Dienstag, 21. Mai 2019

Volkskrankheit Nackenschmerzen

Ausgabe 2016.12-2017.01

Jeder dritte Österreicher hat mit regelmäßigen Beschwerden im Nackenbereich zu kämpfen. Eine Volkskrankheit mit beunruhigend steigender Tendenz. Doch es gibt rasche Hilfe!


Foto: Can Stock Photo Inc. - yacobchuk

Da die Halswirbelsäule zu den schmerzanfälligsten Teilen des Bewegungsapparates zählt, sitzt uns bei Nackenschmerzen der Quälgeist sprichwörtlich im Genick. Die Schmerzen werden oft von sogenannten muskulären Triggerpunkten ausgelöst. Dabei stehen Muskelstränge unter permanenter Anspannung und verkrampfen. Ein typischer Triggerpunkt, der sich wie ein kleiner Knoten anfühlt, liegt zum Beispiel in der Schultermuskulatur zwischen Arm und Nacken. Stundenlanges Stillsitzen, wie es oft bei Bildschirmarbeit der Fall ist, kann im oberen Bereich der Halswirbelsäule zu einer zusätzlichen Wirbelblockade führen. „Gerade das Sitzen ist eine große Belastung für die Wirbelsäule. Die damit verbundenen Haltungsfehler lösen häufig schmerzhafte Beschwerden im Bereich des Halses und des Nackens aus“, weiß Dr. Johannes Hickelsberger, Facharzt für Allgemeinmedizin. „Nackenschmerzen sollten grundsätzlich medizinisch abgeklärt werden. Besonders dann, wenn sie häufig und besonders stark auftreten“, so der Mediziner weiter. Nackenschmerzen werden meistens von Verspannungen der Nackenmuskulatur ausgelöst. Als weitere Ursachen für Beschwerden im Nackenbereich gelten Zugluft, Zerrungen, eingeklemmte Nerven oder ein Schleudertrauma. Nackenschmerzen können aber auch durch starke psychische Belastungen, wie zum Beispiel Stress oder Angst, hervorgerufen werden.

Typische Fälle aus der Arztpraxis

Dr. Johannes Hickelsberger schildert Fälle aus seinem Ordinationsalltag

Fall 1: „Eine Patientin klagte über schmerzhafte Verspannungszustände und migräneartige Kopfschmerzen im Hinterkopfbereich. Dazu kam ein gelegentlich leichter Schwindel. Die Symptome bestanden seit vielen Monaten. Frau H. ist 54 Jahre alt und arbeitet als Büroangestellte. Am stärksten waren für sie die Beschwerden am arbeitsfreien Wochenende. Die bildgebende Diagnostik (Röntgen der Halswirbelsäule) zeigte eine degenerative Veränderung der Halswirbelsäule,  die auch alsVerschleißerscheinung mit zunehmendem Alter auftreten kann. Ich habe nach diesem Befund eine kombinierte Therapie eingeleitet. Diese bestand aus Salben und Tabletten zur Schmerzstillung sowie einer physiotherapeutischen Behandlung, ergänzt mit Akupunktur. Nach ungefähr zwei Wochen war meine Patientin weitgehend beschwerdefrei. Trotzdem habe ich ihr eine weiterführende Bewegungstherapie zur Stärkung der Muskulatur von Nacken und Schultergürtel empfohlen.“


