Donnerstag, 21. Februar 2019

Trockene Nächte

Ausgabe 09/2009
Bettnässen ist leider noch immer ein Tabuthema. Doch das muss nicht sein, kleinen Patienten kann heute schon gut geholfen werden. Das erleichtert auch die Eltern.

Foto: Sean Prior - fotolia.com
Selbst kleine Tiefschläfer haben meist bist zum fünften Lebensjahr gelernt, „trocken“ durch die Nacht zu kommen. Dahinter steckt aber nicht ein „braves Kind“, sondern eher ein Wunder der Natur, denn erst ab dem zweiten Lebensjahr verspürt ein Kind überhaupt Harndrang. Ab dem vierten Jahr kann es seine Blasenfunktion so weit kontrollieren, dass es tagsüber trocken ist, und nachts kommt es zusätzlich zu einer Ausschüttung des Botenstoffs ADH ins Blut. Das bewirkt schließlich eine Reduktion der Harnproduktion und bedeutet, dass die meisten Kleinen im fünften Lebensjahr „trocken“ sind und auch nachts ihre Blasenfunktion kontrollieren können.

Wenn das nicht der Fall ist, leidet oft die ganze Familie darunter. „Die Eltern sind ratlos, wissen nicht, was sie tun sollen, die Kinder schämen sich“, sagt Elisabeth Leeb, die als Obfrau des Clubs Mondkind solche Situationen kennt. Anliegen des Clubs ist es zu informieren, dass weder Kind noch Eltern schuld am nächtlichen Einnässen sind und Bettnässen sehr gut behandelbar ist. Leeb: „Denn das Wissen über die Behandelbarkeit der Krankheit gibt den Eltern Sicherheit und Mut zum Handeln.“

Viele Kinder betroffen
Vor allem braucht man sich mit diesem Problem nicht alleingelassen zu fühlen. Rund 60.000 Kinder in Österreich leiden unter dem Bettnässen. Jedes dritte Volksschulkind ist also von diesem Problem betroffen. Doch aus Gründen der Scham, der Unsicherheit, etwas „falsch“ gemacht zu haben, kommen viele Kinder erst sehr spät zu der Behandlung, die sie brauchen. „Weniger als ein Drittel der betroffenen Kinder werden adäquat therapiert“, sagt Leeb.

Ein Problem – viele Ursachen
Ursache des Bettnässens kann eine organische Störung sein. Daher sollten Eltern mit ihrem Kind zuerst zu einem spezialisierten Facharzt oder in eine kinderurologische Ambulanz gehen (eine Liste mit Adressen aller Experten finden Sie auf www.clubmondkind.at). Es kann auch eine funktionelle Blasenentleerungsstörung vorliegen. Das kann durch eine Entwicklungsverzögerung jener Nervenbahnen, die die Blasenfunktion steuern, passieren, aber auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Studien haben gezeigt, dass häufig auch ein Elternteil als Kind betroffen war.

Bei der sogenannten Enuresis nocturna liegt schließlich eine Entwicklungsverzögerung der Blasen-Hirn-Steuerung vor. Aber auch da sind nach neuesten Forschungen genetische Faktoren nicht auszuschließen. Wenn beide Elternteile als Kind betroffen waren, dann liegt die Wahrscheinlichkeit bei bis zu 75%.

Der Weg zum Arzt ist wichtig, damit dem Kind auf die richtige Weise geholfen werden kann. Und vor allem: Die Untersuchung tut kleinen Patienten nicht weh!

Welche Rolle spielt die Psyche?
Natürlich kann das Bettnässen auch seelische Faktoren haben. Hier darf man aber nicht vergessen: Das Bettnässen ist meist nicht die Ursache, sondern die Folge der Not des Kindes. Quasi ein Hilferuf der Seele. Dass es sich um ein ernstzunehmendes Thema handelt, zeigt schon, dass die WHO Bettnässen als behandlungswürdige Krankheit klassifiziert hat. Das heißt auch, Eltern sollten so früh wie möglich die Ursachen ärztlich abklären lassen.

Behandlung je nach Ursache
Die Therapie richtet sich nach Alter, Symptomatik und Ursache des Einnässens. Am häufigsten kommt eine medikamentöse Therapie zum Einsatz: Ein Mangel am Botenstoff ADH wird dann durch eine Schmelztablette (Melt) ausgeglichen. Oft wird die medikamentöse Therapie auch mit einer Verhaltenstherapie kombiniert. Dadurch können innerhalb weniger Tage schon Erfolge erzielt werden.

Zusätzlich gibt es auch noch die Alarmtherapie, die vorwiegend bei noch zu geringem Fassungsvermögen der Blase zum Einsatz kommt. Diese basiert auf einem sogenannten „Warnsystem in der Unterhose“: Ein Sensor sendet ein Signal an einen Funkwecker. Dieser löst beim ersten Tropfen ein akustisches Signal oder Vibrationen aus, und das Kind erwacht. Oft passiert es, dass das Kind durch das Wecksignal nicht aufwacht. Darum hat es sich bewährt, dass am Beginn der Therapie ein Familienmitglied den Funkwecker bei sich hat, im Fall des Falles das Kind aufweckt und mit ihm zur Toilette geht. Im weiteren Verlauf der Behandlung wird das Kind auf den Wecker trainiert und erwacht selbstständig.

Weiters gibt es die Laserakupunktur. Auch diese Methode kann Erfolg versprechen – und hat in einigen Fällen schon gewirkt, wo die Schulmedizin keine Lösungen brachte. Wichtig ist, dass gemeinsam mit dem Arzt die individuell richtige Therapie für das Kind gewählt wird. Dann steht der Nachtruhe von Eltern und Kind nichts mehr im Weg.


Info & Kontakt:
Club Mondkind www.clubmondkind.at
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Club-Telefon: 0664/60 90 8100 oder
0699/10 999 000 (jeweils Fr. vormittags)

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