Montag, 20. Mai 2019

Stimmt doch gar nicht!

Ausgabe 2017.09
Seite 1 von 3

Medizin-Mythen im Expertencheck

Das gute Achterl Wein pro Tag hat noch niemandem geschadet. Zur Verdauung ein Schnapserl. Nach dem Essen ruhen. Und bei einer Verkühlung helfen Antibiotika. Wer kennt sie nicht, die Volksweisheiten und allgemeinen Empfehlungen zur Gesundheit. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind falsch! GESÜNDER LEBEN entzaubert die gängigsten Mythen und klärt auf.


Foto: iStock-Peopleimages

Gesünder Leben schreibt Klartext – und Sie werden überrascht sein!

Spinat besitzt viel Eisen
Eltern mühen sich regelmäßig ab, ihren Nachwuchs den Verzehr von Spinat schmackhaft zu machen – Versuche, die bei den Kleinen auf wenig Gegenliebe stoßen. Dabei wäre er doch so wichtig, schließlich braucht der Körper Eisen – ein Umstand, den schon wenige Löffel Spinat regeln könnten. Oder? Die Legende vom außergewöhnlich eisenhältigen Spinat hält sich seit 1890, basiert aber auf einem Irrtum des Physiologen Gustav von Bunge. Dieser hatte den Eisengehalt von 100 Gramm Spinat mit 35 Milligramm zwar korrekt bestimmt. Allerdings hatte er getrockneten Spinat untersucht, der zehnmal so viel Eisen enthält wie die gleiche Menge frischer Blätter. Das tatsächlich im Spinat enthaltene Eisen ist für Menschen durch die Verdauung noch nicht einmal verwertbar. Für Kinder ist das Thema dennoch nicht vom Tisch: Gesund ist Spinat nämlich trotzdem – aufgrund seines Vitamin-, Eiweiß- und Mineralgehalts!

Eier erhöhen den Cholesterinspiegel
Jahrelang standen sie auf dem Abstellgleis vieler Speisepläne. Wer seinen Cholesterinspiegel im Zaum und die Gefahr von Arterienverkalkung, Herzerkrankungen und Schlaganfall minimieren wollte, gönnte sich nur höchst selten ein Ei. Schließlich enthält dieses 210 mg Cholesterin. Da die Amerikanische Herzgesellschaft die empfohlene Verzehrmenge vor vielen Jahren bei 300 mg pro Tag festgelegt hatte, schien es nur logisch, auf den Genuss zu verzichten. Bis im Jahr 2013 eine groß angelegte US-Studie mit 470.000 Teilnehmern für Zweifel an der bisher geltenden Theorie sorgte: Probanden, die täglich ein Ei aßen, hatten demnach kein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Heute weiß man, dass Cholesterinwerte nur zu einem kleinen Teil durch Ernährung beeinflusst werden. Viel mehr Einfluss haben unsere Gene. Das Ei darf also zurück auf den Frühstückstisch – am besten als Teil einer ausgewogenen, mediterranen Ernährung.

Joghurt stärkt die Abwehrkräfte
Verheißungsvoll klingt es uns aus dem einen oder anderen Werbespot noch in den Ohren: Es genüge schon, täglich einen bestimmten Joghurtdrink zu sich zu nehmen, und schon wird unser körpereigenes Immunsystem zum Bollwerk, an dem sämtliche Krankheiten abprallen. Aber stimmt das auch? Nein. Joghurt ist zwar, sofern es nicht zu viel Zucker beinhaltet, gesund – es stärkt Knochen, Muskeln, Zähne und Nerven und besitzt auch Milchbakterien, die die Darmflora unterstützen. Positive Auswirkungen auf die Abwehrkräfte sind aber nach wie vor unbewiesen. Eine Tatsache, die nun auch die Werbeindustrie akzeptieren muss: Seit dem Jahr 2012 dürfen irreführende Zusätze wie „stärkt die Abwehrkräfte“ oder „gut fürs Immunsystem“ nach einem Beschluss der EU-Kommission nicht mehr verwendet werden.

Fruchtzucker ist gesund
Dass zu viel Zucker der Gesundheit schadet, weiß mittlerweile jedes Kind. Dass jedoch auch der in Obst enthaltene Fruchtzucker (Fruktose) den Körper belastet, ist weniger verbreitet – schließlich ist Obst doch gesund, oder? Ist es auch, aber in Maßen. Empfehlenswert sind nämlich nur zwei Portionen Obst (etwa 300 g) pro Tag. Das entspricht je nach Obstsorte einem Fruktose-Anteil von rund 25 Gramm – eine Menge, die der Körper problemlos verwerten kann. Wer jedoch mehr an süßen Früchten zu sich nimmt, riskiert, dass die Leber belastet und langfristig zur Fettleber wird. Und hier sind weitere gesüßte Getränke oder zuckerhältige Lebensmittel noch nicht berücksichtigt. Besonders hoch ist der Fruchtzuckeranteil übrigens bei Obstsäften, da ihnen im Vergleich zu unverarbeiteten Früchten die Ballaststoffe fehlen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Stimmt doch gar nicht!
Seite 2 Salz schadet dem Körper
Seite 3 Solarium schützt vor Sonnenbrand

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie informieren Sie sich über Nebenwirkungen von Medikamenten?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information