Freitag, 20. September 2019

Verkühlung oder Grippe?

Ausgabe 02/2011
Schnupfenviren und Grippeviren verursachen unterschiedliche Beschwerden. Warum die Unterscheidung wichtig ist und wann Medikamente sinnvoll sind.

Foto: istockphoto.com - Kirill Putchenko
Medikamente gegen die echte Grippe sollen künftig gezielter eingesetzt werden. Das fordern Mediziner der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten in einem gemeinsamen Konsensus-Papier zur „Therapie der Grippe“. „Wir wollen verhindern, das Grippe-Medikamente griffbereit am Nachtkastl liegen und unüberlegt bei jedem Anzeichen einer Verkühlung eingenommen werden“, betont Prof. Dr. Florian Thalhammer von der Wiener Universitätsklinik. Die Kritik des Infektiologen kommt nicht von ungefähr, denn die sogenannten Neuraminidasehemmer sind hochspezifische Medikamente, die zwar gegen Grippeviren (Influenza-Virus A oder B) wirken, nicht aber gegen die über 200 verschiedenen Erkältungsviren (z.B. Rhinoviren).

Beschwerden richtig werten
Rund 85 Prozent der Österreicher unterscheiden „theoretisch“ zwischen einer echten Grippe (Influenza) und einer Erkältung (grippaler Infekt). So das Resultat einer kürzlich von der Karmasin Motivforschung im Auftrag von Roche durchgeführten Online-Studie. Bei der richtigen Zuordnung der Symptome sind aber bereits 40 Prozent der jüngeren Semester wenig sattelfest. Bei Influenza werden Schwere der Krankheit, mögliche Komplikationen und das Ansteckungspotenzial generell unterschätzt.

Tatsächlich ähneln sich die Symptome einer Grippe und einer Erkältung auf den ersten Blick, sie sind jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt, und es gibt klare Unterscheidungsmerkmale:

  • Typisch für die echte Grippe ist ein plötzlicher und heftiger Krankheitsbeginn mit massiven Muskelschmerzen und raschem Fieberanstieg bis auf 40 bis 41º C – Sie fühlen sich „schlagartig“ schwer krank.
  • Eine Erkältung startet viel langsamer mit allmählich stärker werdenden Beschwerden – und vor allem rinnt und rinnt die Nase.

Sinnvolle Behandlung
Bei der echten Grippe sind schwere, auch lebensbedrohliche Komplikationen wie z.B. eine Lungenentzündung möglich, bei einer Erkältung sind diese sehr selten.

Bei Influenza geht es daher vor allem darum, einen schweren Krankheitsverlauf abzuwenden. Spezielle Grippe-Medikamente wie die Neuraminidasehemmer (Tamiflu®, Relenza®) sind seit zirka zehn Jahren am Markt, aber nicht immer macht ihr Einsatz auch Sinn. „Grippe-Patienten müssen innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden behandelt werden, danach haben die Medikamente keine Wirkung mehr“, betont Spezialist Thalhammer. Werden Grippe-Medikamente zu spät oder bei einfachen Erkältungen gegeben, können sich Resistenzen ausbilden. Die Grippeviren werden dann zunehmend unempfindlich gegen diese Medikamente.

Wichtig für Grippe-Patienten sind zudem Bettruhe und viel Flüssigkeit. Antibiotika machen bei der echten Grippe genauso wie bei Erkältungen nur dann einen Sinn, wenn zum viralen Infekt zusätzlich eine bakterielle Infektion hinzugekommen ist.

Impfen schützt
Jährlich erfasst die Grippewelle etwa fünf bis zehn Prozent der Erwachsenen und bis zu 15 Prozent der Kinder. Während Kinder eine echte Grippe meist recht gut überstehen, sind vor allem für ältere Menschen und chronisch Kranke schwere Krankheitsverläufe mit Komplikationen gefährlich. Die jährliche Grippe-Impfung ist daher die beste Schutzmaßnahme, auch wenn sie möglicherweise nicht gegen alle Influenza-Virenstämme hilft. Infektiologen plädieren schon seit langem dafür, dass mit einer breiteren Durchimpfung – vor allem auch der Kinder – rund zwei Drittel der Erkrankungen bei Erwachsenen verhindert werden könnten. Denn gerade für Oma oder Opa, die auf das grippekranke Enkerl aufpassen, ist eine Grippeinfektion besonders gefährlich.


Wie erkenne ich eine Grippe?

Erkältung                         Echte Grippe
Erkrankungsbeginn         langsam plötzlich
Symptome Anteil der Patienten /
Schweregrad
Anteil der Patienten /
Schweregrad
Schnupfen 80-100 % / ••• 20-30 % / •
Kopfschmerzen 25 % / • 85 % / •••
Halsschmerzen 50 % / •• 50-60 % / •••
Abgeschlagenheit 20-25 % /•• 80 % / •••
Husten 40 % / •• 90 % •••
Frösteln 10 % / • 90 % •••
Fieber über 37,5° C 0-1 % 95 %
Muskelschmerzen 10 % / • 60-75 % / •••

••• schwer     •• mäßig      • mild

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