Sonntag, 17. Februar 2019

Unter der Gürtellinie

Ausgabe 2016.04

Harnwegsinfektionen, Prostatitis oder Menstruationsbeschwerden sollten nicht unterschätzt werden. gesünder leben sagt, was Sie wissen müssen, wenn es „da unten“ zwickt und zwackt.


Wenn es unterhalb der Gürtellinie zwickt und zwackt, schmerzt und juckt, dann ist das für viele Menschen immer noch ein Tabuthema. Sollte es jedoch nicht sein, denn Schmerzen „da unten“ können auf vielerlei Erkrankungen hindeuten. „Für Schmerzen im Unterleib gibt es viele Möglichkeiten“, betont die Wiener Frauenärztin Dr. Monika Matal (www.frauenaerztin-wien.at). „Infrage dafür können Gebärmutter, Eierstöcke, Scheide, Harnblase oder der Darm kommen.“ Kommt es zu Unbehagen im Bereich des Unterleibs, sind meist eine Harnwegsinfektion, Menstruationsbeschwerden oder – bei Männern – eine Entzündung der Prostata verantwortlich. Auch Inkontinenz,  also der Kontrollverlust über den Harn, zählt zu den Unterleibsbeschwerden und ist ein häufigeres Problem, als man vielleicht annehmen möchte. Hier ein Überblick.

Harnwegsinfektionen
Von einer sogenannten Blasenentzündung spricht man, wenn sich das Gewebe, das die ableitenden Harnwege auskleidet, entzündet. Rund 50 Prozent der Österreicherinnen erkranken mindestens einmal in ihrem Leben daran. Eine Harnwegsinfektion gilt als „Frauen-Leiden“. Wieso? „Aus anatomischen Gegebenheiten“, erklärt Matal. „Die weibliche Harnröhre ist, verglichen mit der des Mannes, sehr viel kürzer, was den Keimen den Aufstieg in die Harnblase erleichtert.“

Symptome  Eine Harnwegsinfektion ist in der Regel bakteriell bedingt: Bakterien vom Anus, meist Escherichia coli oder Enterokokken, werden zur Harnröhre übertragen. Während diese Bakterien im Darm normal sind, führen sie in der Blase bzw. in der Harnröhre zu einer Entzündung. Aber auch eine Verkühlung, eine schwache Immunabwehr, zu wenig Flüssigkeitszufuhr sowie ein neuer bzw. wechselnde Sexualpartner können eine Harnwegsinfektion auslösen. Zu den Symptomen zählen ständiger Harndrang, nur kleine Urinmengen bei der Ausscheidung, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sowie ein schwacher Urinstrahl. Bei einer schweren Infektion kann der Urin blutig sein, auch Fieber ist möglich. „In diesen Fällen muss man sofort einen Arzt aufsuchen!“, betont Matal. Therapiert wird mit Antibiotika. Eine Harnwegsinfektion heilt in der Regel komplikationslos aus.

Prävention  Trinken Sie ausreichend (Wasser, ungesüßte Tees; zwei bis drei Liter täglich) und gehen Sie regelmäßig und bei Harndrang sofort auf die Toilette. Beim WC-Gang sollte die Blase komplett entleert werden. „Wird die Blase regelmäßig gänzlich durchgespült, haben es Bakterien schwerer, sich festzusetzen!“, erklärt die Expertin. Die Toilettenhygiene sollte bei Frauen von der Scheide in Richtung After erfolgen, nicht umgekehrt. Vermeiden Sie das Sitzen auf kühlem Boden, ratsam ist zudem ein Toilettengang vor und direkt nach dem Geschlechtsverkehr. Auch die richtige Intimpflege ist von großer Bedeutung: Verwenden Sie nur warmes Wasser, keine Seife oder Desinfektionsmittel, da dies zu Schleimhautreizungen führt. Kündigt sich ein Harnwegsinfekt an, sind Blasen- und Nierentees (rezeptfrei in der Apotheke erhältlich) empfehlenswert. Diese enthalten Pflanzenextrakte wie Birke, Brennnessel oder Wacholder und regen die Harnproduktion an. Auch pflanzliche Präparate aus Bärentraubenblättern sowie Goldrutenkraut können helfen. Der Klassiker (sowohl zur Prävention als auch zur Behandlung) ist allerdings Preiselbeersaft bzw. -präparate. „Preiselbeeren enthalten Chinin- und Hippursäure, die den pH-Wert im Harn senken und den Harn ansäuern, was das Bakterienwachstum hemmt“, erklärt Matal.

