Donnerstag, 06. August 2020

Verdammt, BIN ICH WÜTEND! - Auch Frauen sind aggressiv

Ausgabe 2020.07-08
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Auch Frauen sind aggressiv

Personen, die verstärkt destruktiv-aggressive Verhaltensweisen an den Tag legen, „haben in den meisten Fällen in ihrer Kindheit keinen gepflegten, richtigen Umgang mit Aggressionen gelernt“, gibt Pleischl zu bedenken und gibt zu, dass traditionelle Geschlechterrollen hier durchaus eine – gefährliche – Rolle spielen: „Buben werden dazu ermuntert, ihre Wut zu zeigen, dürfen dafür keine Angst haben. Weibliche Aggression wiederum wird gesellschaftlich nur bedingt geduldet.“ Prinzipiell sind beide Geschlechter in der Lage, Aggressionen zu empfinden, aber: „Während Männer eher zu körperlicher Gewalt neigen, tendieren Frauen zu verbaler Aggressivität.“ Ist eine Person „von außen nicht in ihrer Gesamtheit erkennbar“, so Pleischl, sprich: wenn beispielsweise ein ruhiger und verständnisvoller Mensch in Windeseile jähzornig wird, spricht man von einer Persönlichkeitsstörung. „Oft sind dies Menschen, die in ihrer Kindheit mit sehr viel Unsicherheit konfrontiert wurden. Sie mussten als Überlebensstrategie ihre Persönlichkeit unerwarteten Situationen anpassen. Schützende Aggression kann hier gute Hilfe leisten.“

So kommen Sie runter

Wie aber im Alltag mit seinen destruktiven Aggressionen umgehen – besonders in Situationen, in denen man kurz davor ist zu explodieren? „Auf keinen Fall die Wut unterdrücken!“, betont Pleischl. „Schluckt man im wahrsten Sinne des Wortes alles runter, schlägt sich das nicht nur auf den Magen, sondern kann zu noch mehr Aggressionen oder auch Depressionen führen.“ Zudem ist die Gefahr groß, dass bei unterdrücktem Zorn eine sogenannte Aggressionspyramide entsteht, warnt Pleischl und erklärt an einem konkreten Beispiel: „Der Vater ist aufgrund eines beruflichen Ärgernisses wütend und lässt es an seiner Frau aus, weil er sich gegen den Vorgesetzten nicht wehren kann. Die Frau schreit deshalb das Kind an. Und dieses wiederum zieht die Katze am Schwanz.“ Umso wichtiger daher, destruktive Aggressionen im Zaum zu halten, ohne sie dabei aber zu ignorieren. Expertin Pleischl: „Es geht darum, die in diesem Moment überschüssige Energie aus dem Körper hinauszubekommen, damit ein seelischer Reinigungsprozess starten kann. Setzen Sie also bewusst eine Handlung!“.

Selbstschutz

Bleibt noch die umgekehrte Frage zu klären: Wie geht man mit aggressiven Menschen um? „Mit Samthandschuhen anfassen würde ebenso bedeuten, die eigenen Emotionen zu schlucken“, meint Pleischl. „An erster Stelle steht immer, für den eigenen – physischen als auch psychischen – Schutz zu sorgen. Verlassen Sie also notfalls die Gefahrenzone! Kommt es gehäuft zu Streitereien, ist es ratsam, professionelle Hilfe zu suchen, die als neutrale dritte Instanz ausgleichend wirken kann.“ Sprechen Sie klar aus, wenn Sie sich vom Verhalten des anderen verletzt fühlen. Und Paul? Der versucht seit Corona mehr denn je, sein zerstörerisches Aggressionspotenzial in konstruktiver Form umzusetzen: Er wirft sich in die Arbeit, um sich dort als unentbehrlich zu erweisen. Er lehrt seine Kinder neue Sportarten, jetzt, wo man wieder rausdarf. Er überlegt mit seiner Frau, wie man diesen Sommerurlaub besonders kreativ gestalten kann. „Ich habe viel Energie“, sagt Paul. Ja, auch das bedeutet Aggression.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Verdammt, BIN ICH WÜTEND!
Seite 2 Mut zu Wut
Seite 3 Auch Frauen sind aggressiv

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