Donnerstag, 23. Mai 2019

Sport und Bewegung: Alltagstauglich

28. April 2006
Fit? In Österreich treiben etwa 60 % der Bevölkerung nur ein bis zwei Mal pro Monat Sport und gelten daher als "sportlich inaktiv". 22 % betätigen sich zumindest ein bis zwei Mal pro Woche sportlich, sind daher "moderat aktiv", und nur 18 % der Österreicher sind sportlich "hoch aktiv", das heißt sie betreiben drei Mal pro Woche Sport. Österreich ist damit eher ein Land der "Couchpotatoes" als der Sportbegeisterten. Dabei muss es nicht immer das Fitnessstudio, der Tennisplatz oder die Kraftkammer sein – mehr Bewegung in Alltagsaktivitäten einzubauen kann manchmal ebenso effektiv sein, wie ein strukturiertes Fitnessprogramm – und oft sogar nachhaltiger.

Bewegung hält gesund
Das zeigt sich allein an der Tatsache, dass in allen Altersstufen sportlich Aktive weniger Krankheitstage aufweisen und im Krankheitsfall weniger lange bettlägrig sind als Inaktive. Berufstätige zum Beispiel, die regelmäßig Sport betreiben haben im Schnitt um 20 % weniger Krankheitstage als sportlich Inaktive. Ein Argument, das auch Arbeitgeber dazu motivieren sollte, ihre Angestellten bei der Steigerung ihres Bewegungsumfanges zu unterstützen. Erfreulicherweise gibt es immer mehr Unternehmen, die dies auch tun. Sei es durch die Förderung von betriebsinternen Sportgruppen, durch die Möglichkeit eines Gymnastikraumes am Arbeitsplatz oder durch flexible Arbeitszeiten. Denn letztlich tragen fitte und gesunde Mitarbeiter langfristig zum Unternehmenserfolg bei.

Alltagsaktivitäten langfristig erfolgreicher
Dass "wenig viel hilft" zeigen Studien, wie zum Beispiel jene, in der die eine Versuchsgruppe 16 Wochen lang ihre Alltagsaktivitäten (Gartenarbeit, Treppe statt Lift, Gehen statt Autofahren, …) steigerte während die andere Gruppe ein herkömmliches Trainingsprogramm absolvierte. Das Ergebnis: Beide Gruppen waren gleich erfolgreich. Eine andere, ähnliche Studie belegte, dass in der Gruppe mit der verstärkten Alltagsaktivität zwar der Gewichtsverlust vergleichbar war mit jener, die das Fitnessprogramm absolvierte, dass aber der Anteil an verlorenem Körperfett in der ersten Gruppe höher war. Dazu kommt, dass ein Jahr nach Studienende die Personen der Alltagsaktivitätsgruppe ihr Gewicht im Wesentlichen gehalten hatten, jene der Trainingsgruppe allerdings 1,6 kg wieder zugenommen hatten. Das heißt nun nicht, dass Bewegungsprogramme weniger effektiv wären als eine Steigerung der Alltagsaktivität. Allerdings scheinen jene, die verstärkt Bewegung in ihren Alltag eingebaut hatten, die neuen Gewohnheiten eher beizubehalten, als jene, die ein strukturiertes Trainingsprogramm durchführen.

Was lernen wir daraus? Wann immer der Bewegungsumfang gesteigert werden soll, muss für eine nachhaltigere Wirkung immer auch versucht werden, die körperliche Aktivität bei Routinearbeiten im Alltag zu intensivieren. Denn was mit der Zeit in Gewohnheit übergeht, wird viel eher beibehalten, als Extraprogramme, die nicht in den gewohnten Tagesablauf passen.

Mythos Fettverbrennungsbereich
Im Zusammenhang mit Gewichtsreduktion ist immer wieder auch von einem "optimalen Fettverbrennungsbereich" beim Sport die Rede. Dieser soll im Ausdauerbereich liegen und die Fettverbrennung soll erst ab einer Belastungsdauer von 30 Minuten beginnen. Für die Praxis des Abspeckens stimmen jedoch beide Aussagen nicht.

Zwar ist der relative Anteil der Energiegewinnung aus Fett im niedrigen Intensitätsbereich höher, jedoch können durch intensiveres Training mengenmäßig mehr Fett bzw. mehr Kalorien verbrannt werden. Außerdem gilt auch hier das einfache Bilanzprinzip: Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Kalorienzufuhr und Kalorienverbrauch.

Ausdauer- UND Krafttraining zur Gewichtsreduktion
Auch der Irrglaube, dass nur Ausdauertraining bei der Gewichtsreduktion hilft, hält sich hartnäckig. Dabei ist gerade bei eher untrainierten Personen anfangs Krafttraining sehr effektiv, weil dadurch Muskelgewebe rascher aufgebaut werden kann. Der Vorteil? Muskelgewebe besitzt einen deutlich höheren Grundumsatz als anderes Gewebe. Das bedeutet, Muskeln verbrennen auch im Ruhezustand mehr Kalorien als z.B. Fettgewebe. Außerdem bewirkt intensives Krafttraining einen ausgeprägteren "Nachbrenneffekt" (erhöhte Fettverbrennung in Ruhe) als Ausdauertraining.

Aus welchen Gründen auch immer Sport betrieben wird – ob zur Gewichtsreduktion, zur Körperformung oder zur Steigerung des Wohlbefindens – eines gilt immer: Es muss Spaß machen! Denn nur dann haben neue Gewohnheiten die Chance, auch langfristig beibehalten zu werden. Und wie beim Essen gilt auch bei der Bewegung: Abwechslung ist wichtig. Alltagsaktivitäten, gezielte Kräftigungsübungen, Ausdauersportarten und Gesellschaftssport – erst der richtige Mix unterstützt sowohl die körperliche wie auch die seelische und soziale Gesundheit!



Quelle
forum.ernährung heute
www.forum-ernaehrung.at

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