Dienstag, 19. Februar 2019

Sodbrennen muss nicht sein!

Ausgabe 2017.12/2018.01

Gerade zu den Feiertagen gilt: Völlerei kann sich auf den Magen schlagen! Rund ein Drittel aller Österreicher leidet nach üppigen Mahlzeiten unter Sodbrennen. Was können Sie dagegen tun?


Foto: iStock-Tharakorn

Der menschliche Körper produziert täglich etwa zwei bis drei Liter Magensaft. Dieser enthält neben Wasser, Schleim und eiweißspaltenden Enzymen auch Salzsäure. „Die Aufgaben des Magensaftes bestehen darin, die aufgenommene Nahrung durch Aufspaltung zu Speisebrei zu verarbeiten sowie schädliche Mikroorganismen wie Bakterien, Viren oder Pilze abzuwehren“, erklärt Dr. Marie-Claire Meehan, Fachärztin für innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie aus Wien. „Deshalb ist der Magensaft mit einem pH-Wert von 0,8 bis 1,5 auch sehr sauer.“

Erste Hilfe bei Sodbrennen

Bei Sodbrennen haben sich folgende Hausmittel bewährt:

• Warmes, nicht kohlensäurehältiges Wasser schluckweise trinken.
• Ein Stück Brot gut kauen – das bindet die Säure.
• Ebenfalls nützlich sind gut gekaute Mandeln. Den Brei langsam schlucken.
• Ein Stück rohen Erdapfel kauen oder Erdäpfelsaft trinken. Erdäpfel sind stark basisch und wirken deshalb entsäuernd und beruhigend auf den Magen.
• 1 TL Natron oder Heilerde in warmes Wasser einrühren und trinken.
Oberkörper hochlagern, nicht flach hinlegen.
• Hose, Rock und Gürtel lockern.

Wie entsteht Sodbrennen? Bevor der Speisebrei jedoch in den Magen gelangt, fließt er durch die ca. 25 cm lange Speiseröhre. „Am Mageneingang befindet sich ein Schließmuskel, der sogenannte Ösophagussphinkter. Dieser gleicht einem Ventil, das beim Schluckvorgang erschlafft und sich zum Magen hin öffnet. Der Inhalt der Speiseröhre kann somit in den Magen fließen“, so Dr. Meehan weiter. „Im Normalfall ist der Ösophagussphinkter fest verschlossen. Wenn das Ventil jedoch leckt, kann Magensaft in die Speiseröhre gelangen oder Speisebrei zurückfließen. Auslöser für einen undichten Sphinkter sind beispielsweise ein Zwerchfellbruch, ein Druck durch Übergewicht, hastiges, üppiges Essen, eine Schwangerschaft oder ein zu schnelles Bücken.“ Wenn nun der Magensaft und Teile des Speisebreis aus dem Magen in die Speiseröhre zurückfließen, kommt es zu einer Reizung der Schleimhäute und somit zu einem sogenannten Reflux. Eines der Hauptsymptome der gastroösophagealen Refluxerkrankung, kurz GERD genannt, ist das Sodbrennen. „Oft tritt das Sodbrennen mit weiteren Reflux-Symptomen auf. Dazu zählen unter anderem ein saures Aufstoßen, der Rückfluss von Mageninhalt bis in den Rachen- und Mundbereich sowie Druckschmerzen hinter dem Brustbein. Zudem kann Magensäure vom Mundbereich in die Luftröhre gelangen, was zu einem starken Husten und Heiserkeit führen kann“, kennt Dr. Meehan die Beschwerden der Betroffenen. „Besonders nach fetten, üppigen Mahlzeiten, kombiniert mit Alkoholgenuss leiden viele Menschen an diesen gesundheitlichen Problemen. Je größer die Mahlzeit, umso höher das Risiko, dass Speisebrei in die Speiseröhre zurückfließt.“  Wenn das Sodbrennen mehrmals in der Woche auftritt oder länger als drei Wochen anhält, sollten Betroffene unbedingt den Arzt aufsuchen.

Diagnose. „Für die sichere Diagnosestellung sowie zur Beurteilung allfälliger Schleimhautschäden wird in der Regel eine endoskopische Untersuchung (Spiegelung) der Speiseröhre im Rahmen einer Gastroskopie durchgeführt. Ein zusätzliches diagnostisches Instrument ist die sogenannte Impedanz-pH-Metrie. Dabei wird ein sehr dünner Plastikschlauch durch ein Nasenloch ans untere Ende der Speiseröhre gelegt. Über diesen Katheter, der mit einem tragbaren Aufzeichnungsgerät verbunden ist, wird in der Folge über zwölf bzw. 24 Stunden hinweg der pH-Wert gemessen. Die Patienten dürfen während dieser Zeit ganz normal essen, trinken und ihren alltäglichen Verrichtungen nachgehen. Sie sind aber angehalten, ihre Tätigkeiten und ihre Beschwerden zu protokollieren. So lässt sich genau feststellen, wann und in welchem Zusammenhang der Reflux auftritt“, erklärt  Fachärztin Dr. Meehan die gängigsten Untersuchungsmethoden.

Was tun? Dr. Meehan hat für GESÜNDER LEBEN die wichtigsten Allgemeinmaßnahmen sowie medikamentöse und operative Therapiemöglichkeiten zusammengestellt: „Menschen, die häufiger unter Sodbrennen leiden, sollten keine großen, sondern eher mehrere kleine fett- und kohlenhydratarme Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen. Dabei immer gründlich kauen und langsam essen; auf Weißwein und hochprozentige Spirituosen verzichten sowie Zucker, Schokolade, Kaffee und Kohlensäure reduzieren. Eine Gewichtsabnahme bei Übergewicht ist genauso ratsam wie Stressvermeidung. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine Reflux-erkrankung auch medikamentös, z. B. mit einem Antazidum (Arzneimittel zur Neutralisierung der Magensäure) oder Säureblockern behandelt werden. Im schlimmsten Fall wird eine sogenannte Fundoplikatio durchgeführt. Mithilfe des chirurgischen Eingriffs verhindert man den Rückfluss (Reflux) von Mageninhalt in die Speiseröhre.“
Zu guter Letzt hilft ein kleiner Spaziergang nach dem Essen die Verdauung anzuregen. Dabei empfiehlt es sich, bequeme Kleidung zu tragen, da enge Hosen, Röcke oder Gürtel Druck auf den Magen ausüben und dadurch ein erhöhtes Risiko besteht, dass der Mageninhalt nach oben in die Speiseröhre gepresst wird.

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