Fall 2: „In einem zweiten Fall berichtete mir ein Patient, dass er nach Heben eines schweren Gegenstandes einen plötzlich einschießenden, starken Schmerz, ausgehend von der rechten Nackenseite, verspürt hat. Der Schmerz strahlte in den rechten Arm aus und wanderte bis zum Daumen und Zeigefinger. Schmerztabletten und -infusionen brachten nur eine kurzfristige Besserung. Ein MRTBefund zeigte wenig später einen Bandscheibenvorfall an der unteren Halswirbelsäule mit Kontakt zu einer Nervenwurzel. Ich überwies den Patienten zu einem Spezialisten. Nach einer CT-gezielten Infiltration der betroffenen Nervenwurzel wurde ein kleiner chirurgischer Eingriff an der Halswirbelsäule durchgeführt. Herr R. ist seit der Operation schmerzfrei. Ihm habe ich ebenfalls eine physikalische Therapie verordnet. Die zwei geschilderten Fälle stehen an den beiden Enden eines vielfältigen Ursachen-Spektrums von Nackenschmerzen. Im Falle von Frau H. handelte es sich um sogenannte funktionelle Beschwerden. Die Krankengeschichte von Herrn R. hat meine Vermutungsdiagnose Bandscheibenvorfall bestätigt. In beiden Fällen war die Symptomatik eindeutig. Oftmals ist jedoch allein durch das Beschwerdebild keine eindeutige Diagnosestellung möglich.“

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Die Therapien richten sich primär nach der jeweiligen Ursache. So kann ein aktives Sitzen mit zwischenzeitlichem Aufstehen und Herumgehen die Beschwerden im Büroalltag deutlich verringern oder sogar beseitigen. Nackenrollen oder ergonomisch geformte Nackenpolster können ebenso die Halswirbelsäule entlasten. Bei akuten Schmerzen (Dauer bis maximal drei Wochen) hilft oftmals eine Schmerztherapie in Form von schmerzstillenden Salben oder Tabletten. Eine Wärmeflasche oder Wärmepackungen aus der Apotheke nehmen den Muskeln zusätzlich die Anspannung. Physiotherapeutische Maßnahmen werden meist erst bei subakuten oder chronischen Schmerzen verordnet. Physikalische Behandlungen, wie zum Beispiel mit Ultraschall oder Strom, können ergänzend durchgeführt werden. Doch bevor all diese Therapiemaßnahmen notwendig werden, sollten Sie den Nackenschmerzen schon im Vorfeld entgegenwirken. Das gelingt am besten mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung und einer positiven Lebenseinstellung. Denn gemäß einem alten Sprichwort gilt: Vorbeugen ist besser als heilen!

Mach deinen Nacken fit!

Diese drei Übungen helfen, die Nackenmuskulatur zu stärken.

ue1Übung 1: für die Halswirbelsäule
Bei dieser Übung werden beide Hände in den Nacken gelegt, die Ellenbogen schließen sich. Nun wird der Kopf ganz langsam nach unten gedrückt, das Kinn bewegt sich dabei Richtung Brustbein. Diese Position kurz halten. Anschließend den gesenkten Kopf nach links drehen, die Ellenbogen werden dabei mitgenommen. Kurz halten. Dann den Kopf langsam nach rechts drehen, kurz halten. Die Drehung des gesenkten Kopfes nach links und rechts mehrmals wiederholen. Danach den Kopf wieder langsam heben, die Arme kurz entspannt neben dem Körper hängen lassen. Die Übung können Sie im Sitzen oder Stehen ausführen.

ue2Übung 2: zur Dehnung der Nackenmuskulatur
Setzen Sie sich bequem auf einen Sessel, halten Sie den Rücken gerade. Neigen Sie den Kopf nach links. Die linke Hand greift über den Kopf bis zur rechten Schläfe. Drücken Sie jetzt den Kopf mit der Hand weiter und weiter nach links, der Arm bewegt sich dabei Richtung Boden. Spüren Sie die Dehnung in der rechten Nackenmuskulatur? Halten Sie die Position für ca. 30 Sekunden. Wechseln Sie nun die Seite und wiederholen Sie anschließend jede Seite dreimal.

ue3Übung 3: zur Kräftigung des Nackens
Stellen Sie sich im bequemen Stand hin. Rücken und Kopf bleiben gerade, der Nacken gestreckt. Legen Sie nun Ihre linke Hand auf die Stirn und drücken Sie diese so fest Sie können ca. 10 Sekunden lang gegen die Hand. Wieder locker lassen. Übung mehrmals wiederholen.

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