Sonntag, 17. Februar 2019

Und wie gut sitzen Sie?

Ausgabe 09/2012
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Viele Menschen arbeiten oft stundenlang am Schreibtisch. Doch kaum jemand achtet dabei auf die richtige Haltung: Abends schmerzt dann der Rücken oder der Nacken ist verspannt. Doch das muss nicht sein.

Foto: diego cervo - iStock
Gut 70 Prozent aller Österreicher verspüren zumindest gelegentlich Rückenschmerzen. Schuld am häufigen „Kreuz mit dem Kreuz“ ist der besondere Aufbau der Wirbelsäule: Sehr speziell ausgebildete Knochen – die Wirbel – im Verbund mit Bandscheiben, Sehnen und Bändern stützen den Rumpf und balancieren den Kopf. Gerät dieses perfekt eingespielte System aus dem Gleichgewicht, sind Probleme programmiert: „Die Wirbelsäule eignet sich fürs Stehen, Laufen und Liegen, für stundenlanges Sitzen ist sie aber ganz und gar nicht gebaut“, betont die Physiotherapeutin Agnes Landkammer. „Auch wenn Ihr Arbeitsplatz im Großen und Ganzen ergonomisch eingerichtet, der Monitor optimal platziert und der neue Bürosessel absolut bequem ist, können Rückenprobleme auftreten.“

Bequemlichkeit schadet der Wirbelsäule. Selbst beim aufrechten Sitzen ist der Druck auf die Bandscheiben im Lendenwirbelbereich beinahe um die Hälfte größer als im Stehen. Landkammer: „Sitzen wir dann auch noch mit rundem Rücken vor dem PC, wird der Druck nochmals doppelt so groß.“ Viele Menschen empfinden diese schlampige Sitzhaltung als angenehm, weil sie die Rückenmuskulatur weniger beansprucht als aufrechtes Sitzen. Eine Bequemlichkeit, die dem Rücken nicht guttut, wie die Expertin betont: „Wenn die Muskulatur nicht gefordert wird, erschlafft sie. Die Muskeln bilden sich zurück, bis sie ihre Stützfunktion für die Wirbelsäule nicht mehr erfüllen können.“ Im schlimmsten Fall kommt es zu schmerzhaften Bandscheibenproblemen.

Dynamisches Sitzen. Sitzen belastet also den Rücken, ist aber kaum zu vermeiden. Also gilt es, den Schaden für das Rückgrat zu begrenzen. Am besten platziert man sich so im Sessel, wie es die Wirbelsäule vorgibt: „Machen Sie keinen bequemen Rundrücken und nutzen Sie die ganze Sitzfläche und die Lehne, damit der Rücken immer abgestützt wird.“ Viele Menschen sitzen nur auf dem vorderen Teil der Sitzfläche. Dabei ist die Rückenlehne sehr wichtig, damit man verschiedene Sitzpositionen einnehmen kann und nicht starr, sondern eher dynamisch verweilt: „Wirklich rückenschonend sitzen wir, wenn wir dabei die richtige Haltung einnehmen und uns zusätzlich auf und mit dem Stuhl bewegen“, so die Physiotherapeutin. „Je mehr man sich bewegt, desto besser für die Wirbelsäule“. Daher: Zum Telefonieren auch zwischendurch aufstehen, Fragen mit dem Kollegen im Nebenzimmer persönlich und nicht übers Telefon klären – nach dem Motto: Stehen ist besser als Sitzen, Gehen besser als Stehen. Eine häufige Unart: Beine übereinander schlagen! „Diese Haltung sollte man tunlichst vermeiden, um einen erhöhten Druck auf den Ischiasnerv bzw. den Beckenbereich sowie eine schlechte Blutzirkulation zu verhindern“, erklärt Landkammer. Auch Kreuzen der Füße unter der Sitzfläche ist nicht optimal: „So kann es zu einem Blutstau in den Kniekehlen kommen.“ Zusätzlich ist es ratsam, die Schultern entspannt in der Mitte zu halten: „Die Schultern sollten weder nach vorne fallen noch zurückgezogen werden. In beiden Fällen werden einzelne Muskelgruppen des Rückenbereichs einseitig belastet.“

Richtig sitzen am Steuer
In einem aktuellen Bericht im ÖAMTC-Magazin „auto touring“ erklärt Verkehrsmediziner Heimo Verdernjak die optimale Sitzpositionen im Auto. „Wählen Sie die Sitzhöhe so, dass die Augen auf halber Höhe der Frontscheiben sind. Stellen Sie die Vorderkante nicht zu weit hoch – Sie schnüren sonst die Oberschenkel ab. Die Knie dürfen beim Durchtreten der Pedale nicht durchgestreckt sein. Aufrecht sitzen: Die Schulterblätter brauchen Lehnenkontakt. Das Lenkrad sollte steil stehen, die Kopfstütze bis zur Oberkante reichen und nahe am Hinterkopf sein.“


Frau-am-SteuerFoto: Nobilior - iStock

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