Mittwoch, 02. Dezember 2020

Vorsicht, Stolpergefahr!

Ausgabe 2020.04
Seite 1 von 2

Brüche, Verstauchungen oder Prellungen – ein Sturz hat oft schwerwiegende Folgen, besonders für Senioren, die ohnehin öfter stürzen als junge Menschen. Umso wichtiger: eine umfassende Sturzprophylaxe, die Risikofaktoren erkennt und beseitigt.


Foto:© iStock-Nastasic

Laut der Unfallbilanz des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) verletzten sich im Jahr 2018 insgesamt 782.200 Menschen bei einem Unfall so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die meisten Unfälle passierten – genauso wie die Jahre zuvor – im Haushalt: 308.300 Menschen verletzten sich zu Hause. Auf dem zweiten Platz: Unfälle in der Freizeit beziehungsweise beim Freizeitsport (280.400 Verletzte), gefolgt von Straßenverkehrsunfällen (46.525 Verletzte).

Risikogruppe Senioren
Neben Kindern sind besonders ältere Menschen von Unfällen betroffen: Sie stürzen häufiger, meist mit schweren Folgen. „Ich arbeite seit bereits mehr als 20 Jahren im Bereich der Altenpflege und da ist die Sturzgefahr immer Thema Nummer eins!“, bestätigt Bettina Kiefl, Pflegedirektorin des Reha-Klinikums Malcherhof in Baden bei Wien. Circa die Hälfte aller über 70-Jährigen sind bereits einmal oder mehrmals gestürzt. „Aufgrund von Alterungsprozessen nehmen Muskelkraft, Gleichgewichtssinn, Koordination und Beweglichkeit mit zunehmendem Alter ab. Die Folge: ein größeres Sturzrisiko“, erklärt die Expertin. „Natürlich können auch andere Grunderkrankungen Einfluss auf eine erhöhte Sturzneigung haben, wie zum Beispiel Blutdruckschwankungen, Schmerzen, Schwindel oder Gefühlsstörungen in den Beinen.“ Auch Depressionen führen zu einem erhöhten Sturzrisiko. Aufgrund ihres beruflichen Alltags weiß Kiefl, dass nicht zuletzt auch die Risikoeinschätzung mit dem Alter nachlässt und Senioren nicht selten zu Selbstüberschätzung neigen: „Stolpern auf dem nächtlichen Weg zur Toilette, weil kein Licht angemacht wird, oder Stürze von Leitern, weil unbedingt das Fenster geputzt werden muss, sind leider nichts Seltenes!“

senioren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Häufigste Ursache von Pflegebedürftigkeit

Natürlich: Stürze können für alle Menschen gefährlich sein, betont Kiefl: „Ein Sturz ist immer ein dramatisches Erlebnis, unabhängig vom Alter des Menschen und vom Ausmaß der Verletzung!“ Für ältere Personen aber ziehen sie oft besonders dramatische Folgen nach sich: Weil die Festigkeit der Knochen abnimmt, kommt es leichter zu Frakturen, allen voran am Oberschenkelhals, im Beckenbereich, am Oberarm oder am Unterarm. „Zudem beeinträchtigt ein Sturz auch die Psyche: Er löst Angst und Unsicherheit aus“, so Kiefl. Viele Betroffene trauen sich nicht mehr, aktiv und unbeschwert ihrem Alltag nachzugehen, da sie einen weiteren Sturz befürchten. Dadurch entsteht eine große Unsicherheit in der Bewegung, die aber Stürze erst recht begünstigt – ein Teufelskreis also. Meist müssen die Brüche operiert werden, was Schmerzen und einen langen Regenerationsprozess nach sich zieht. Nicht alle Patienten erholen sich nach einem (schweren) Sturz vollständig, was mit erheblichen Einschnitten in die bisherige Lebensführung einhergeht: „Personen, die vor dem Sturz aktiv und selbstständig gelebt haben, benötigen nun Unterstützung im Alltag, beispielsweise beim Einkaufen, bei der Wohnungsreinigung oder der Körperpflege – oder schon, wenn es um das Aufstehen aus dem Sessel geht.“ Manchmal wird sogar ein Umzug in ein Pflegeheim notwendig, gibt die Expertin zu bedenken: „Bezogen auf das Alter ist der Sturz die häufigste Ursache von Pflegebedürftigkeit.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Vorsicht, Stolpergefahr!
Seite 2 Risikofaktoren

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2020-11 130x173Aktuelles Heft 11-12/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 05. Februrar 2021

 

Unsere Ausgabe 10/2020 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Lachen Sie gerne?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information