Starke Knochen – ein Leben lang

Ausgabe 2017.07-08

Starke Knochen geben uns im Leben Halt. Doch immer mehr Menschen leiden unter der Volkskrankheit Osteoporose. Wir zeigen, wie Sie Ihre Knochen fit halten können!


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Osteoporose gehört laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einer der zehn größten Volkskrankheiten und ist die häufigste Knochenerkrankung im Alter. Etwa 700.000 Menschen in Österreich leiden darunter bzw. haben ein erhöhtes Risiko. Ein Drittel aller Frauen nach dem Wechsel und sogar zwei Drittel aller Frauen über 80 Jahre sind betroffen. Aber auch Männer können erkranken. Das Verhältnis Frauen zu Männer liegt etwa bei 3:1. Wir stellen uns unsere Knochen meistens als statische, starre Gebilde vor. So ist es aber nicht. Denn damit sie sich optimal auf ihre tägliche Schwerstarbeit einstellen können, muss in ihrem Inneren ein perfekt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) und Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) stattfinden. Ist dieses gestört, wird mehr Knochenmasse abgebaut, als neu gebildet werden kann, und wir sprechen von der Stoffwechselerkrankung Osteoporose. Durch den Abbau der Knochensubstanz lässt die Belastbarkeit der Knochen nach, sie werden immer poröser und das Risiko für Knochenbrüche steigt.

Gute und schlechte Lebens­mittel bei Osteoporose

Knochen benötigen Kalzium, das über die Nahrung zugeführt werden kann. Hier einige Tipps.

Empfehlenswert
• Milchprodukte (Joghurt, Käse)
• Sojaprodukte (mit Kalzium angereichert) und Hülsenfrüchte
• Pseudogetreide (z. B. Quinoa, Amaranth)
• Grünes Gemüse (z. B. Broccoli, Okraschoten, Lauch, Fenchel, Sellerie, Kohl)
• Samen und Nüsse (z. B. Sesam, Chiasamen, Mohn, Para- und Haselnüsse)
• Kräuter (z. B. Petersilie, Dill)
• Trinken Sie genügend Wasser! Achten Sie auf die Inhaltsstoffe bei Mineralwasser  

Lieber nicht Vermeiden Sie diese Kalziumräuber:
• Oxalsäure (in Spinat, Mangold, Rhabarber, Paradeisern, Kakao und Schokolade)
• Ballaststoffe (Phytinsäure – in der Außenhaut des Korns)
• Phosphate (in Fleisch, Wurst, Schmelzkäse, E-Zusatzstoffen)
• Koffein
• erhöhte Salzzufuhr

Detaillierte Informationen finden Sie unter www.aktiongesundeknochen.at bzw www.osd-ev.org/osteoporose

Heimtückisch. Unser Skelett ist im Laufe unseres Lebens ständig Veränderungen ausgesetzt. Schon die Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft und Stillzeit spielt eine wichtige Rolle. Bei der Wachstumphase in Kindheit und Jugend überwiegt die Knochenneubildung, etwa zum 35. Lebensjahr ist die größte Knochendichte erreicht. Sie ist bei Männern meist höher als bei Frauen. Bei beiden Geschlechtern kommt es aber im Laufe der weiteren Lebensjahre zu einem kontinuierlichen Rückgang der Knochenmasse um 0,5 bis 1 Prozent pro Jahr, bei Osteoporosekranken sogar bis zu 6 Prozent. Osteoporose verläuft zunächst völlig symptomlos und macht sich erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium bemerkbar. Daher wird sie noch immer unterschätzt und zu wenig beachtet. Zu den Symptomen zählen Frakturen von Oberschenkelhals, Handgelenk und Wirbelkörpern, Rückenschmerzen sowie Größenverlust. Experten schätzen, dass es weltweit etwa alle 3 Sekunden zu einem Knochenbruch aufgrund von Osteoporose kommt. Ein deutliches Zeichen einer manifesten Osteoporose ist der sogenannte Witwenbuckel oder Rundrücken – eine Verkrümmung der Wirbelsäule durch das Zusammensacken der Wirbelkörper oder durch Wirbeleinbrüche. Weniger als 25 Prozent der Osteoporose-Betroffenen werden rechtzeitig, ausreichend und richtig behandelt, zeigen Studien. Daher sollte sich jeder in der zweiten Lebenshälfte in seinem eigenen Interesse informieren und vorsorglich untersuchen lassen. „Frauen werden am häufigsten nach den Wechseljahren vom Gynäkologen zur Knochendichtemessung geschickt. Aber eigentlich sollten Hausärzte bei allen Patienten ab einem gewissen Alter dies tun. Oftmals denken auch Orthopäden an Osteoporose, wenn Knochenbrüche in keiner Relation zum Trauma stehen“, erklärt Dr. Axel Gebauer, Röntgenologe im Institut „Röntgen am Ring“ in Baden. Das am weitesten verbreitete Verfahren zur Knochendichtemessung ist die von der WHO als Standardmethode empfohlene Dual-Röntgen-Absorptiometrie DXA. Dabei werden zwei Röntgenstrahlen von unterschiedlicher Intensität durch den Körper geschickt und aus der absorbierten Strahlenmenge kann der Mineralgehalt des Knochens errechnet werden. Gemessen wird an der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkelhals – also an jenen Stellen, an denen Knochenbrüche am häufigsten auftreten. „Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, hat eine hohe Präzision und bringt für den Patienten eine minimale Strahlenbelastung“, erklärt Dr. Gebauer. „Darüber hinaus gibt es mit ,FRAX-Score‘ eine zusätzliche Hilfestellung zur Einschätzung der Osteoporosegefahr. Dabei gibt man Alter, Gewicht, DXA-Messwerte und Geschlecht eines Patienten in ein spezielles Programm ein, welches das Risiko einer Fraktur von Hüfte, Schenkelhals, Ober- und Unterschenkel errechnet.“  


