Sonntag, 17. Februar 2019

So ein Wetter !

Ausgabe 2013/06
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Jeder dritte Österreicher ist davon überzeugt, dass sich das Wetter auf den Gesundheitszustand auswirkt. Wir sind dem Phänomen Wetterfühligkeit nachgegangen und haben die besten Expertentipps.


Foto: Can Stock Photo Inc. - Massonforstock

Auch wenn zahlreiche Studien zum Thema „Wetterfühligkeit“ gemacht werden und sich weltweit Tausende Wissenschaftler mit der Thematik beschäftigen, werden die meisten erst gar nicht veröffentlicht. „Die meisten Studien landen direkt in einer Schublade, weil die Ergebnisse es nicht wert sind, publiziert zu werden“, sagt der Wiener Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl, der selbst jahrzehntelang auf diesem Gebiet Forschungen betrieb. Was ist dabei herausgekommen? „Interessante Einzelergebnisse, aber es ist uns nicht gelungen, einen wissenschaftlich fundierten Zusammenhang zwischen der Wetterlage und diversen Krankheitsbildern zu finden.“ Als gesichert gilt nur so viel: Übermäßige UV-Strahlung schädigt die Hautzellen, Pollen können allergische Reaktionen hervorrufen, Ozon kann Erkrankungen der Atemwege auslösen. Plus: Die Wissenschaft kann überdies beweisen, dass Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und Wind sich auf den Wärmehaushalt des Menschen auswirken. Die mögliche Folge von extremem Hitze- oder Kältestress können Unterkühlungen, Rheumaanfälle oder in sehr seltenen Fällen Herzinfarkte sein.

Ist Wetterfühligkeit eine Krankheit?

Die Wiener Psychologin Mag. Irene Zahrl erklärt, warum Wetterfühligkeit auf eine psychische Störung hinweisen kann.

GESÜNDER LEBEN: Wie krank macht das Wetter?
Irene Zahrl: Wetterfühligkeit ist keine Krankheit, weder im physischen noch im psychischen Bereich. Wir sind mit dem Wetter, das wir haben, aufgewachsen, das heißt auch, dass unser Organismus daran gewöhnt ist. Wir unterliegen alle dem gleichen Einfluss. Im Urlaub, in anderen Wetterzonen, ist das eine andere Geschichte. Da muss sich unser Organismus erst umstellen, so auch wie bei für uns ungewohnter Ernährung.
GL: Dennoch spüren viele das Wetter …
Zahrl: Ich will nicht bestreiten dass es eine Sensibilität dem Wetter gegenüber gibt. Wetterfühligkeit ist jedoch ein Marker für den seelischen, emotionalen und psychischen Zustand eines Menschen. Die Symptome weisen darauf hin, wo der Mensch am verletzlichsten ist. Sowohl im physischen als auch im psychischen Sinn. Denn die Probleme liegen meist im Unterbewussten, der Mensch verdrängt nun mal gerne das, was er nicht wahrhaben will.
GL: Schlechtes Wetter macht schlechte Laune, heißt es doch. Oder?
Zahrl: Menschen, die psychisch und emotional im Ungleichgewicht sind, neigen sehr oft dazu, die Schuld auf andere zu schieben. Das Wetter etwa ist schuld. Mein Partner ist schuld. Der Arbeitskollege ist schuld …
Menschen, die sich schwer tun, emotional das anzunehmen, was gerade ist, die tun sich auch schwer, das Wetter so anzunehmen, wie es ist.
GL: Ein emotional gesunder Mensch hat also keine Beschwerden?
Zahrl: Wenn alles gut ist, gibt es keine Angriffsfläche.

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ganzheitlich betrachtet hängt auf unserem Planeten aber dann doch alles irgendwie mit allem zusammen. Ob dies nun wissenschaftlich fundiert beweisbar ist oder nicht. Und darum sind auch jene Menschen – in Österreich soll gar jeder Dritte unter Wetterfühligkeit leiden –, die gesundheitliche Probleme mit Wetterumschwüngen in Verbindung bringen, nicht a priori Hypochonder. Dazu Christian Schmid, Physiotherapeut in Braunau am Inn: „In der Praxis fällt mir auf, dass einige meiner Patienten einen Einfluss der Witterung auf ihre Beschwerden angeben, sobald ich sie frage, was es schlimmer macht. Ab einem Alter von 50 Jahren scheint es eine erhöhte Neigung dazu zu geben. Und: Bei Kopfschmerz-Patienten nehme ich vermehrt Reaktionen wahr, auch bei jüngeren Patienten.“

Tipps bei Urlaubshitze

Wir freuen uns oft auf Sonne, Strand und Meer – und leiden dann unter der Hitze. Hier die besten Tipps:

  • Zwischendurch das Gesicht mit einem gekühlten Feuchtigkeitsspray einnebeln.
  • Reiben Sie die Haut zwischendurch mit Eiswürfeln ein– ein toller „Kälteschock“!
  • Verwenden Sie Sonnenpflege mit einer Extradosis Menthol. Das kühlt.
  • Tauchen Sie die Spitze Ihrer Mittelfinger in eisgekühltes Wasser und massieren Sie sanft Ihre Schläfen.
  • Eine lauwarme Dusche erfrischt! Niemals eiskalt abbrausen – die Poren ziehen sich blitzschnell zusammen und die Wärme wird nur mehr schlecht abgeleitet.

Es wird halt das Wetter sein. Dr. Hans Edelmann, Arzt für Allgemeinmedizin im oberösterreichischen Franking: „Meine Patienten kommen mit Kopfschmerzen, Schwindel, Narbenschmerzen, allgemeinem Unwohlsein zu mir. Bei der Untersuchung stellt sich dann heraus, dass dem Patienten nichts Gravierendes fehlt. Wie so oft in der Medizin geht es in diesen Fällen auch darum, mögliche Krankheiten auszuschließen. Wenn man keine Ursache findet, dann ist der Patient beruhigt und der Arzt weiß, dass nichts im Busch ist. Dann wird’s“, so Edelmann lachend, „halt das Wetter sein.“ Nichts Gefährliches und auch nicht beweisbar. Wobei der Mediziner nicht ausschließen will, dass an der Wetterfühligkeit was dran ist. Während seiner Studienzeit, die er in Innsbruck verbracht hat, sei ihm schon aufgefallen, dass „die Leute leicht gereizt waren und die Konzentration nachgelassen hat“. Etwa bei Föhnwetter.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 So ein Wetter !
Seite 2 Wer heiß badet, ist weniger wetterfühlig

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