Freitag, 22. Februar 2019

So halten Sie Ihre Knochen fit!

Ausgabe 2012/12-2013/01
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Poröse Knochen, abgenützte Gelenke und ausgetretene Bandscheiben lassen uns mitunter schmerzerfüllt erstarren. Dabei sollten wir gerade dann in Bewegung kommen. GESÜNDER LEBEN hat Experten – sowohl der Schul- als auch der Traditionellen Chinesischen Medizin –befragt.

Foto: Can Stock Photo Inc. - bds Knochen bieten Schutz für Organe und Gehirn. Sie tragen uns und sind über Gelenke und Sehnen mit den Muskeln verbunden, wodurch Bewegung erst ermöglicht wird. Sowohl die (westliche) Schulmedizin als auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist sich dieses Zusammenspiels bewusst. Und wenngleich es die eine oder andere unterschiedliche Ansichtsweise gibt, ist man sich darin einig, dass Bewegung, Ernährung und ganz allgemein der Lebensstil wesentlich zur Gesundheit der Knochen und Gelenke beitragen.

Müde Knochen. Osteoporose beschreibt den Verlust an Knochensubstanz und Knochenqualität, der letztlich zu einem Knochenbruch ohne adäquates Trauma führt. So weit die Definition. Doch: Was macht den Knochen müde? Was raubt ihm seine biomechanische Qualität? Neben der genetischen Veranlagung oder der Tatsache, dass Krankheiten (z. B. Essstörungen, Nierenprobleme, Diabetes) oder Medikamente (z. B. Cortison) das Knochengerüst schwächen können, wird insbesondere der Östrogenverlust während der Menopause dafür verantwortlich gemacht. „Östrogen ist wie ein Polizist, der darauf aufpasst, dass genügend Kalzium im Knochen bleibt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Heinrich Resch, Primar der II. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien. In jüngster Zeit sorgen aber neue Aspekte für Aufsehen: Osteoporose beginnt nämlich häufig schon fünf bis zehn Jahre vor der Menopause. Außerdem konnte das Team rund um Resch feststellen, dass nicht nur der Knochen, sondern auch die Knochenrinde dünner wird. Das bedeutet zum einen, dass der Knochen von verschiedenen Seiten durchlöchert wird. Und zum anderen ist wohl nicht nur der Östrogenmangel der „Schuldige“. Ob das Kapitel Osteoporose nun gänzlich umgeschrieben wird, sei dahingestellt. Fest steht: Wir können vorbeugen, unter anderem durch regelmäßige Bewegung – am besten an der frischen Luft, um gleichzeitig Vitamin D zu tanken, das der Körper ja zum Aufbau von Kalzium benötigt. Es müsse aber nicht gleich Leistungssport sein, so Internist Resch: „Studien zeigen, dass vor allem hüpfende Bewegungen, wie Seilspringen, eine positive Wirkung auf die Knochen haben. Empfehlenswert sind aber auch Nordic Walking, Langlaufen oder Vibrationstraining mittels Rüttelplatten.“ Zudem spielt freilich die Ernährung eine große Rolle und dabei gilt: Ein saures Milieu löst Kalzium aus den Knochen, und deshalb sollte man die Finger von zu viel Fleisch, aber etwa auch vom Salat mit saurem Dressing lassen. In Bezug auf Milchprodukte scheiden sich die Geister: Während sie in unseren Breiten als gute Kalziumspender gelten, sind sie in Asien verpönt.

