Donnerstag, 21. November 2019

So habe ich Diabetes besiegt!

Ausgabe 2018.03
Seite 1 von 2

Rainer Limpinsel kennt sich aus, wenn es um den menschlichen Organismus geht – schließlich war er jahrzehntelang als Chirurg tätig. Vor den Diabetes-Warnsignalen des eigenen Körpers hat er trotzdem die Augen verschlossen. Heute ist Limpinsel nicht nur Diabetes-Ex­perte, sondern hat es auch geschafft, die eigene Krankheit zu besiegen. 


Foto: Limpinsel © Holger Münch_Susi Schaaf, TRIAS Verlag

Am Sonntag brutzelte meine Mutter gerne Jägerschnitzel mit Pommes. Am Montag brachte sie uns immer ein Grillhähnchen mit Pommes aus der Stadt mit. Am Dienstag gab es meist Fischstäbchen mit Kroketten, beides aus der Kühltruhe. Am Mittwoch machte Mama Spaghetti mit Fertigsauce. Der Donnerstag war der einzige Tag, an dem meine Mutter mit frischen Zutaten gekocht hat. Es gab Karotten mit Kartoffeln; natürlich zusammen mit einer Riesenmettwurst voll mit Geschmacksverstärkern. Freitags forderten wir Kinder nochmal Fischstäbchen mit Pommes. Am Samstag gab es immer Linsen- oder Erbsensuppe aus der Dose, denn Vater liebt Eintöpfe. Zum Nachtisch gab es jeden Tag grünen Wackelpudding, am Sonntag machte die Mama zwar selbst Nachtisch, aber eine Zucker-Butter-Sahne-Schokoladen-Eier-Bombe. Und bis zum 16. Lebensjahr habe ich ausschließlich Cola und Limonade getrunken.“

Buchtipp

diabetes buchDr. med. Rainer Limpinsel
Diabetes. Das Anti-Insulin-Prinzip: Wie ich meinen Diabetes Typ 2 überwand und wie Sie das auch schaffen
144 Seiten, RIAS, 2017,
€ 14,99

Brav aufessen! Rainer Limpinsel, geboren in Westfalen (Deutschland), hatte eine glückliche Kindheit und Jugend. Nein, ihm fehlte es an nichts – außer an gesunder Ernährung. Wie so viele Mütter und Omas war man auch daheim bei den Limpinsels stolz, wenn die Kinder nicht nur auf-, sondern vor allem fleißig aßen. Obwohl sowohl die Großmutter als auch der Vater Diabetiker waren, wurde an der traditionellen familieninternen Ernährung nichts geändert. Nicht überraschend, dass dieser falsch erlernte Zugang zum Essen große Auswirkungen auf die Ernährungsweise des erwachsenen Rainer Limpinsel hatte: Der Tag begann mit einem üppigen Frühstück, danach ging’s weiter mit Schokoriegeln, Pizza sowie Erdäpfelchips und zwei Flaschen Bier abends. Der Lieblings-Kebab-verkäufer um die Ecke wurde auch regelmäßig besucht. „Der Gyrosteller mit Pommes stellte jahrelang mein Lieblingsessen dar.“ Das gesunde Essen seiner Frau empfand Limpinsel als langweilig und freudlos. „Gesundes Essen ohne Chemie oder Geschmacksverstärker schmeckte mir einfach nicht.“ Die logische Folge: Gewichtsprobleme. Den „gewichtigen“ Höhepunkt erreichte Limpinsel im Jahr 2004, als er „kurzzeitig die 100-kg-Grenze knackte“.

Ärztliches Versagen. Krank fühlte er sich aber während all der Jahre nicht. „Das letzte Mal war ich in der Pubertät beim Arzt.“ Seit jeher ist Limpinsel begeisterter Hobbyradsportler, legte regelmäßig etliche Kilometer zurück. Zudem studierte er Medizin, war viele Jahre Chirurg. Da weiß man doch, wenn ...? „Wenn es um ihre eigene Gesundheit geht, sind Ärzte manchmal mit Blindheit geschlagen“, gibt Limpinsel zu. Obwohl ihm im Operationssaal immer wieder vor Augen geführt wurde, was es heißt, wenn der eigene Körper nicht mehr mitspielen mag, hat Limpinsel nicht wahrhaben wollen, dass da etwas in ihm wütet und aufbegehrt, dass der eigene Körper zu drastischen Mitteln greift, um endlich gehört zu werden. Ein Verdacht sei durchaus da gewesen, meint er, aber: „Verdrängung ist die tiefste Falle, in die Diabetiker fallen können.“ Ja, gibt Limpinsel zu, in dieser Phase habe er als Arzt „nicht brilliert“, sogar von „Versagen“ spricht er und das Wörtchen „Scham“ fällt. Aber trotz ehrlicher Selbstkritik will er dann doch betont wissen: „Ärzte sind auch nur Menschen.“

Kurz vorm Koma. Limpinsels Diabetes-Warnsignale, damals im Jahr 2007, waren mehr als deutlich: Andauerndes Durstgefühl, extremes Wasserlassen. „Ich habe pro Tag etwa 3,5 Liter Limonade getrunken. Vor allem in der Nacht war der Durst gigantisch. Ich bin nachts zwei- bis dreimal aufgestanden, habe Pipi gemacht und sofort danach eine Flasche Limo getrunken.“ Trotzdem, so erinnert er sich, „ging es mir im Großen und Ganzen noch gut. Ich habe damals sogar viel mit dem Rad trainiert, denn ich wollte im Sommer eine große Alpenüberquerung mit dem Rennrad starten.“ Als sich dann aber auch noch Rückenschmerzen einstellten und Limpinsel plötzlich von einem unerklärlichen Leistungseinbruch beim Sport geplagt war (inklusive starken Kopfschmerzen und Augenbrennen), suchte er doch einen Arzt auf. Die Dia-gnose beim Hausarzt: Diabetes. Ein Schock erst mal, denn sein Langzeitblutzuckerwert (HbA1c; der einen Durchschnittswert der letzten acht Wochen darstellt) lag bei horrenden 14,1 Prozent, der Nüchtern-Blutzucker bei 321 mg/dl. „Gesunde Menschen haben niemals höhere Blutzuckerwerte als 199 mg/dl, auch nicht, kurz nachdem sie eine ganze Torte gegessen haben. Und der HbA1c des Diabetikers soll eine Sechs vor dem Komma haben.“ Limpinsel wurde umgehend eine Insulin-Therapie verschrieben, galt ab sofort als insulinpflichtiger Diabetiker. „Ich hätte damals jeden Moment in ein hyperosmolares Koma fallen können.“ Bei dieser ernsten Diabetes-Komplikation handelt es sich um eine Stoffwechselentgleisung mit Gefahr der körperlichen Dehydrierung und starken Herzrhythmusstörungen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 So habe ich Diabetes besiegt!
Seite 2 Insulinresistenz

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-11 130x173

Aktuelles Heft 11/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 6. Dezember

 

Unsere Ausgabe 10/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Advent/Weihnachten/Jahreswechsel bedeutet für viele Stress pur. Wie gehen Sie damit um?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information