Dienstag, 19. November 2019

So bleiben Sie lange gesund!

Ausgabe 2019.11
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Was passiert, wenn wir altern? Kann die Forschung den Alterungsprozess aufhalten? Und wie bleiben wir möglichst lange gesund? Im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN gibt Altersforscherin Univ.-Prof. DDr. Helena Schmidt verblüffende Antworten auf diese Fragen und erklärt, warum Fasten, ein Saunabesuch oder ein gutes Verhältnis zu den Großeltern tatsächlich jünger machen.

 


Foto: iStock-PeopleImages

Gesund alt zu werden, ist wohl einer der größten Wünsche der Menschen. Ob wir dieses Ziel tatsächlich erreichen, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht nur unsere genetische Veranlagung entscheidet, wie alt wir werden, auch viele andere Faktoren wie der Lebensstil und die Umwelt spielen eine große Rolle. Welche, das untersucht Univ.-Prof. DDr. Helena Schmidt, Altersforscherin am Gottfried Schatz Forschungszentrum für zelluläre Signaltransduktion, Stoffwechsel und Altern an der MedUni Graz, in einer aktuellen Studie: Die „Graz Study on Health and Aging“, eine Langzeit-Studie in der Grazer Bevölkerung, die in Kooperation zwischen der Med-Uni Graz, der Universität Graz, der FH Joanneum und der Stadt Graz mit der Beteiligung von 17 Kliniken und Instituten durchgeführt wird und über 5.000 Faktoren untersucht, die mit dem Alter zusammenhängen. Im Interview mit GESÜNDER LEBEN erklärt die Wissenschafterin den aktuellen Stand in der Altersforschung, erläutert, was wir selbst dazu beitragen können, um möglichst lange gesund zu bleiben, und verrät, was sie sich für die Zukunft der Altersforschung erhofft.

Wissenschaftlich belegt: So schlagen Sie dem Alter ein Schnippchen!

Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, sind im Alter geistig fitter.
Das zeigt eine interdisziplinäre Studie, die von Medizinern, Psychologen, Linguisten und Logopäden aus Düsseldorf, Jülich und Aachen durchgeführt worden ist. Das Volumen bestimmter Hirnareale ist bei Menschen, die zwei oder mehr Sprachen fließend sprechen, größer als bei Menschen ohne Fremdsprachenkenntnisse. Die Forscher haben diese Ergebnisse mithilfe von Hirnscans belegt.

Optimisten altern gesünder.
Ein Forscherteam der Boston University School of Medicine belegte kürzlich mit einer Langzeitstudie, dass Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung besonders gute Aussichten haben, 85 und älter zu werden. Die Wissenschafter empfehlen Trainings, die den Optimismus fördern.

Gesunde Lebensweise – geringeres Demenzrisiko.
Der Lebensstil hilft, die Wahrscheinlichkeit einer Demenz unabhängig von der genetischen Vorbelastung zu senken, wie eine britische Studie kürzlich belegte. Nicht rauchen, wenig Alkohol, viel Bewegung und gesunde Ernährung seien unabhängig von den Genen veränderbare Einflussfaktoren, die über die Entwicklung einer Demenz mitentscheiden, so die Forscher im Fachblatt JAMA.

Leben mit Sinn.
Konkrete, selbstbestimmte Ziele zu verfolgen, wirkt sich positiv auf die psychische und körperliche Gesundheit aus, wie amerikanische Mediziner in einer Studie mit älteren Menschen nun belegen. Der Effekt war umso größer, je klarer der Lebenssinn erkennbar war – auch unabhängig vom generellen Wohlbefinden.

Heimat? Jungbrunnen!
Was haben das italienische Sardinien, Icaria in Griechenland, die Halbinsel Nicoya in Costa Rica, das japanische Okinawa und Loma Linda in Kalifornien gemeinsam? Hier werden die Menschen besonders alt! Ein Potpourri an verschiedenen Faktoren scheint dafür verantwortlich zu sein: Die Menschen leben hier noch vergleichsweise traditionell, haben viel Bewegung an der frischen Luft, ernähren sich gesund und regional und legen Wert auf ein Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb von Familie und Gemeinschaften.

Eigentlich wollten wir Sie fragen, wie wir gesund altern können. Aber von diesem Begriff halten Sie nicht so viel …
Ja, denn Altern ist schon per Definition nicht gesund. Schließlich handelt es sich beim Altern um einen Funktionsverlust. Physiologische Funktionen gehen verloren, die Organe durchlaufen unterschiedliche Degenerationen und Schädigungen, und das führt ganz nüchtern betrachtet dazu, dass wir am Ende dieses Prozesses sterben. Wenn wir also im Alter gesund bleiben wollen, müssen wir das Altern selbst als Krankheit betrachten und diese Krankheit bekämpfen.

Sie sprechen davon, den Alterungsprozess als eine gesamte Krankheit zu sehen, anstatt auf einzelne Erkrankungen, die – vor allem – im Alter entstehen, einzugehen?
Genau. Die Hypothese dahinter ist, dass, wenn wir das Altern als Krankheit definieren und Therapien und Präventionsmaßnahmen für diese Krankheit entwickeln, wir mit diesen Maßnahmen auch die altersbedingten Erkrankungen bekämpfen. Auf diese Weise könnten wir dann auch im Alter gesund bleiben.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 So bleiben Sie lange gesund!
Seite 2 Genetische Epidemiologie

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