Was sagt die TCM? Die TCM sieht den Menschen als ein vollständiges Ganzes, zu dessen Erhaltung jeder Teil des Körpers beiträgt. In Kombination dienen die fünf Grundsäulen Ernährung nach den fünf Elementen, Bewegung, Kräutertherapie, Akupunktur und Tuina-Massagen der Gesunderhaltung als auch der Behandlung von Krankheiten. In Bezug auf die Knochen rät die TCM, Fisch (speziell Karpfen), Hülsenfrüchte (z. B. Linsen, Bohnen, Erbsen, Fisolen), Leinsamen, schwarzen Sesam und vor allem Sojaprodukte zu konsumieren. In Bezug auf Letzteres gehen die Meinungen zwar auseinander, Fakt ist jedoch: In Ländern, in denen viel Soja konsumiert wird, kommt Osteoporose weitaus weniger häufig vor als bei uns. Außerdem stärke der Verzehr erwähnter Lebensmittel die Nieren, die wiederum die Knochen nähren, so TCM-Coach und TCM-Ernährungsberaterin Anita Nussbaumer aus Bregenz: „Die Chinesen sagen, dass die Nierenkraft dazu beitragen kann, die Knochendichte aufrechtzuerhalten. Wobei es sehr wichtig ist, dass die Ernährung immer individuell auf die jeweilige Person abgestimmt wird.“ Bei der Bewegung ist man sich wiederum einig – ohne die geht es nicht. Egal, ob Schwimmen, Wandern, Nordic Walking – alles trägt dazu bei, unsere Knochen fit zu halten.

„Alte“ Gelenke. Bei der Arthrose handelt es sich um eine degenerative Gelenkserkrankung. Diese oftmals als typische Abnützungs- bzw. Verschleißerscheinung bezeichneten Gelenksschäden führen mitunter zu Entzündungen der Gelenke. Bemerkbar macht sich die Arthrose etwa durch Steifigkeit in der Früh oder nach langem Sitzen, wenn Gelenke im Bewegungsumfang eingeschränkt oder geschwollen sind. Abgesehen vom Alter gibt es begünstigende Faktoren wie Übergewicht, Fehlstellungen des Skeletts (z. B. X- oder O-Beine) sowie übermäßige bzw. falsche Belastungen. So haben etwa Fliesenleger sehr oft mit Kniegelenksarthrosen zu kämpfen. Bewegung kann das Fortschreiten einer bereits eingetretenen Arthrose positiv beeinflussen, weil die beschädigten Knorpel dadurch mit notwendigen Nährstoffen versorgt werden. Hilfreich sind ferner Physiotherapie, Massagen oder Verfahren der physikalischen Therapie (z. B. Wärmebehandlungen, Infrarotlicht). Da Betroffene meist unter starken Schmerzen leiden, werden oft schmerzlindernde Medikamente verschrieben. Letztlich ist auch der Einsatz von Kunstgelenken eine Möglichkeit. Dass Hüft-, Knie- und Schultergelenke heutzutage „problemlos“ ausgetauscht werden können, bedeutet freilich nicht, dass die Betroffenen danach ihren „alten“, die Gelenke schädigenden Lebensstil fortführen können. Im Gegenteil: Um dem (erneuten) Verschleiß vorzubeugen, sollte man auf sein Gewicht achten und sich regelmäßig bewegen. Bei Letzterem ist zu betonen, dass die Gelenke gleichmäßig belastet gehören, was vor allem beim Langlaufen, Nordic Walking oder Schwimmen der Fall ist. Übrigens: Schon zehn Minuten Gymnastik bzw. Stretching täglich können wahre Wunder bewirken.

Was sagt die TCM? Laut TCM hängt eine Arthrose meist mit einer Stagnation des Blutes, verursacht durch das Eindringen von Kälte, Wind und/oder Nässe, zusammen, denn: „Das Blut versorgt den gesamten Körper mit wichtigen Nährstoffen. Es ist unser Lebenselixier. Kommt es zu einer Stagnation, treten mitunter Beschwerden auf“, erklärt Nussbaumer. Behandelt wird daher mittels Moxibustion: Mit warmen Nadeln oder der sogenannten Moxazigarre werden die schmerzenden Regionen gewärmt. Ebenso zeigen Akupunktur und die Gabe spezieller Kräuter gute Wirkungen. „Dann kann man mit einer sanften Mobilisation beginnen. Dies kann durch Massagen erfolgen, aber auch indem man selbst aktiv wird. Sehr wichtig ist aber auch die Ernährung bzw. die Ernährungsumstellung“, betont die TCM-Therapeutin, die in diesen Fällen speziell zugeschnittene Ernährungspläne erarbeitet.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 So halten Sie Ihre Knochen fit!
Seite 2 Bandscheibe

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