Mittwoch, 23. Oktober 2019

Sturm im Kopf

Ausgabe 2019.10
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Wenn der Kopf brummt, sticht, pulsiert oder drückt, ist das selten gefährlich, kann aber zu einer großen Belastung werden. GESÜNDER LEBEN stellt die häufigsten Kopfschmerz-Formen vor und verrät, was Sie dagegen tun können.


Foto: © iStock-xSIphotography

Ob pulsierend, brummend, stechend, hämmernd, dumpf, schleichend oder anfallsartig, intensiv oder kaum wahrnehmbar: Kopfschmerzen sind nach Rückenschmerzen die zweithäufigste Schmerzform. „Nur zehn Prozent der gesamten Menschheit erlebt niemals Kopfschmerzen“, bestätigt Dr. Sonja-Maria Tesar, Leiterin der Kopfschmerzambulanz am Klinikum Klagenfurt sowie Vizepräsidentin der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft. „Umgekehrt bedeutet das: 90 Prozent der Bevölkerung schmerzt mindestens einmal in ihrem Leben der Kopf.“ Sowohl Kinder als auch Erwachsene können davon betroffen sein, wobei mit zunehmendem Alter die Häufigkeit, Kopfschmerzen zum ersten Mal zu erleben, sinkt: Wer älter als 45 Jahre ist, erleidet statistisch betrachtet weniger Kopfschmerzattacken. „Frauen sind zudem häufiger betroffen als Männer“, fügt Tesar hinzu. „An Migräne leiden Frauen sogar circa dreimal so häufig wie Männer, weltweit sind insgesamt rund 20 Prozent der Frauen betroffen.“

Kopfschmerz hat viele Gesichter
Insgesamt unterscheidet man zwischen mehr als 300 Kopfschmerzformen, „zählt man die Unterformen mit, kommt man sogar auf über 600!“, klärt Tesar auf. Die gröbste Unterteilung erfolgt in primäre und sekundäre Kopfschmerzen. „Von den zuletzt genannten spricht man, wenn Kopfschmerz keine eigenständige Erkrankung ist, sondern als Begleitsymptom einer anderen Erkrankung auftritt. Also Kopfweh einhergehend mit beispielsweise Bluthochdruck, Medikamenteneinnahme, einem grippalen Infekt, zu wenig Flüssigkeitszufuhr, zu viel Alkohol, aber auch bei einem Hirntumor oder einer Gehirnblutung.“ Weshalb es der Ärztin wichtig ist zu betonen, dass Kopfschmerzen zwar in den meisten Fällen harmlos sind, aber trotzdem nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten: „Besonders dann, wenn die Kopfschmerzen neu auftreten oder an Intensität und Häufigkeit kontinuierlich zunehmen, sollte man zwecks Abklärung einen Spezialisten, vorzugsweise einen Neurologen, aufsuchen!“

Spannungskopfschmerz
Die häufigste Form ist der Spannungskopfschmerz: 90 Prozent aller Menschen, die von Kopfschmerzen betroffen sind, leiden darunter. „Er betrifft den ganzen Kopfbereich, und die Stirn und fühlt sich an, als trage man einen zu engen Helm“, beschreibt Tesar den für den Spannungskopfschmerz typischen dumpfdrückenden Schmerz, der eventuell mit Übelkeit, „aber nie mit Erbrechen oder anderen Begleiterscheinungen einhergeht“. Ein Spannungskopfschmerz ist in seiner Intensität leicht bis mäßig, „vielen Betroffenen gelingt es, sich von ihren Beschwerden abzulenken“, so die Ärztin. „Die Ursachen sind nicht in einem MRT-Befund zu finden“, so Tesar. „Die Patienten haben meist Probleme in der Stressbewältigung oder klagen allgemein über eine schlechte Entspannung.“ Wie der Name schon sagt, können auch Verspannung der Nacken-, Hals- und Schultermuskulatur zu einem schmerzenden Kopf führen. Studien zufolge weisen Übergewichtige, Zuckerkranke und Arthrose-Patienten ein höheres Risiko auf, Spannungskopfschmerzen zu entwickeln. Die Behandlung besteht in der Einnahme von Schmerzmitteln aus der Gruppe der sogenannten „nichtsteroidalen-Antiphlogistika“, zu denen unter anderem die Wirkstoffe Paracetamol, Diclofenac und Ibuprofen zählen. „Aufgrund der Nebenwirkungen bitte so selten und in so geringer Dosis wie möglich einnehmen!“, rät Tesar eindringlich. Spannungskopfschmerzen bessern sich aber auch schnell mittels Bewegung an der frischen Luft, Ruhe sowie ausreichender Flüssigkeitszufuhr. „Auch Pfefferminzöl oder Tiger-Balsam, das auf Schläfen und Nacken aufgetragen wird, ein kühlender Lappen sowie Massieren der Stirn- und Nackenpartie hilft sehr gut!“

