Freitag, 15. Februar 2019

So wird Ihre Leber wieder fit

Ausgabe 2013/10

Abgeschlagenheit und Müdigkeit kann auf ein Leberleiden – etwa eine Fettleber – hindeuten. So bringen Sie Ihre Leber wieder in Schwung!


Foto: Can Stock Photo Inc. - CITAlliance

 Die Leber besitzt eine erstaunliche Fähigkeit: Sie kann sich regenerieren. Selbst wenn zwei Drittel entfernt wurden (z. B. wegen eines Abszesses, einer Zyste oder eines Tumors), kann der gesunde Rest die Aufgaben des ganzen Organs erfüllen. Und diese sind beachtlich! So gehört etwa die Produktion der für die Verdauung unerlässlichen Gallenflüssigkeit dazu, die die Fette aus der Nahrung emulgiert, sodass diese zusammen mit fettlöslichen Vitaminen von der Darmschleimhaut aufgenommen werden können. Nicht zu vergessen die Entgiftungsfunktion: Vereinfacht gesagt, reinigt die Leber das Blut, um danach die verdaulichen Stoffe aufzunehmen, Eiweiß in körpereigenes Eiweiß umzubauen und Zucker einzulagern. Die Nährstoffe werden dann zu den Körperzellen transportiert und Abfallprodukte über Galle und Harn ausgeschieden. Außerdem bildet die Leber unter anderem Ausgangsstoffe für Sexualhormone und speichert Eisen und Vitamine.
 
Still und heimlich. „Die Leber selbst hat ein sehr geringes Schmerzempfinden, daher sind Erkrankungen der Leber nur in den wenigsten Fällen spürbar“, weiß Dr. Gerd Bodlaj, Facharzt für Innere Medizin – Gastroenterologie und Hepatologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien. Das häufigste Symptom ist Müdigkeit – zugegeben: ein sehr unspezifisches Symptom. Trotzdem rät Bodlaj: „Wenn es sich um ein Gefühl totaler Erschöpfung handelt, ein Gefühl, nicht mehr leistungsfähig zu sein, sollte man auch an eine Lebererkrankung denken.“ Dass Mediziner die Müdigkeit als den Schmerz der Leber bezeichnen, hängt mit ihren zahlreichen und vor allem wichtigen Funktionen zusammen: Ist die Leber krank, ist auch der Energiestoffwechsel gestört. Allein: Das passiert nicht von heute auf morgen, sondern oft über viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Die Schädigungen verlaufen also im mikroskopischen Bereich, was folglich keine Schmerzen verursacht. Hingegen machen sich akute Leberschädigungen häufig früher bemerkbar. So kann etwa eine Gelbsucht auf Hepatitis oder Gallensteine hindeuten, wobei Letztere mitunter auch massive Beschwerden verursachen können, zum Beispiel, wenn sie im Gallengang stecken bleiben.

Hepatitis – das sollten Sie wissen!

Hepatitis ist eine Leberentzündung, ausgelöst durch Viren, Bakterien, Parasiten oder Medikamente. Der Beginn einer akuten Hepatitis gleicht meist einer Grippe mit extremer Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und in manchen Fällen einer gewissen Abneigung gegenüber Fett, Fleisch und Alkohol. Zuweilen treten Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen und Fieber auf. Im Laufe der Krankheit können sich Haut und Augen gelb färben, der Urin wird dunkel und der Stuhl entfärbt sich. Behandelt wird je nach Ursache, in manchen Fällen wie bei Hepatitis A rein symptomatisch. Meist geht die akute Erkrankung hier innerhalb von drei bis sechs Wochen von selbst wieder zurück. Allerdings kann es mitunter vorkommen, dass eine Virusinfektion völlig symptomlos verläuft, was die Ansteckungsgefahr freilich erhöht. „Die häufigste Form der chronischen Hepatitis in Österreich ist die Hepatitis C. Es wird angenommen, dass zwischen 0,7 und 1 Prozent der Österreicher infiziert sind“, erklärt Leberexperte Dr. Gerd Bodlaj. Das Problem: Bei der Übertragung verursacht Hepatitis C meist keine Beschwerden, und oft wird die Krankheit erst sehr viel, unter Umständen sogar Jahrzehnte später entdeckt. Sowohl Hepatitis C als auch Hepatitis B können einen chronischen Verlauf nehmen – im Gegensatz zur Hepatitis A, die sich im Akutstadium oft durch eingangs erwähnte Symptome bemerkbar macht.

