Freitag, 24. Mai 2019

Tabu Mundgeruch

Ausgabe 09/2013

Jeder kennt ihn, aber niemand spricht gern darüber. Sogar Zahnärzte haben oft Hemmungen, Patienten auf schlechten Atem anzusprechen.


Foto: Can Stock Photo Inc. - konradbak

Jeder Vierte von uns verströmt zu bestimmten Tageszeiten einen deutlich wahrnehmbaren Mundgeruch, etwa sechs Prozent der Bevölkerung sind dauerhaft betroffen. Das zeigen Studien, die sich mit der Problematik der Halitosis – so wird Mundgeruch wissenschaftlich genannt – auseinandersetzen. Das Problem dabei:  Betroffene wissen einerseits selten selbst darüber Bescheid. Andererseits gibt es nach wie vor nur wenige Zahnärzte, die auf diesem Gebiet Spezialisten sind.

 

Schlechten Atem riecht man selbst nicht.

Mundgeruch stellt für die Betroffenen ein ernstes Problem dar. Vor allem, wenn sie niemand darauf aufmerksam macht. Denn zumeist kann der eigene schlechte Atem selbst gar nicht wahrgenommen werden, weiß der Zahnarzt und renommierte Mundgeruch-Experte Prof. Dr. Andreas Filippi, der in Basel seit mehr als zehn Jahren eine Halitosis-Sprechstunde leitet: „Es reicht nicht, in die vor das Gesicht gehaltenen Hände zu atmen und anschließend die Luft zu riechen." Auch ein schlechter Geschmack im Mund oder der Geruch von benutzter Zahnseide sagt nichts über möglichen übel riechenden Atem aus. Die einfachste Vorgangsweise, herauszufinden, ob man Mundgeruch hat, ist, einen guten Freund darauf anzusprechen. „Doch hier ist die Hemmschwelle meist zu hoch", weiß Filippi. Sogar Zahnärzte haben oft Hemmungen, ihren Patienten die übel riechende Wahrheit zu offenbaren: „Wir Zahnärzte sagen entspannt: ‚Sie haben da ein Loch im Zahn.‘ Aber dem Patienten mitzuteilen: ,Hey, Sie haben Mundgeruch‘ – das haben wir alle nicht gelernt!" Eine relativ zuverlässige Möglichkeit, die man allein durchführen kann, ist die „Airbag"-Methode: „Man nimmt dazu einen geruchlosen Kunststoffbeutel, dessen Fassungsvermögen mehr als sieben Liter beträgt. Er wird nicht wie ein Luftballon aufgeblasen, sondern man atmet normal durch die Nase ein und durch den Mund aus. Wenn der Beutel voll ist, verschließt man ihn gut und atmet anschließend fünf bis zehn Minuten Frischluft ein. Dann drückt man den Beutel langsam vor der Nase aus."

 

Die Ursache liegt oft auf der Zunge.

Schlechter Atem entsteht zumeist nicht im Magenbereich. „Die Ursache ist in fast 90 Prozent der Fälle in der Mundhöhle zu finden", so Filippi. Dort wuselt es nämlich von Bakterien verschiedenster Art, auf deren Menüplan vornehmlich Eiweiß aus Speiseresten steht. Als Abbauprodukte des bakteriellen Festmahls entstehen flüchtige Substanzen, die sich u. a. auch in verwesenden Leichen, verdorbenem Fleisch, faulen Eiern oder anderen Dingen finden, um die man im Normalfall einen weiten Bogen machen würde. Wer brav seine Zähne putzt, Zahnseide und Mundspülungen verwendet und auch noch zweimal jährlich zur professionellen Mundhygiene geht, tut schon sehr viel, um die Entstehung von Mundgeruch zu verhindern. Aber manchmal reicht das einfach nicht, um die Bakterien daran zu hindern, schlechten Atem zu produzieren. Das liegt laut Filippi daran, dass sich diese Bakterien vornehmlich auf der Zunge zusammenrotten, wo sie in den zerklüfteten Fadenpapillen vor „gefährlichen" Einflüssen wie z. B. Mundwasser geschützt sind und sich ungehindert vermehren können. Zudem verstecken sich die Keime auch gerne in tiefen Zahnfleischtaschen, weshalb Menschen mit Parodontitis auch häufig über Mundgeruch klagen.

 

Was Mundgeruch begünstigt
  • Zungenbelag
  • Zahnfleischentzündungen
  • reduzierter Speichelfluss (z. B. durch Medikamente wie Schlafmittel, Antidepressiva, Appetitzügler, Blutdrucksenker, Herzmedikamente, Antihistaminika, Parkinson-Präparate)
  • geringe Flüssigkeitszufuhr (weniger als 0,5 l/Tag)
  • Rauchen
  • Mundatmung (z. B. auch bei Down-Syndrom)
  • Schnarchen
  • Stress
  • bakterielle Fehlbesiedlung der Mundhöhle durch
  • Antibiotika
  • Alkohol
  • hoher Body-Mass-Index (Übergewicht)
  • Zungen-Piercings
  • hormonelle Einflüsse (z. B. Eisprung bei Frauen)

Mit der Zungenbürste geht’s am einfachsten.

Der beste Ansprechpartner bei Mundgeruch ist der Zahnarzt Ihres Vertrauens. Ist der Mundgeruch eindeutig, sollte man die häufigsten Ursachen unter die Lupe nehmen: Zahn- und Zungenbelag, Zahnfleischentzündungen und Parodontitis. Mundgeruch-Experten legen ihrer Klientel ausführliche Fragebögen vor und verfügen über verschiedene Messgeräte, die neben dem Mundgeruch die Speichelmenge, das Ausmaß des Zungenbelags und weitere wichtige Faktoren messen können. „Ist der Zungenbelag die Ursache für Mundgeruch, hilft die tägliche Reinigung des Zungenrückens mit einer speziellen Zungenbürste – Zungenschaber sind fast wirkungslos – in Kombination mit Zungenpasten, die Zink-Verbindungen enthalten", erklärt Filippi. „Wichtig ist, dass man am höchsten Punkt der Zunge beginnt und ohne Druck reinigt, um kleine Verletzungen der Schleimhaut zu verhindern." Um den Würgereiz auszutricksen, hilft es, die Augen zu schließen, den Mund nicht maximal zu öffnen und den Akupunkturpunkt Ren Mai 24 in der Mitte zwischen Kinn und Mund zu stimulieren. In vielen Fällen reicht eine ausgedehnte häusliche Mundhygiene zweimal täglich, um wieder mit frischem Atem zu glänzen. Schafft auch der persönliche Zahnarzt das Problem nicht aus der Welt, kann man sich auch persönlich an die Koryphäe aus Basel wenden: Unter www.andreas-filippi.ch wird auch eine E-Mail-Sprechstunde angeboten. Nicht umsonst hat der charismatische Zahnmediziner regelmäßig Klienten, die aus allen Teilen Europas extra in die Schweiz geflogen kommen.

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