Migräne
Die zweithäufigste Kopfschmerzform ist die Migräne: Laut Experten ist weltweit jeder zehnte Mensch davon betroffen. „Die Migräne charakterisiert sich durch wiederkehrende Anfälle von heftigen pulsierend-pochenden Kopfschmerzen“, erklärt Tesar. Attacken können 4 bis 72 Stunden lang anhalten und sich mitunter bereits zwei Tage vorher ankündigen, so die Ärztin: „Sogenannte Vorboten-Symptome sind vor allem enormer Harndrang, plötzliches Gähnen, Gereiztheit, Schwindel, Konzentrationsstörungen sowie Heißhunger auf Kohlenhydrate.“ Im Gegensatz zum Spannungskopfschmerz betrifft Migräne in der Regel nur eine Kopfhälfte. „Der Unterschied zum ‚normalen’ Kopfschmerz besteht vor allem in der Intensität, die sich bei körperlicher Anstrengung – manchmal genügt schon Husten oder Kopfschütteln – verstärkt.“ Migräne wird meist von Licht- und Wärmeempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen sowie einem starken Ruhebedürfnis begleitet. Tritt die Migräne mit neurologischen Symptomen wie Seh- oder Gefühlsstörungen oder auch Schlaganfall-ähnlichen Symptomen auf, spricht man von einer „Migräne mit Aura“.

Therapie von Migräne
„Migräne ist zwar nicht heil-, aber gut behandelbar“, beruhigt Tesar. Die medikamentöse Attackentherapie besteht sowohl aus herkömmlichen Schmerzmitteln, die hoch dosiert und rechtzeitig eingenommen werden müssen als auch aus spezifischen Migräne-Medikamenten, die es in verschiedenen Formen gibt, zum Beispiel als Schmelztabletten, Nasensprays oder Spritzen. „Leidet man an mindestens drei Migräneattacken monatlich oder dauern die Attacken sehr lange, empfiehlt sich eine prophylaktische Therapie“, klärt Tesar auf. „Seit geraumer Zeit ist hier eine neue Generation von Medikamenten zugelassen, die speziell für das Krankheitsbild der Migräne entwickelt wurden und die in die Pathophysiologie der Migräne eingreifen.“ Die sogenannten Anti-CGRP-Antikörper (Calcitonin Gene-Related Peptide) werden unter die Haut injiziert und tragen dazu bei, die Häufigkeit sowie die Intensität von Migräneanfällen zu reduzieren. „CGRP ist ein Molekül, das in unserem Nervensystem produziert wird und bei einer Migräneattacke im Blut ansteigt. Die Anti-CGRP-Antikörper fangen dieses Peptid ein und blockieren es oder den dazugehörigen Rezeptor, sodass dieses Molekül nicht mehr wirken kann. Diese Medikamente zeigen nicht nur eine außerordentlich gute Wirksamkeit, sondern auch eine gute Verträglichkeit.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Sturm im Kopf
Seite 2 Cluster-Kopfschmerz

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