Montag, 18. Februar 2019

Volkskrankheit Diabetes

Ausgabe 2014.11

Schon mehr als 600.000 Österreicher leiden an der Stoffwechselerkrankung Diabetes. Durch gesunde Ernährung und mehr Bewegung lässt sich eine Erkrankung oftmals verhindern. Wir zeigen, wie’s geht.


Foto: CanStock Photo Inc - bds

Diabetes mellitus heißt wörtlich übersetzt „honigsüßer Durchfluss“, wird umgangssprachlich Diabetes oder auch Zuckerkrankheit genannt und ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Stoffwechselerkrankungen, die eine Gemeinsamkeit haben: einen chronisch erhöhten Blutzucker. Wer schon als Kind oder Jugendlicher mit Diabetes konfrontiert ist, hat meist Diabetes Typ 1 – gekennzeichnet durch einen absoluten Insulinmangel – und muss ein Leben lang mehrmals täglich den Blutzucker kontrollieren, alles abwiegen und ausmessen und die entsprechende Menge Insulin zuführen. Zehn Prozent der Diabetiker leiden unter dieser Form, von der die Wissenschaft bislang noch nicht gesichert weiß, wie sie genau entsteht, die mit großem Aufwand zwar sehr gut behandelt werden kann, aber unheilbar ist. Wesentlich besser zu erforschen und zum Teil auch heilbar ist die am meisten verbreitete Form Diabetes Typ 2. 90 Prozent aller Diabetiker leiden unter der umgangssprachlich als Altersdiabetes bezeichneten Zivilisationskrankheit, die – obzwar immer mehr Kinder und Jugendliche davon betroffen sind – sich meist erst in späteren Jahren entwickelt. Die gute Nachricht: Der Entstehung dieser Form kann ein gesunder Lebensstil entgegenwirken.

Gesunder Lebensstil ist die beste Vorbeugung! Da Diabetes mellitus Typ 2 wissenschaftlich gesichert erwiesen vor allem mit einem falschen Lebensstil zu tun hat, kommt der Prävention größte Bedeutung zu. „Übergewicht ist einer der Hauptfaktoren bei der Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2“, sagt Ernährungswissenschafterin Dr. Petra Burger. „Wie auch für gesunde Menschen, ist eine ausgewogene Ernährung nach der Ernährungspyramide sowie konsequente körperliche Betätigung die beste Vorsorge. Es geht vor allem darum, nicht mehr Kalorien zu sich zu nehmen, als man verbraucht.“ Selbst bei Personen, die schon eine gestörte Glukosetoleranz haben, kann die Umstellung des Lebensstils sehr positiv wirken. In großen Studien, die in Schweden, Finnland, den USA und China durchgeführt worden sind, ist laut Diabetesbericht des BMG 2013 eine Reduktion der Diabetes-Häufigkeit (Typ-2-Diabetes) durch eine Änderung des Lebensstils nachgewiesen worden. Die Teilnehmer der Studien bekamen mehrfach eine Diätenberatung und sollten fünfmal die Woche mindestens 30 Minuten (mittelschwer) trainieren. Das beeindruckende Ergebnis: Innerhalb von durchschnittlich drei Jahren wurde eine Senkung der Häufigkeit einer Typ-2-Diabetes-Manifestation von bis zu 58 Prozent registriert.

Anzeichen und Beschwerden, die auf Diabetes hinweisen können. Typ-2-Diabetes wird meist rein zufällig bei einer Blutuntersuchung entdeckt, da die Symptome – großer Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Juckreiz, Verschlechterung der Sehfähigkeit, häufige Infektionen, schlecht heilende Wunden – auf viele Krankheiten hinweisen können und ein gering erhöhter Blutzucker nicht wirklich auffällt. Menschen, bei denen im Verlauf Typ-1-Diabetes diagnostiziert wird, haben indes dazu noch sehr typische, schwere Symptome, etwa: Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Krämpfe und eine ungewollte Gewichtsabnahme.

Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten. Die Diagnose erfolgt anhand von Blutzuckermessungen, Zuckerbelastungstests oder der Bestimmung des Zuckerlangzeitwertes Hämoglobin A1c. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker führt zu einer massiven Schädigung der Blutgefäße und häufig zu gesundheitlichen Komplikationen und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen, Veränderungen der Netzhaut, Erkrankungen der Nieren und Nerven. Die primäre Therapie des Typ-2-Diabetes besteht in Ernährungsumstellung und Bewegung. Durch die ergänzende und individuell verordnete Therapie mit Antidiabetika (derzeit sind sieben verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen auf dem Markt) kann die Krankheit zwar nicht gänzlich gestoppt, aber relativ gut kontrolliert und hinausgezögert werden.

Diabetes im Überblick

Vier Diabetes-Typen

Es gibt zwar eine Vielzahl von Mischformen (die Wissenschaft arbeitet fieberhaft an der Entdeckung weiterer), aber die Klassifikation erfolgt derzeit in vier Typen:

Typ 1: der als Immunerkrankung klassifiziert wird, die relativ rasch zur Zerstörung der Insulin produzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse führt.
Typ 2: eine Kombination von verminderter Insulinwirkung und Insulinsekretionsstörungen.
Typ 3: mehrere Unterformen, bei denen die Stoffwechselstörung beispielsweise durch Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Medikamente, hormonelle Störungen, Infektionen oder genetische Defekte ausgelöst wird.
Typ 4: Schwangerschaftsdiabetes oder auch Gestationsdiabetes tritt bei etwa vier Prozent aller Schwangeren aufgrund von Hormonumstellungen auf und verschwindet in den meisten Fällen nach der Schwangerschaft.

Information, Betreuung und Beratung
Beratung und Betreuung gibt es österreichweit in 95 Diabetes-Ambulanzen für Erwachsene, für Kinder und Jugendliche sind es derzeit 36. Infos auf www.spitalskompass.at.

Die Österreichische Diabetikervereinigung (ÖDV) gibt es seit fast vierzig Jahren, sie ist die größte Selbsthilfeorganisation mit 50 Gruppen, acht Beratungsstellen und ist in jedem Bundesland vertreten. Info und Kontakt unter www.diabetes.or.at.

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist ein Zusammenschluss von Fachleuten, die „helfen, heilen und forschen“. Info und Kontakt unter www.oedg.org, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder telefonisch unter 0650/770 33 78.

Die Diabetes Austria – Initiative Soforthilfe für Menschen mit Diabetes ist ein Web-Magazin und unter www.
diabetes-austria.com, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder telefonisch unter 01/470 53 86 zu erreichen.

Infos rund um das Thema Süßstoffe findet man gut aufbereitet auf der Homepage des Deutschen Süßstoff-Verbandes e. V. www.suessstoff-verband.de sowie auf der Homepage des Internationalen Süßstoffverbandes (ISA) www.sweeteners.org.de.

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