Sonntag, 19. November 2017

So schlagen Herzen höher!

Ausgabe 2017.09

Mit dem transfemoralen kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI) können Kardiologen und Chirurgen betroffenen Patienten ein schonendes Operationsverfahren an­bieten, um eine defekte Herzklappe zu ersetzen.


Foto: iStock-Lars Neumann

Herzklappenfehler können lange Zeit unbemerkt bleiben: Ihre Warnzeichen wie ein viel zu rasch ansteigender Puls beim Treppensteigen, Atemprobleme oder eine geringere physische Leistungsfähigkeit werden gerne dem Älterwerden zugeschrieben. So bleibt die Erkrankung oft über Jahrzehnte unerkannt, sorgt für weitere Beschwerden wie beispielsweise Schwindel, Brustschmerzen, nächtliche Hustenanfälle oder unregelmäßige Herzschläge und führt nicht zuletzt zu dauerhaften Herzschäden.

Zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen in der westlichen Welt zählt die sogenannte Aortenklappen-stenose, also eine Verengung der Aortenklappe, die zwischen der linken Herzkammer und der Körperschlagader (Aorta) sitzt. Genaue Daten aus Österreich gibt es nicht, aber international schätzt man eine Prävalenz von zwei bis sechs Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre.

Meist entsteht diese Verengung durch Verkalkungen, die durch einen ungesunden Lebensstil gefördert werden. Die Folge: Die Klappe kann sich nicht mehr richtig öffnen und der Blutfluss wird behindert. Das Herz muss stärker schlagen, um genug Blut in Lunge oder Körperkreislauf zu pumpen. Dies kann zu einer Vergrößerung des Herzmuskels und zu einer Herzschwäche führen, die sich in Form von Atemnot, Engegefühl in der Brust oder auch plötzlicher Bewusstlosigkeit bemerkbar macht.

Operativer Meilenstein. Wenn das Herz durch einen Herzklappenfehler stark belastet wird oder sich der Fehler noch verschlimmert, kann eine Operation die beste Behandlung sein. Sollte sich die geschädigte Klappe nicht mehr reparieren lassen, kann der Ersatz durch eine künstliche Herzklappe in Erwägung gezogen werden. „Hier ist in den letzten Jahren dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Chirurgen viel passiert“, stellt Univ.-Prof. Dr. Irene Lang, stellvertretende Leiterin der Klinischen Abteilung für Kardiologie am Wiener AKH fest. „Mit dem transfemoralen kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI) wurde seit 2002 mit einer Pionierleistung von Prof. Alain Cribier im Hôpital Charles-Nicolle ein minimalinvasives operatives Verfahren entwickelt, bei dem die zusammengefaltete Ersatzklappenprothese mithilfe eines Ballonkatheters über eine Leistenschlagader bis zum Herzen vorgebracht, dort implantiert und entfaltet wird. Dadurch muss der Brustkorb nicht mehr wie in vergangenen Zeiten zwangsläufig geöffnet und das Herz stillgelegt werden. Die Operation, die nur einen kleinen Schnitt in der Leiste erfordert, wird am schlagenden Herzen durchgeführt. Dadurch ist der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine nicht mehr notwendig.“

Die erkrankte Aortenklappe wird durch das TAVI-Verfahren an den Rand der Aorta verdrängt; die Prothese wiederum ist nach dem Entfernen des Ballonkatheters sofort funktionsfähig und nimmt ihre Tätigkeit gleich auf.

Geringe Belastung. Der Eingriff dauert etwa 40 Minuten. Nach einem stationären Aufenthalt von etwa fünf Tagen
können die Betroffenen das Spital verlassen. Vor allem für Risikopatienten wie ältere Menschen oder Personen mit Begleiterkrankungen, denen man eine herkömmliche Herzklappenoperation aufgrund der hohen Belastung nicht mehr zumuten kann, birgt diese schonende Therapieoption einen neuen Hoffnungsschimmer – seit 2008 auch in Österreich. Der Eingriff nimmt jährlich zu, 2016 wurden in Österreich 788 transfemorale Aortenklappenersatz-Eingriffe durchgeführt. „Welche Operationsmethode, ob chirurgisch oder interventionell, letztendlich zum Einsatz kommt, entscheidet immer das HEART-Team“, betont Lang. „Schließlich muss immer kompetent abgewogen werden, für wen sich das neue Verfahren tatsächlich eignet.“

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