Samstag, 07. Dezember 2019

So habe ich Diabetes besiegt! - Insulinresistenz

Ausgabe 2018.03
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Insulinresistenz. Aktuell sind rund 600.000 Österreicher an Diabetes erkrankt. Bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen handelt es sich um Typ-2-Diabetiker. „Hier funktioniert die Bauchspeicheldrüse – zumindest zu Beginn – ganz normal“, erklärt Limpinsel. „Es gibt genug Insulin, aber das Insulin kann nicht mehr wirken. Die Mediziner sprechen von einer Insulinresistenz.“ Bei der Entwicklung solch einer Resistenz muss eine genetische Veranlagung gegeben sein (bei etwa 50 Prozent der Bevölkerung), zudem spielen bei 95 Prozent der Erst-Diagnosen Übergewicht und Bewegungsmangel eine tragende Rolle. Gefährlich, so Limpinsel weiter, ist das Körperfett tief im Inneren am Darm. Dieses sendet nämlich Hormone aus, welche die Insulinresistenz auslösen. „Kein Bauchfett, keine Insulinresistenz“, betont Limpinsel mit seiner für ihn typischen direkten Art.

Die Gefahr ernst nehmen. 12 Monate lang musste Limpinsel täglich fünfmal seinen Blutzucker messen und vor jeder Mahlzeit Insulin spritzen. Zusätzlich injizierte er sich morgens sein Langzeit-Insulin in den Bauch. „Das Insulin-Spritzen war eine Wohltat, denn meine Symptome verschwanden. Ich fühlte mich wie ein dopender Rennrad-Fahrer.“ Nur das In-den-Finger-Stechen zum Blutzucker-Messen war eine „unangenehme“ und „psychische Belastung“. Die Ernährung und seine Lebensweise blieben aber unverändert, denn nur wegen der Krankheit „wollte ich nicht mein ganzes Leben umkrempeln“, war Limpinsel damals noch der Meinung. Zumindest bis zum Juli 2008, als er bei einer vermeintlich harmlosen Mountainbike-Tour plötzlich in eine massive Unterzuckerung schlitterte. „Ich bekam Schweißausbrüche, ich zitterte, mir war übel und mir wurde schwarz vor Augen. Ich hatte nichts mehr zu essen, es wurde langsam dunkel und wir waren noch lange nicht in der Zivilisation.“ Da bekam es Limpinsel das erste Mal seit der Diabetes-Diagnose so richtig mit der Angst zu tun. „Ich hätte wirklich sterben können.“ Vielleicht auch, weil er als Arzt auf der Krankenstation viele schwere Fälle von Diabetes-Folgeschäden miterleben musste, fing nun sein Umdenken an. Denn unerkannter oder schlecht behandelter Diabetes führt zu Erblindung, Nierenversagen, Beinamputationen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Nicht umsonst bezeichnet die WHO Diabetes als eine der größten Gefährdungen der Menschheit, laut der Österreichischen Diabetes Gesellschaft stirbt alle 50 Minuten in Österreich ein Mensch an den Folgen des Diabetes. Das sind 10.000 Menschen im Jahr.

Neuland. Limpinsel beschloss, seine Ernährung und Lebensweise komplett umzustellen. Nicht nach und nach, sondern radikal. Limpinsel bezeichnet sich als „Mann der Extreme“. Also spritzte er am 9. August 2008 morgens „das letzte Insulin meines Lebens; dann habe ich meinen kompletten Insulin-Vorrat weggeworfen. Nie mehr piksen, nie mehr spritzen.“ Als unverantwortlich empfindet er auch rückblickend diese Tat nicht, denn „in jedem Medizin-Lehrbuch steht die Definition von Diabetes Typ 2: Nimmst du ab, verschwindet dein Diabetes! Die Diabetiker scheitern aber fast ausnahmslos an der wirklich nachhaltigen Gewichtsabnahme.“ Nachsatz, der sich gegen die Pharma- und Lebensmittelindustrie, aber auch gegen die Politik richtet: „Leider wird hier von vielen offiziellen Stellen nicht entgegengesteuert.“ So haben weder der Diabetologe noch der Hausarzt oder die Diätassistentin (!) Limpinsel geraten, an Gewicht zu verlieren. Medikamente seien nun mal der einfachere Weg – und der lukrativere, ist Limpinsel überzeugt. „Mit Diabetes lässt sich extrem viel Geld verdienen. Wären alle Menschen schlank, fiele die Diabetes-Geldquelle weg.“ Die meisten Menschen wüssten schlicht nicht, das betont Limpinsel immer wieder, dass sich mit Sport und Gewichtsreduktion die körpereigene Resistenz gegen Insulin beheben lässt. „Man muss nur wollen, wie immer im Leben.“ Als Einstieg in sein neues Leben zog Limpinsel eine 27-tägige Heilfastenkur durch. Besonders der Anfang war hart, erinnert er sich. „Ich musste den Entzug meines Körpers von Aromen, Süßstoffen, Zucker, Geschmacksverstärkern und schlechten Fetten durchleiden. All diese Dinge waren der Grund, warum ich 20 Jahre lang an einer Gewichtsreduktion gescheitert bin.“ Nun aber siegte erstmals der eiserne Wille – und nach knapp einem Monat hatte er den Erfolg auch schwarz auf weiß vor sich: Limpinsels HbA1c-Wert lag bei 5,3 Prozent. Ohne jegliche Medikamente. Der Kampfeswille war geweckt, dem Diabetes, der einst in seinem Körper rebellierte, trat nun der eigene innere Rebell entgegen.