 

Achtung, Risiko! Bei der Entstehung von Osteoporose spielen Alter, Geschlecht und Erbanlagen eine große Rolle. Dazu kommen bestimmte Lebensweisen und Erkrankungen, die den Knochenschwund auslösen bzw. verstärken können. Dr. Gebauer: „Zu den Risikogruppen für Osteoporose gehören Frauen ab der Menopause, männliche und weibliche Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen wie z. B. Asthmatiker und Rheumatiker, die über lange Zeit Cortison einnehmen müssen. Auch Frauen mit Brustkrebs, die bestimmte, die Knochen schädigende Medikamente einnehmen müssen oder Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen und dadurch bedingten Resorptionsstörungen, aber auch Dialysepatienten sind gefährdet. Nicht zu vergessen ist die Risikogruppe der Raucher!“ An Osteoporose sollten alle Menschen denken, die nach dem 50. Lebensjahr Knochenbrüche erleiden, eine bekannte Osteoporose innerhalb Der Familie oder eine Schilddrüsenüberfunktion haben.

Doch eine Frauenkrankheit? Ja, aber nicht nur: 80 Prozent aller Osteoporosen betreffen Frauen nach dem Wechsel, aber bei Männern tritt sie ab dem 70. Lebensjahr fast genauso häufig auf. In der Regel manifestiert sie sich bei Frauen nach dem 45. und bei Männern ab dem 55. Lebensjahr. Grundsätzlich steht Osteoporose bei den Frauenkrankheiten aber an erster Stelle: Es sind mehr Frauen von Osteoporose-bedingten Knochenbrüchen betroffen als von Brustkrebs, Schlaganfall und Herzinfarkt zusammen. Das Risiko einer 50-jährigen Frau, an den Folgen einer Schenkelhalsfraktur zu sterben, gleicht dem Mortalitätsrisiko bei Brustkrebs. Dr. Gebauer empfiehlt allen Frauen: „Wenn Sie keiner Risikogruppe angehören, sollten Sie am Beginn der Menopause zu einer ersten Knochendichteuntersuchung gehen. Nach zwei Jahren sollte sie wiederholt werden, denn selbst wenn beim ersten Mal nichts auf Osteoporose hinweist, gibt es die sogenannten „fast loser“, das sind Menschen, die ganz plötzlich sehr viel Knochenmasse verlieren. Ist auch bei der zweiten Untersuchung alles in Ordnung, genügen Kontrollen alle drei bis fünf Jahre. Gibt es in Ihrer Familie aber Fälle von Osteoporose, setzt sich das zumeist auch in den nachfolgenden Generationen fort. Dann empfehle ich eine jährliche Kontrolle.“ Grundsätzlich ist Osteoporose bis heute nicht vollständig heilbar – durch die richtige Behandlung und die notwendige Eigenverantwortung kann ihr Fortschreiten aber verzögert werden. Dr. Gebauer beruhigt alle Betroffenen: „Ist man an Osteoporose erkrankt, gibt es hochpotente Medikamente, die von Spezialisten verordnet werden. Wichtig ist aber die Prävention! Kein Alkohol, nicht rauchen, viel Bewegung, ausgewogene Ernährung. All das hilft, aber wenn die Anlage vorhanden ist, kann man Osteoporose nicht verhindern und muss sie medikamentös behandeln.“

Vorbeugen durch Ernährung und Bewegung. Die gute Nachricht: Jeder kann aktiv etwas für seine Knochen tun und damit Osteoporose vorbeugen. Durch gesunde Ernährung mit ausreichender Kalziumzufuhr, genügend Proteinen, Mineralstoffen und Vitaminen verbunden mit viel körperlicher Aktivität kann ein gesunder, kräftiger Knochen aufgebaut und erhalten werden. Wichtig sind auch Spurenelemente wie z. B. Vitamin K, Magnesium, Zink und Carotinoide. Um Kalzium gut verwerten zu können, braucht der Körper ausreichend Vitamin D. Es wird bei Sonneneinstrahlung auf die Haut vom Körper selbst gebildet, aber auch mit der Nahrung (z. B. Fettfisch) aufgenommen oder medikamentös zugeführt. „Am wichtigsten ist Bewegung“, ist Heilmasseur Claus dal Sasso überzeugt. „Knochen brauchen den Wechsel zwischen Zug und Druck, das fördert ihren Stoffwechsel und hält sie gesund. Am besten ist es, jeden Tag 10.000 Schritte zu gehen, das sind etwa zwei Stunden. Mit einem Schrittmesser hat man dabei auch ein Erfolgserlebnis. Man kann auch laufen, nordic walken oder reiten. Schwimmen oder Radfahren sind nicht geeignet, weil die Knochen dabei nicht genug belastet werden.“ Für Menschen, die wenig Zeit haben, rät der Fachmann: „Stellen Sie sich ein kleines Trampolin ins Wohnzimmer vor den Fernseher und hüpfen Sie jeden Tag.“

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