Menstruationsbeschwerden
Auch wenn Menstruationsbeschwerden nicht als Erkrankung gelten, so können diese die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Circa 30 Prozent der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter leiden an starken Regelschmerzen. Davon sind häufig junge Mädchen und Frauen kurz vor der Menopause betroffen.

Symptome  Die Beschwerden treten während, in manchen Fällen aber auch vor dem Zyklus auf. Als Leitsymptom gilt der krampfartige Schmerz im Unterbauch, dazu können weitere Beschwerden wie zum Beispiel Migräne, Spannungsgefühl in der Brust, Stimmungsschwankungen, Schwindel, Übelkeit, Hautrötungen, Rückenschmerzen, Schmerzen in den Beinen, Schlafstörungen etc. kommen. „Menstruationsbeschwerden, sofern sie überhaupt auftreten, sind von Frau zu Frau unterschiedlich!“, betont Matal. Zu Menstruationsbeschwerden zählt man auch sehr starke Blutungen (10- bis 25-mal mehr Blutverlust als normalerweise). „Hier besteht die Gefahr von Eisenmangel sowie chronischer Ausblutung!“, gibt Matal zu bedenken.

Behandlung  Behandelt werden Menstruationsbeschwerden in der Regel medikamentös, zum Beispiel mit schmerz- und krampflösenden Mitteln oder hormonellen Verhütungsmitteln (Östrogene, Gestagene). Auch selbst kann man einiges gegen die Beschwerden tun: Wärme (zum Beispiel mit einer Wärmeflasche) ist ebenso ratsam wie ausreichend Bewegung. Viele Betroffene schwören auf Entspannungsübungen oder ein Entspannungsbad, auch pflanzliche Tees (Kamille, Gänsefingerkraut, Hirtentäschel, Brennnessel) wirken krampflösend und wärmend. Auf Kaffee sollte verzichtet werden, empfohlen wird dagegen eine tägliche Zufuhr von essenziellen Fettsäuren, Vitamin B1 sowie Magnesium. Und: „Schlafen Sie ausreichend!“, rät die Frauenärztin.

Inkontinenz
Rund eine Million Österreicher und Österreicherinnen sind von Inkontinenz betroffen, dabei mehr Frauen als Männer. Inkontinenz ist nicht ausschließlich ein Problem des Alters, sondern kann auch bei jüngeren Frauen auftreten, zum Beispiel bei Übergewicht oder nach einer schweren Geburt, da hier der Blasenschließmuskel und der Beckenboden geschwächt werden. Eine Bindegewebsschwäche kann auch angeboren sein. Bei Frauen vor den Wechseljahren stellt die Belastungsinkontinenz die häufigste Ursache für unfreiwilligen Harnverlust dar: Hier wird zum Beispiel beim Niesen, Lachen oder Husten tröpfchenweise Harn verloren. Bei der Dranginkontinenz tritt plötzlich ein starker Harndrang auf, der nicht kontrolliert werden kann. Hier sind die Ursachen vielfältig und können unter anderem Östrogenmangel oder altersbedingte Veränderungen der Harnblase beinhalten.