Vorsicht, Fettleber! Die häufigste Erkrankung ist allerdings die Fettleber, die einerseits die Folge einer Leberschädigung sein kann – beispielsweise ausgelöst durch Alkohol, Medikamente oder kohlenhydratreiche Ernährung. Andererseits komme die Fettleber ebenso bei vermeintlich gesunden Menschen relativ häufig vor, so der Leberexperte: „Das hängt unter anderem mit dem Alter zusammen bzw. mit Erkrankungen, die im Alter zunehmen (z. B. Altersdiabetes). Ein weiterer Faktor, der die Fettleber begünstigt, ist die Gewichtszunahme, wobei auch hier das Alter manchmal eine Rolle spielt, tendieren doch viele Menschen dazu, mit den Jahren an Gewicht zuzulegen.“ Dabei gilt es aber, zwischen einer reinen Fettleber und einer Fettleber mit Entzündung – auch Nichtalkoholische Fettleberhepatitis (kurz NASH) genannt – zu unterscheiden. Während nämlich Erstere zu keinen großen Einschränkungen bzw. Beschwerden führt, kann Zweitere über die Jahre nicht nur zu einer Leberzirrhose (Vernarbung der gesamten Leber) führen, sondern erhöht auch das Risiko für Altersdiabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs.

Gar nicht süß. Warum und wie es dazu kommt, sei ein Gebiet, das seit einigen Jahren sehr stark beforscht werde, so Bodlaj: „Die genauen Zusammenhänge sind teilweise noch unbekannt. Allerdings wird davon ausgegangen, dass sowohl genetische Faktoren eine Rolle spielen, als auch der bisweilen erhebliche Fruktosekonsum.“ Fruktose bzw. Fruchtzucker ist ein beliebtes Süßungsmittel, das lange Zeit zum Süßen diätischer Lebensmittel empfohlen wurde. Mittlerweile weiß man jedoch, dass Fruktose aus ernährungsmedizinischer Sicht nicht sinnvoll ist, da sich eine erhöhte Fruktoseaufnahme ungünstig auf den Stoffwechsel auswirkt und Übergewicht bzw. Adipositas sowie die Entwicklung des metabolischen Syndroms begünstigt. Nichtsdestotrotz findet sich Fruktose immer noch in zahlreichen Lebensmitteln und vor allem in Getränken. Und selbstverständlich als natürlicher Stoff in Obst – daher sollte man bei sehr süßem Obst (z. B. Erdbeeren oder Weintrauben) mit Maß und Ziel zugreifen. Dies gilt insbesondere für Menschen, die unter einer Lebererkrankung bzw. eben einer Fettleber leiden – ob mit oder ohne Entzündung, nicht zuletzt weil auch bei einer bisher reinen Fettleber laut Hepatologen Bodlaj zusätzlich eine Entzündung entstehen kann.

Gesünder leben. Wie so oft spielt der gesunde Lebensstil eine entscheidende Rolle. Im Hinblick auf die Leber sei jedoch die Tatsache hervorgehoben, dass ausgewogene Ernährung und körperliche Betätigung nicht nur vorbeugend hervorragende Leistungen vollbringen können, sondern dass diese Kombination auch bei der Behandlung von Fettlebererkrankungen das „Mittel der Wahl“ darstellt. Ernähren Sie sich daher kalorienreduziert und meiden Sie schnell resorbierbare Kohlenhydrate. Versuchen Sie, auf Fruktose zu verzichten, essen Sie nur ab und zu Fleisch und regelmäßig Gemüse und Fisch sowie gute Fette (das heißt: reduzieren Sie den Anteil gesättigter Fettsäuren und erhöhen Sie jenen von mehrfach ungesättigten Fettsäuren), und betrachten Sie Alkohol als Genussmittel, dem Sie nur von Zeit zu Zeit frönen. Und: Nehmen Sie die Gesundheit Ihrer Leber im wahrsten Sinne des Wortes aktiv in die Hand.

 

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