Donnerstag, 23. Mai 2019

Stress, lass nach!

Ausgabe 11/2012
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Stress, wie er zur „stillsten Zeit des Jahres“ unausweichlich auftritt, kann krank machen. Wir zeigen, wie Sie gerade jetzt zu mehr Entspannung und Leichtigkeit finden.

Foto: Can Stock Photo Inc. - wackercanstockphoto
Schon jetzt beginnt – zumindest gedanklich – das große Rennen um das stillste Fest des Jahres. Bald schon muss die Wohnung adventgerecht dekoriert sein, ein spannender Kalender für die Kleinen soll her, und natürlich machen wir uns erste Gedanken um die Geschenke für unsere Lieben. Daneben läuft in dieser Zeit die Arbeit wie immer, und das heißt auf Hochdruck. Dieser Stress kann zu gravierenden psychischen Problemen führen oder aber körperliche Symptome hervorrufen und bereits bestehende körperliche Erkrankungen intensivieren. So sind nicht nur Depression und Burn-out die Folge von zu viel Dauerstress, sondern oft auch psychisch bedingte Muskel- und Skelettbeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Spannungskopfschmerzen, allgemeine Erschöpfung, Schlafprobleme etc.

Unsere Zeit bedingt Stress. Nun ist Stress zwar alles andere als ein neues, zeitgeistiges Phänomen, sondern begleitet den Menschen schon seit seinen Uranfängen. Doch unsere Zeit hat mit einigen Stressauslösern aufzuwarten, die neu sind. „Die Schnelllebigkeit, die permanente Reizüberflutung, die Verschmelzung von Arbeits- und Privatleben und die 24-stündige Erreichbarkeit über Mail und Handy sind neue Belastungsfaktoren, mit denen umzugehen gelernt sein will. Oft entsteht durch sie eine Anspannung, die nicht abgebaut wird, sondern im Gegenteil – besonders zu belasteten Zeiten – häufig in Form von Stress verstärkt wird“, sagt Psychologe Dr. Norman Schmid vom Berufsverband der Psychologen. So können sich Stressmuster in unser Gehirn einbrennen. Und Wissenschaftler haben herausgefunden, dass extremer und anhaltender negativer Stress sogar die menschliche Genetik verändern kann. Was zurückbleibt, ist eine sogenannte Stressnarbe. Der Mensch reagiert auf jede neue Stresswelle sensibler als zuvor. Aber: Das Gehirn ist nicht wie früher angenommen ein starr festgelegtes, fix „verdrahtetes“ Organ, sondern es kann sich gewissermaßen verändern. Basis für diese Fähigkeit unseres wichtigsten Organs ist seine sogenannte Neuroplastizität. „So ist es auch möglich, neue, gelassenere Spuren im Gehirn zu verankern, wenn man beispielsweise versucht, konsequent mehr Entspannung in den Alltag zu bringen“, so Schmid. Was abstrakt-wissenschaftlich klingt, wird an einem konkreten Beispiel klar: Nehmen wir an, jemand fährt jahrelang in Österreich Auto. Alle dazu notwendigen Reaktionen sind als fixe Muster im Gehirn programmiert und automatisiert. Wenn diese Person nun nach Australien auswandert und dort Auto fährt, so sind die alten Muster wegen des Linksverkehrs nicht mehr tauglich, aber durch kontinuierliche Übung werden neue, zum Linksverkehr passende Muster einprogrammiert und nach einiger Zeit wieder automatisiert. Das Gleiche ist mit stresserzeugenden Mustern möglich – die alten Stressmuster werden durch neue, souveränere und gelassenere Muster ersetzt.

Was ist echte Entspannung? Doch was ist eigentlich Entspannung genau? „Echte Entspannung äußert sich auf drei  Ebenen: Auf der psychischen Ebene kommt es zu einem Wohlbefinden, einer Beruhigung der Gedanken und Gefühle und der Entstehung eines guten psychischen Gleichgewichtszustands. Körperlich gesehen fällt etwa die Muskelspannung ab, der Atem beruhigt sich, und das Nervensystem entspannt sich. Und auch im Verhalten wird man ruhiger. Körperhaltung und Mimik entspannen sich“, erklärt der Psychologe, der zum Erreichen dieses Ziels ein vierstufiges Programm empfiehlt.

Die Analyse. Der erste Schritt ist immer ein In-sich-gehen. „Es ist zunächst wichtig, ein individuelles Ziel zu setzen, also sich klar zu machen, warum und zu welchem Zweck man Entspannung lernen will. An diesem Punkt kann man anhand einer Checkliste meist schon feststellen, welche Entspannungstrainings für welche Ziele am besten geeignet sind“, sagt der Experte. Dazu zwei Beispiele: Sind stressbedingte Kopfschmerzen das quälende Problem, so passen all jene Trainings, die an der Muskelentspannung ansetzen – also zum Beispiel die progressive Muskelentspannung oder ein Biofeedback. Ist aber ständiges Gedankenkreisen der Auslöser für den Wunsch nach mehr Entspannung, so sind eher Trainingsmethoden, die mental ansetzen, angesagt – etwa Achtsamkeitsmeditation, Atemtraining, Imagination oder Neurofeedback.

Übersicht zu diesem Artikel:
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