Montag, 16. September 2019

Tabuthema Hämorrhoiden

Ausgabe 2015.11

Jucken oder Brennen im Afterbereich kann auf ein Hämorrhoidalleiden hinweisen. Was ist zu tun? Wann muss ich zum Arzt? Und: Welche Hausmittel helfen wirklich?


Foto: Can Stock Photo Inc. - zastavkin

 

Um das Thema Hämorrhoiden ranken sich viele Mythen. Zum Beispiel, dass das Sitzen auf kalten Steinen die Entstehung eben dieser fördert. Weitverbreitet ist auch die Meinung, dass nur jene Personen Hämorrhoiden bekommen, die schlechte Körperhygiene betreiben. All das ist Unsinn – schon deshalb, weil jeder Mensch Hämorrhoiden hat! „Es handelt sich hier um eine normale anatomische Struktur und nicht um eine Krankheit!“, stellt Dr. Michael Kisser, Wiener Facharzt für Chirurgie (www.kisser.at), klar. „Aus medizinischer Sicht sind Hämorrhoiden nichts anderes als ringförmig angeordnete, blutgefüllte Schwellkörper bzw. Polster, die unter der Schleimhaut oberhalb des Schließmuskels liegen und zum einen für das Gefühl im Afterbereich verantwortlich sind, zum anderen aber auch zusammen mit dem Schließmuskel dafür sorgen, dass der After verschlossen bleibt.“ Wenn sich diese Gefäße erweitern, nach unten sinken und sich nach außen stülpen, kommt es häufig zu Beschwerden – Mediziner sprechen dann von einem „Hämorrhoidalleiden“. Und genau diese Leiden sind es, wenn man im Volksmund gerne von „Ich habe Hämorrhoiden!“ spricht. Davon betroffen sind übrigens Männer genauso wie Frauen, Jung genauso wie Alt.

Bitte nicht pressen! Die Ursachen für ein Hämorrhoidalleiden sind wissenschaftlich bis heute nicht vollends geklärt. „Klar ist, dass die klassischen Hämorrhoiden-Probleme, also Blutungen, Juckreiz, Schwellungen, Brenn- oder auch Druckgefühl im After durch oberflächliche Verletzungen dieser herausgedrückten Polster entstehen“, erklärt Kisser. Unter Medizinern als gesichert gilt die Annahme, dass eine ballaststoffarme Ernährung der Hauptgrund für Hämorrhoidalleiden ist. „Dadurch wird der Stuhl sehr hart bzw. kann es zur Verstopfung kommen, was wiederum langes, starkes Pressen beim Stuhlgang zur Folge hat. Durch dieses Pressen werden die Schwellkörper nach außen gestülpt und es kommt zu Verletzungen und Irritationen.“ Aufgrund der mechanischen Reizung durch die Hygiene mit dem WCPapier wird die Schwellung oder auch die Blutung noch zusätzlich gefördert. Apropos Hygiene: „Viele Patienten glauben, sie tun etwas Gutes, wenn sie den Analbereich übertrieben lange und gründlich reinigen, noch dazu mit aggressiven Seifen oder Duschgels“, betont Kisser. Dies sei aber falsch: „Da diese Körperregion nur aus Schleimhaut besteht, ist sie besonders empfindlich und reagiert leicht mit Irritationen und Entzündungen.“ Als weitere Risikofaktoren für Hämorrhoiden gelten Übergewicht, wenig Bewegung, langes Sitzen auf der WC-Schüssel sowie Schwangerschaften (aufgrund des weicheren Gewebes).

Bitte abklären! „Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie mit diesem Problem alleine auf der Welt sind“, sagt Kisser. „Probleme im Afterbereich beredet man im Freundeskreis natürlich nicht so leicht wie einen gebrochenen Arm. Viele Menschen kommen aus Scham erst nach langer Zeit der Beschwerden zum Arzt.“ Obwohl „Hämorrhoiden zwar unangenehm, aber nicht gefährlich“ sind, wie der Experte betont, ist es wichtig, die Beschwerden – insbesondere Blutungen – rasch abzuklären. „Denn die Hälfte der Patienten, die mit angeblichen Hämorrhoidalleiden in meine Praxis kommen, leiden in Wirklichkeit an etwas anderem. So zum Bespiel können Analfissuren, Feigwarzen, Ekzeme, Polypen oder Tumore sehr ähnliche Beschwerden wie Hämorrhoiden verursachen.“ Die Diagnostik besteht aus einem Anamnesegespräch, einer Untersuchung der betroffenen Region sowie meist aus einer Mastdarmspiegelung. „Diese ist absolut schmerzlos und kann ohne Narkose oder Vorbereitung durchgeführt werden“, erklärt Kisser. Die Behandlungsmethoden sind unterschiedlich: Meist reichen Salben (am besten auf pflanzlicher Basis; Kisser empfiehlt hier Mäusedorn sowie Beinwell), Zäpfchen oder kortisonhaltige Medikamente, bei schwereren Fällen sind aber invasive Eingriffe verschiedenster Art notwendig.

Hausmittel. Auch zahlreiche Hausmittel haben sich bewährt. Experten raten zu lauwarmen Sitzbädern, zum Beispiel aus Eichenrindenextrakt (auch als Salbe erhältlich!), Kamille-Steinklee-Tee oder Zinnkrauttee. Anstatt eines Sitzbades können Sie die Hämorrhoiden auch mehrmals am Tag mit dem entsprechenden Tee abtupfen. Empfehlenswert sind zudem heiße Kompressen mit Schafgarbentee sowie die Anwendung mit einer Hamamelis-Tinktur: Tränken Sie ein Baumwolltuch in diese Tinktur und bestreichen Sie die betroffene Region. Man kann das Tuch auch zwischen die Popbacken schieben und einige Zeit dort belassen. Gesundheitsexperte Hademar Bankhofer schwört bei Hämorrhoiden-Problemen auf die Apfelkur (jeden Tag ¼ Liter Apfelmost oder naturtrüben Apfelsaft trinken) sowie auf einen Ringelblume-Honig-Mix: Vermengen Sie Ringelblumensalbe mit Honig im Verhältnis 1:1 und streichen Sie diesen Mix direkt auf die betroffene Stelle.

Prävention. Und was können Sie tun, um ein Wiederauftreten zu vermeiden? Sorgen Sie für eine ballaststoffreiche Ernährung (Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte etc.), trinken Sie täglich mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßte Tees – so bleibt der Suhl geschmeidiger. Auch Leinsamen, Flohsamen und Weizenkleie leisten gute Dienste. Schieben Sie, wenn Sie das Bedürfnis verspüren, Ihren Stuhlgang nicht auf, da sich der Stuhl ansonsten verdickt. Die Analhygiene sollte gründlich, aber schonend geschehen: Verwenden Sie klares, lauwarmes Wasser sowie extraweiches bzw. feuchtes Toilettenpapier. Bei der Reinigung selbst sollten Sie tupfen anstatt reiben. Auch Sport ist wirksam. Hier raten Experten aber von Sportarten ab, bei denen die Beckenorgane nach unten gedrückt werden, zum Beispiel Tennis oder Joggen. Ratsam ist Schwimmen, Wandern oder Radfahren. Trainieren Sie zudem regelmäßig Ihren Beckenboden und den Schließmuskel!

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