Montag, 23. September 2019

Soll ich zur Grippeimpfung?

Ausgabe 2012/12-2013/01
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Sie kommt verlässlich wie der Wintereinbruch: die Grippe. Doch wer soll sich impfen lassen? Und hilft sie auch gegen Erkältungskrankheiten?

Foto: Can Stock Photo Inc. - wacker
Zahlreiche Viren verursachen in den Wintermonaten grippale Infekte. Sie sind lästig, aber im Vergleich zur „echten“ Grippe harmlos. „Sinken Temperatur und Luftfeuchtigkeit, erhöht sich die Löslichkeit der Keime. Sie bleiben länger in der Luft, dadurch steigt die Ansteckungsgefahr“, erklärt Infektiologe Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch aus Wien. Zahlreiche Hausmittel helfen – vor allem vorbeugend. Eine ausgewogene Ernährung sorgt für die Versorgung mit Zink und Vitamin C. Letzteres ist nicht nur in Zitrusfrüchten, sondern auch in Kohl und Kraut enthalten – vorausgesetzt, es ist frisch und wird nicht zu lange gekocht. Neben einer gesunden Ernährung braucht unser Immunsystem ausreichend Schlaf und Bewegung. Falls Sie sich nicht zum Wintersport motivieren können, versuchen Sie, regelmäßig spazieren zu gehen, z. B. in der Mittagspause. Der Körper braucht eine gewisse Mindestmenge an Sonnenlicht, um Vitamin D zu produzieren, welches ebenfalls das Immunsystem unterstützt. Auf das Rauchen sollten Sie verzichten, denn: „Rauchen reduziert die Durchblutung  der Schleimhäute. Bakterien und Viren bleiben leichter an ihnen haften“, so Wenisch. Ein feuchtes Raumklima – am besten mittels feuchter Tücher auf den Heizkörpern und regelmäßigem Stoßlüften erzielt – erschwert Viren das Eindringen in die Schleimhäute. Luftbefeuchter hingegen sind nach kürzester Zeit Virenreservoirs. Versuchen Sie weiters, Menschenansammlungen zu meiden oder sich zumindest öfter als sonst die Hände mit Seife zu waschen. Auch der regelmäßige Besuch von Sauna und Infrarot-Kabinen ist empfehlenswert. Die langwelligen Infrarotstrahlen erwärmen das Blut von innen und sorgen so für ein „künstliches Fieber“, das Krankheitserreger abtötet. Hat man sich trotz aller Vorsicht eine Erkältung eingefangen, rät Wenisch, ins Bett zu gehen und sich auszukurieren, denn: „Schlafen ist die beste Medizin.“ Die vorschnelle Einnahme von Antibiotika ist bei grippalen Infekten wirkungslos. Wichtig ist, viel zu trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten und die Ausscheidung von Krankheitserregern zu fördern. Bei hohem Fieber, starken Schmerzen oder wenn die Symptome länger als eine Woche anhalten, sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt.

Antibiotika und Grippe
Antibiotika sind bei Grippe wirkungslos.
Antibiotika sind nur gegen bakterielle Infektionen wirksam. Sie wirken nicht gegen Viren (einschließlich Grippeviren!). Falsche Antibiotikaeinnahme begünstigt Nebenwirkungen (wie Durchfall) und Antibiotikaresistenzen von Bakterien. Das bedeutet, dass Antibiotika bei einer weiteren Infektion möglicherweise nicht mehr wirken. Es gibt Komplikationen einer Grippe (wie z. B. eine bakterielle Lungenentzündung), gegen die Antibiotika notwendig sind. Die Diagnose, ob eine bakterielle Infektion vorliegt, muss allerdings der Arzt treffen.


Grippe, die unterschätzte Gefahr. Im Gegensatz zu grippalen Infekten ist die „echte“ Grippe, ausgelöst durch Influenzaviren, eine schwere Erkrankung. Bei immungeschwächten oder älteren Menschen kann sie sogar tödlich verlaufen. „In Österreich sterben pro Jahr über tausend Personen an Grippe“, gibt Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze, Leiter des Instituts für Sozialmedizin in Wien, zu bedenken. In der Inkubationszeit von ein bis fünf Tagen vermehren sich die Influenzaviren in den Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raums. Danach setzen plötzlich Fieber (bis 41 °C), eitriger Schnupfen sowie Hals-, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen ein. Bei Kindern können diese bis hin zur Gehunfähigkeit führen. Gefährlich sind auch bakterielle Zweitinfektionen, sogenannte Superinfektionen. Davon spricht man, wenn andere Krankheitserreger wie z. B. Bakterien die Schwäche des Körpers ausnützen und gleichzeitig oder kurz nach einer Virusinfektion innere Organe befallen. Gefährlich sind besonders der Befall von Herz, Lunge und Gehirn. So können sich „übersehene“ Bakterien z. B. auf den Herzklappen ansiedeln und auch bei jungen, fitten Menschen zu Herzproblemen mit tödlichem Ausgang führen. Wichtig ist daher, eine „echte“ Grippe immer beim Arzt behandeln zu lasen, gut auszukurieren und bis zum Abklingen der Symptome strikte Bettruhe einzuhalten.

So wird der Influenza-Impfstoff hergestellt
Jedes Jahr gibt es einen neuen Impfstoff.
Im Februar des jeweiligen Jahres entscheidet die WHO über die Zusammensetzung des saisonalen Winter-Impfstoffes. Die Herstellung des Impfstoffes dauert ca. sechs Monate, der fertige Impfstoff liegt im Juni/Juli vor und wird jährlichen klinischen Studien unterzogen. Es handelt sich um eine „Totimpfung“, das bedeutet, dass nicht die lebenden Krankheitserreger, sondern nur Teile davon geimpft werden. Das Immunsystem wird dabei quasi mit dem Erreger bekannt gemacht. Im Fall einer echten Infektion erkennen die Gedächtniszellen des Immunsystems die unerwünschten Eindringlinge rascher und können sie effizienter bekämpfen.


Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Soll ich zur Grippeimpfung?
Seite 2 Impfen schützt

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