Behandlung  Ein „Blasen-Tagebuch“ zu Beginn der Behandlung hilft dem Arzt, sich einen Überblick zu verschaffen: Wie oft am Tag erfolgt der Toilettengang? Wann? Wie viel wird getrunken? Eine medikamentöse, aber auch eine hormonelle Therapie sowie in ausgepägten Fällen operative Eingriffe gehören zum Behandlungsrepertoire gegen Inkontinenz, auch Biofeedback und Elektrostimulation können helfen. Matal: „Am wichtigsten aber ist das gezielte Beckenbodentraining, das am besten schon nach jeder Geburt durchgeführt werden sollte, um die Muskulatur wieder zu trainieren.“ Auch eine Anpassung des Lebensstils ist wichtig: Gehen Sie, wenn Sie die Möglichkeit haben, auf die Toilette und trinken Sie kontrolliert. Auch eine etwaige Gewichtsabnahme führt oftmals zu einer Verbesserung der Beschwerden.

Prostatitis
Von einer Prostatitis spricht man, wenn die Prostata (auch Vorsteherdrüse genannt) entzündet ist. Etwa 10 bis 15 Prozent aller Männer zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr erkranken mindestens einmal daran. „In den letzten Jahren ist eine Zunahme an Prostataentzündungen zu bemerken“, so der Wiener Urologe Dr. Christoph Springer (www.urologiepraxis.at). „Die Ursachen sind nicht gänzlich geklärt. Klar ist, dass die Anzahl psychischer Erkrankungen und somit auch chronischer Schmerzzustände generell ansteigt.“

Symptome  Die akute Entzündung tritt plötzlich auf und wird durch Bakterien verursacht. Die Symptome beinhalten diffuse Schmerzen im Unterbauch bzw. zwischen Hodensack und After, Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen beim Ejakulieren sowie Urinieren und manchmal gar blutiger Urin. Auch ein häufiger Harndrang mit gleichzeitig aber schwachem Harnstrahl ist ein typisches Beschwerdebild. Bei der chronischen bakteriellen Prostatitis sind die Beschwerden weniger ausgeprägt. Ausgelöst wird die chronische Form meist durch eine nicht ausgeheilte Harnwegsinfektion. Springer: „Eine weitere – und mit 90 Prozent der Krankheitsfälle die weitaus häufigste – Form ist die chronische nicht bakterielle Prostatitis, auch chronisches Beckenschmerzsyndrom genannt. Hier können keine Erreger nachgewiesen werden, der Schmerz besteht jedoch weiterhin. Die Ursachen sind oftmals nicht klar.“ Typisch sind hier diffuse chronische Schmerzen im Beckenbereich (verstärkt durch langes Sitzen) sowie Beschwerden beim Urinieren. Auch Darmprobleme, Muskelverspannungen im Beckenboden oder ein schwaches Immunsystem treten häufig auf. „Nicht zu unterschätzen ist der Leidensdruck, dem diese Männer ausgesetzt sind“, sagt Springer. „Libidoverlust und psychisch bedingte Erektionsprobleme sind keine Seltenheit.“

Behandlung  Eine bakterielle Prostatitis behandelt man immer mit Antibiotika, beim chronischen Beckenschmerzsyndrom versucht man vor allem, die Symptome zu lindern, eventuell kommt eine Schmerztherapie zum Einsatz. Springer rät zudem zu Alphablockern sowie 5-alpha-Reduktase-Hemmern. Die Gefahr der Entwicklung eines Prostatakarzinoms ist laut dem Experten so gut wie nicht gegeben, allerdings können sich bei einer Entzündung Prostataabszesse bilden. Auch selbst kann man einiges dazu beitragen, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. So rät Springer zum Beispiel zu Biofeedback sowie zu Entspannungsübungen des Beckenbodens, auch pflanzliche Medikamente – allen voran Medikamente von der Sägezahnpalme – können als Therapiebegleitung helfen. Warme Sitzbäder lindern den Schmerz, sind aber in der akuten Phase nicht erlaubt! Weiters zu empfehlen sind Bewegung an der frischen Luft, Stressreduktion sowie eine ausgewogene Ernährung: Meiden Sie Koffein, Alkohol, scharfe Gewürze sowie säurehältige Lebensmittel.

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