf und halten sie an, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Wieso bekommt man weiche Knie?
Ob große Angst, Schreck oder Liebestaumel: In extremen Situationen können weiche Knie als reflexartige Reaktion auftreten. Laut Experten für Psychosomatik bedeutet dieses Phänomen so etwas wie Unterwerfung. Wir machen uns auf diese Weise „klein“, um weniger Angriffsfläche zu bieten. Gegen das Gefühl hilft, den Rücken gerade zu machen und die Knie durchzudrücken. Bei erheblichen Beeinträchtigungen durch „weiche“ Knie oder Beine, durch Schwindelgefühl und Benommenheit bzw. durch das Gefühl, oft wacklig oder zittrig zu sein, und ein auffallendes Schwächegefühl mit großer Furchtsamkeit sollte man auch an eine mögliche Angsterkrankung denken und diese abklären lassen.

Warum zuckt der Körper beim Einschlafen?
Am Einschlafen sind viele Nervenzellen beteiligt. Nicht alle Körperregionen schlafen gleichzeitig ein: Während wir eigentlich schon weggeschlummert sind, kann es sein, dass das Großhirn noch aktiv ist. Diese Region ist für die Motorik zuständig und lässt uns daher bisweilen unbewusst zucken.

Warum fallen im Herbst mehr Haare aus?
Rund 90 Prozent unserer Haare befinden sich im ständigen Wachstum, die anderen sind zwei bis acht Monate lang in einem Ruhezustand, bevor sie schließlich ausfallen. Wissenschafter aus Schweden fanden heraus, dass die meisten Haare im Juli ruhen und dann ab Oktober ausfallen. Sie vermuten als Hintergrund, dass so die Kopfhaut im Sommer vor der starken Sonneneinstrahlung besser geschützt ist. Über Haarausfall muss man sich erst Sorgen machen, wenn es pro Tag mehr als 100 Haare sind. Dafür gibt es mittlerweile einen effektiven Wirkstoff auch bei Frauen (Minoxidil), der in Studien Abhilfe bei mehr als 50 Prozent der Betroffenen verspricht.

Warum jucken Narben bei Wetterumschwüngen?
Man geht davon aus, dass durch jene Verletzung, die zu einer Narbe geführt hat, auch kleine Nervenfasern geschädigt wurden. Diese können sich dann nicht mehr voll regenerieren und reagieren bisweilen schon auf geringste Reize. Ein Wetterumschwung mit Temperatursturz und mit Veränderung des Luftdrucks kann das vegetative Nervensystem durcheinanderbringen. Diese Reize können dann an besonders sensiblen Stellen Beschwerden verursachen.

Aus welchem Grund klingt die eigene Stimme auf Tonaufnahmen fremd?
Andere Menschen hören unsere Stimme über den Luftschall aus unserem Mund – und wir selbst auch. Allerdings gelangt die eigene Stimme zusätzlich über unsere Schädelknochen als Körperschall in das Ohr. Dadurch hört man sich selbst normalerweise mit einer Kombination dieser zwei Schallquellen. Beim Anhören von Tonaufnahmen, bei dem wir uns nur über den Luftschall hören, klingt die Stimme daher anders und durchaus fremd. Hält man sich beim Sprechen die Ohren zu, hört man sich selbst nur über den Körperschall.

Warum werden wir im Alter kurzatmig?
Im Alter nimmt die Anzahl der Lungenbläschen, durch die Sauerstoff in der Lunge ins Blut gelangt, ab. Das passiert konkret durch den Abbau der Wände zwischen den Lungenbläschen. So wird zwar das einzelne Lungenbläschen größer, allerdings verkleinert sich die Fläche für den Gasaustausch insgesamt. Zusätzlich verliert das Lungengewebe mit dem Alter an Elastizität, die Lunge kann sich weniger weit dehnen und weniger Luft aufnehmen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Warum macht mein Körper das?
Seite 2 Schauer am Rücken bei Angst

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