Sonntag, 15. September 2019

Vorsicht bei diesem Mal!

Ausgabe 2015.07-08

Muttermale hat (fast) jeder. Sie verursachen meist keine Beschwerden, können allerdings gefährlich werden. Wir zeigen, welche Verdachtsmomente Sie ernst nehmen sollten.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - yekophotostudio

Durchschnittlich sind es knapp 40 Stück, die es sich – ganz individuell verteilt – auf unserem Körper unser Leben lang bequem machen: Muttermale, im medizinischen Fachjargon unter „Nävi“ bekannt, sind so selbstverständlich, dass man sich in der Regel keine großen Gedanken um sie macht. Und das ist oft auch nicht nötig. Die meisten sind nämlich völlig harmlos. In einigen Fällen können sie allerdings entarten und sich zu einem Melanom, einer bösartigen Hautveränderung, entwickeln. „Etwa
25 Prozent der Melanome entstehen aus einem Muttermal. Zu den Risikogruppen zählen Personen mit erblicher Vorbelastung bzw. hellhäutige Menschen mit auffallend vielen oder unregelmäßigen Muttermalen“, erklärt Dr. Angela Öllinger, Dermatologin und Oberärztin am AKH Linz. „Auch schwere Sonnenbrände in der Kindheit oder häufige Solariumbesuche erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Entartung.“

Die Optik zählt. Grundsätzlich handelt es sich bei Muttermalen um gut artige Ansammlungen von pigmentbil-
denden Hautzellen, sogenannten Melanozyten, die am ganzen Körper, auch in der Schleimhaut, entstehen können. „Sie geben den Farbstoff Melanin an die oberste Hautschicht ab und sorgen so für das bräunliche Kolorit“, so Öllinger. „Schon bei Neugeborenen können sie vorhanden sein, meistens entwickeln sie sich aber erst später.“ Und das oft kontinuierlich – in jedem Alter. Sowohl die genetische Prädisposition als auch die Sonnenbestrahlung der Haut spielen hier eine Schlüsselfunktion. Mediziner differenzieren demnach zwischen angeborenen und erworbenen Muttermalen. Unabhängig von dieser Entstehungsform gibt es gewöhnliche, er­ha­bene und atypische Muttermale. „Zu den häufigsten Arten zählen die gewöhnlichen, also eher kleinen, einfärbigen und flachen Nävi mit regelmäßiger Begrenzung. Bei erhabenen Malen handelt es sich wiederum um einfärbige kleine Knoten mit einer gefurchten Oberfläche, die manchmal auch behaart sein können“, erklärt Öllinger. „Die größte Aufmerksamkeit sollten Betroffene den ungewöhnlichen, atypischen, Muttermalen, schenken. Sie unterscheiden sich äußerlich kaum von Melanomen.“

Auffällig oder harmlos? „Mindestens zwei Mal im Jahr empfehlen sich Selbstuntersuchungen – auch unter Zuhilfenahme des Partners oder eines Freundes, damit beispielsweise Muttermale am Rücken oder auf der Kopfhaut nicht übersehen werden“, rät Öllinger. Als gefährlich gelten jene Male, die größer werden, ihre Form, Farbe oder Beschaffenheit verändern. Anhaltspunkte liefert die ABCD-Regel, mit deren Hilfe man als ersten Schritt seine Muttermale unter die Lupe nehmen kann:

  • A: Asymmetrie – Flecken, die nicht gleichmäßig rund oder oval sind, gelten als auffällig.
  • B: Begrenzung – Achtung bei unscharfen Muttermalbegrenzungen
  • C: Colour (Farbe) – Nävi mit unterschiedlichen Farbtönen sollten untersucht werden. Die Palette reicht von braun bis schwarz, rot und blau.
  • D: Durchmesser – Muttermale, die größer als fünf Millimeter sind, gehören regelmäßig kontrolliert.

 

Neu hinzukommende, juckende, schmerzende, blutende oder gar nässende Muttermale sollten ebenfalls nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Zögern Sie bei solchen Verdachtsmomenten nicht, einen Dermatologen aufzusuchen. Hinter einer Muttermal-Veränderung muss zwar nicht gleich der gefürchtete Hautkrebs stecken – ein genaues Urteil kann jedoch nur der Mediziner dank einer Untersuchung des Gewebes fällen. Und: Je früher Hautkrebs erkannt wird, desto höher sind seine Heilungschancen.

Zur Sicherheit kontrollieren. Im Rahmen einer Muttermal-Vorsorgeuntersuchung, die schmerzfrei verläuft, wird nach einem Anamnesegespräch der gesamte Körper klinisch untersucht. „Mithilfe eines Auflichtmikroskops, bei dem speziell polarisiertes Licht zum Einsatz kommt, ist es möglich, ein wenig tiefer in die Haut zu blicken und Entartungsindizien rechtzeitig zu definieren“, weiß Öllinger. Zahlreiche Dermatologen kombinieren diese Behandlungsmethode mit digitaler Fotografie, um einen elektronischen Muttermal-Katalog inklusive videomikroskopischen Bildern anzulegen. Er kommt bei Verlaufskontrollen zwecks Entwicklung sowie beim (jährlichen) Vergleich zum Einsatz und ermöglicht detaillierte Befunde. Über die notwendige Entfernung eines Muttermals entscheidet der Facharzt. Am häufigsten werden Nävi chirurgisch, in örtlicher Betäubung und möglichst narbenarm, mit einem Skalpell entfernt.  „Der Laser sollte lediglich bei kosmetischen Eingriffen zum Einsatz kommen, wenn also die Gutartigkeit des Muttermals hundertprozentig bewiesen wurde. Das Zellmaterial kann nach einem Lasereingriff nämlich nicht mehr histologisch untersucht werden.“ Nach einer Muttermal-Entfernung muss die Wunde vor Wasser geschützt werden. Weiters empfiehlt es sich bis zur Nahtentfernung nach (ein bis zwei Wochen, je nach Körperregion), auf Aktivitäten, welche die betroffene Stelle belasten, zu verzichten.

Weitere Informationen: www.krebshilfe.net

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