Freitag, 24. Mai 2019

Stille ist gesund

Ausgabe 2016.04

Mediziner warnen vor gravierenden Hörschäden durch massive Lärmentwicklung. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie sich davor schützen können.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - photography33

Die einzige wirksame Maßnahme für ein lebenslang gutes Gehör ist kein Lärm. Doch Lärm scheint inzwischen alltäglich zu sein. Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) warnt vor zunehmenden Lärmschädigungen. Laut Schätzungen werden im Jahr 2025 90 Millionen Europäer eine  Hörminderung aufweisen. Die Folgeschäden von unbehandelten Hörverminderungen werden dabei auf 160 Milliarden Euro geschätzt. Univ.-Prof. Dr. Dietmar Thurnher, Klinikvorstand der Hals-Nasen-Ohren-Universitätsklinik Graz, sagt: „Von Natur aus ist das Ohr wesentlich besser geschützt als das Auge. Der einzig mögliche und der einzig wirksame Schutz, den wir unserem Gehör geben können, ist der Lärmschutz. Sein Gehör zu pflegen, ist eine sehr einfache Sache.“ Der Haken daran: „Wir leben in einem sehr lauten Zeitalter, sind nicht nur umgeben von gesundheitsschädlichen Dauerlärmquellen, sondern viele, vor allem Jugendliche, verwenden oft für mehrere Stunden am Tag die kleinen Kopfhörer, die direkt in den Gehörgang eingeführt werden.“ Hinzu kommt: „Viele, die sich konzentrieren wollen oder nicht einschlafen können, verwenden Ohrstöpsel, um den Lärm zu vermindern, aber auch diese können tief reinrutschen und aufquellen, wodurch man sich den Gehörgang verletzen kann, sogar so weit, dass das Trommelfell leidet.“

Die Reizüberflutung ist das Problem. Als Lärmschutz sind also weder Ohrstöpsel noch Kopfhörer geeignet. „Denn“, so Experte Thurnher weiter, „ein Teil des Lärms kommt über den Knochen selber ins Gehör.“ Das sei auch der Grund dafür, dass professionelle Lärmschutzkopfhörer so riesig sind. Sie müssen, um das Gehör gut zu schützen, auch das Schläfenbein und den Knochen abdecken. Durch die Lärmexposition, durch die Stärke des Reizes und die Hochfrequenz des Schalles hören heute schon sehr viele junge Menschen so schlecht wie ältere Menschen, die durch die normale Alterung schwerhörig sind. Professor Thurnher: „Durch pathologisch-anatomische Untersuchungen wissen wir, dass durch chronische Lärmeinwirkungen die Haarzellen im Innenohr zerstört werden“. Je länger man sich dem Lärm aussetzt, desto schlimmer ist es. Werden schon kleine Kinder mit lautem Spielzeug konfrontiert, dann kann sich eine Schwerhörigkeit schon früh zeigen. Fazit: Schützen Sie sich und Ihre Kinder so weit wie möglich vor Lärmquellen!

Interview

„Die Therapie ist: kein Lärm!“

Univ-Prof. Dr. Dietmar Thurnher,
Klinikvorstand der Hals-Nasen-Ohren-Universitätsklinik, Graz

Univ-Prof. Dr. Dietmar Thurnher über Lärmschutz, die Gefährlichkeit der Kopfhörer und Hörverlust.


Wie schützt man sich vor Lärm?
Thurher: Der einzige Schutz, ist der, dass man sich keinem Lärm aussetzt. Wir leben in einer sehr lauten Welt, und vor allem Jugendliche gefährden ihr Gehör durch zu laute Musik und permanente Kopfhörerbeschallung. Bei Geräten mit Kopfhörern raten wir zu lärmbegrenzenden Modellen, die leider nicht sehr beliebt sind, weil sie nicht so gut klingen wie jene mit viel Hochfrequenz. Kopfhörer von Smartphones haben oft bis zu 20.000 Hertz. Das ist wirklich hörschädigend!

Wie macht sich ein Hörverlust bemerkbar?
Wir verlieren zuerst das Gehör im Hochfrequenzbereich und dann breitet sich die Schwerhörigkeit auf andere Bereich aus. Das wird oft nicht sofort bemerkt, weil die Menschen einfach alles noch lauter stellen. Man ist auf das Smartphone fixiert und überhört den Rest der Welt.

Wie hängen Gehör und Gehirn zusammen?
Was sich da im Gehirn genau abspielt, das weiß man nicht. Wir wissen auch nicht, warum es manchen schwerfällt, sich bei Lärm zu konzentrieren, anderen wiederrum nicht. Es scheint auch einen Zusammenhang zwischen Hörschäden und Demenzerkrankungen wie Alzheimer zu geben. Es ist generell schwer zu sagen, wie sich Lärmschäden auswirken. Manche haben einen Hörsturz und werden taub, andere erholen sich wieder davon.

Wie kann man sein Gehör regenerieren?
Wir regenerieren in der Stille. Aber das Gehör wird nicht besser, es wird nur nicht weiter geschädigt. Ein geschädigtes Ohr kann sich nicht regenerieren. Der Mensch hört auch nicht besser, er hört nur deshalb zum Beispiel das Zwitschern der Vögel oder den Wind wieder, weil der Umgebungslärm nicht so laut ist.

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