Bye-bye, Zucker! Neben vermehrtem (und richtig ausgeübtem!) Sport und Stressreduktion (dazu zählt Limpinsel unter anderem die Distanzierung von permanenter News-Beschallung und das Sich-bewusst-Werden, was man im Leben tatsächlich braucht) gehört dazu vor allem eine nachhaltige Ernährungsumstellung. Gute Kohlenhydrate sind okay, das geliebte Bier ist nun aber tabu. Vor allem kommt keinerlei Chemie mehr auf seinen Teller, wozu auch Geschmacksverstärker und Süßstoffe zählen. Milch- und Sojaprodukte meidet
Limpinsel ebenfalls. Besonders ein bestimmtes Lebensmittel ist nicht mehr auf seiner persönlichen Zutatenliste zu finden: Zucker. „Diabetes bedeutet sprichwörtlich: zu süßes Blut.“ Limpinsel hasst Zucker, gibt er zu. „Zucker macht süchtig, Krebs, Karies, Übergewicht und Diabetes. Und er schwächt das Immunsystem.“ Auch Alternativen zum Zucker seien zweifelhaft, betont er, vor allem deshalb, „weil die Sucht auf Süßes erhalten bleibt.“ Und was mag Limpinsel? Auf seiner langen Liste mit Lieblings-Zutaten befinden sich zahlreiche „gute“ Fette sowie viel Eiweiß, denn beide machen lange satt. Verzicht hat jedoch nichts mit kasteien zu tun, betont Limpinsel. Überhaupt sei nicht der Kampf gegen Diabetes, sondern gegen die alten Gewohnheitsmuster das Schwierigste: So habe er zum Beispiel jedes Mal eine Pirouette vor dem Kühlschrank gedreht und die Küche sofort verlassen, wenn er aus Gewohnheit einen Zwischendurch-Snack aus dem Kühlschrank holen wollte. Zu seinem immer flacher werdenden Bauch hat er die ersten Monate liebevoll gesprochen und ihn gestreichelt, damit dieser auch weiterhin seine Aufmerksamkeit bekam.  

Gesundes schmeckt – und heilt. Seit fast zehn Jahren lebt Limpinsel nun bereits ohne jegliche Chemie sowie Zucker im Essen. Die Geschmacksnerven haben sich intensiviert. „Seit meiner Ernährungsumstellung ist mein Genuss am Essen größer geworden.“ Wenn er mal aufgrund von Unachtsamkeit industrielle Nahrung verspeist, reagiert er mit Verdauungs- und Hautproblemen. Sein Gewicht hat sich auf 75 Kilogramm eingependelt, er fühlt sich sexy, der Elan und die Energie – auch die sexuelle – hat sich gesteigert. Limpinsels Immunsystem ist in den letzten Jahren merklich stärker geworden, mehr als eine kleine Verkühlung hier und da gab’s seit dem neuen Speise- und Lebensplan nicht mehr. Diabetes habe seine Lebensqualität gesteigert, ist Limpinsel überzeugt und bezeichnet die Krankheit sogar als seinen Freund, der auf ihn aufpasst und ihn gelehrt hat, auf seinen Körper zu hören. Sogar sein berufliches Leben hat Limpinsel dem Diabetes gewidmet, er ist heute als freier Autor zu diesem Thema tätig. Alle 3 Monate muss er seinen HbA1c-Wert testen lassen. Seit 2008 gleicht dieser dem Wert eines gesunden Menschen. Nach Definition amerikanischer Internisten (12 Monate ohne Medikamente mit guten Blutzuckerwerten) gilt Rainer Limpinsel somit als vom Diabetes geheilt. „Und solange ich keinen Kasten Cola auf ex trinke, wird das auch so bleiben.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 So habe ich Diabetes besiegt!
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