Dienstag, 19. Februar 2019

So bleiben Knochen fest

Ausgabe 03/2010
Osteoporose ist kein Schicksal. Gegen die Volkskrankheit Knochenschwund gibt es hoch effektive Therapien – und mit dem richtigen Lebensstil kann man wirksam vorbeugen.

Foto: Lise Gagne -istockphoto.com
Es scheint schicksalhaft, wenn über 700.000 Österreicherinnen und Österreicher unter brüchigen Knochen leiden: ein Drittel aller Frauen nach dem Wechsel, zwei Drittel aller Frauen über 80 – und auf jede dritte Betroffene kommt zumindest ein Mann mit Knochenschwund. Die in der Fachsprache als Osteoporose bezeichnete Erkrankung hat für Experten mit ihrem Folgerisiko von Knochenbrüchen längst eine Dimension, die durchaus mit Herzkreislauf- und manchen Krebserkrankungen vergleichbar ist.

„Die Zahl der Oberschenkelhalsfrakturen wird in Österreich auf 16.000 pro Jahr geschätzt, im Jahr 2050 werden vermutlich bereits 25.000 zu versorgen sein. 90 Prozent dieser Oberschenkelbrüche sind nicht durch Unfälle bedingt, sondern sind auf Knochenschwund zurückzuführen“, rechnet der Osteoporoseexperte Univ.-Prof. Dr. Heinrich Resch vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien vor.

Doch, und auch das betont der Fachmann: „Es gibt heute ausgezeichnete Präventions- und Therapiemaßnahmen. Was wir brauchen, sind mündige Patienten, die sich rechtzeitig informieren, denn osteoporosebedingte Knochenbrüche müssen nicht sein. Osteoporose ist kein Schicksal, das man hinnehmen muss.“

Wer bekommt Osteoporose?
Ab dem 35. Lebensjahr ist der langsame Knochenschwund eine normale Erscheinung. Bei Osteoporose aber ist der Schwund stärker ausgeprägt, denn es liegt eine Störung im Knochenstoffwechsel vor, wodurch kontinuierlich Knochenmasse verloren geht. Experten unterscheiden die primäre Osteoporose, die ohne erkennbare Ursache, nach der Menopause oder altersbedingt auftritt, und die sekundäre Osteoporose, die im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen wie etwa einer Überfunktion der Schilddrüse oder langer Kortisoneinnahme steht. Auch streng vegane Kost, Hungerkuren oder Erkrankungen wie Magersucht und Milchunverträglichkeit können die Knochen schwinden lassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen ist das Risiko, einmal Osteoporose zu bekommen, umso größer, je schlanker jemand ist.

Was brauchen Ihre Knochen?
Das Schöne und auch Verantwortungsvolle daran ist, dass man selbst viel dazu tun kann, seine Knochen möglichst lange stark zu erhalten, und da spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. Experte Resch: „Vitamin D, Kalzium, Phosphat und Magnesium sind sehr wichtig, aber auch verschiedene Hormone wie das Schilddrüsenhormon oder Östrogene haben ihren Einfluss. Davon abgesehen: Auch ausreichend Bewegung und genug Sonnenschein tragen zu einem gesunden Knochenwachstum bei.“ Dass Knochen mit der Zeit abbauen, ist normal, Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von den drei Lebensaltern des Knochens:

  • Im Idealfall wird durch gesunden Lebensstil bis zum 30. Lebensjahr genug Knochen aufgebaut, sodass ausreichend Reserven bestehen und selbst altersbedingter Knochenabbau einem nichts anhaben kann. Resch: „Gesunde Ernährung in der Kindheit ist für die Knochen ganz wichtig. Was hier versäumt wird, rächt sich später.“
  • Im zweiten Lebensdrittel bis zum 60. Lebensjahr geht es darum, aufgebaute Knochenmasse zu konservieren. Resch: „Tun Sie in dieser Zeit alles, was den Knochen guttut: Ernähren Sie sich ausgewogen, und machen Sie Bewegung!“
  • Bewegung und entsprechende Ernährung können auch im letzten Drittel noch die Knochen stärken, obwohl es jetzt heißt, in Verteidigungsstellung zu gehen, denn altersbedingter Knochenabbau trifft jeden.

Wie spürt man
Knochenschwund?
Osteoporose macht erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome. „Die ersten Zeichen sind oft uncharakteristische Schmerzen des Bewegungsapparates, die oft nicht mit Osteoporose in Verbindung gebracht werden“, warnt Resch. „Zum Beispiel klagen manche Patienten über chronische und wiederholte Rückenschmerzen. Wird dann ein Röntgenbild angefertigt, können sich bereits Wirbelkörpereinbrüche zeigen, die von den Betroffenen bis dahin gar nicht bemerkt wurden.“ Weitere Anzeichen neben Rückenschmerzen sind ein Rundrücken und ein Größenverlust von mehr als vier Zentimetern. „Doch so weit sollte es gar nicht kommen, gehen Sie besser früh genug zum Arzt“, warnt Spezialist Resch.

Hoch effektive Therapien
Entscheidend ist die Vorsorge. Ihr Arzt hat drei „Werkzeuge“ für eine eindeutige Diagnose:
  • Ihr persönliches Risikoprofil
  • das Röntgen (zeigt Knochenveränderungen frühzeitig) und
  • die Knochendichtemessung an Wirbelsäule und Hüfte.
Wirbelsäule und Hüfte. Sind die Knochen schon schwach, so können Sie mit Ernährung und aktiver Lebensweise einiges dazu beitragen, dass sie wieder fester werden. Davon abgesehen gibt es eine Reihe von hochwirksamen Medikamenten, die Knochendichte und -qualität verbessern können und so das gefürchete Bruchrisiko verringern.

Basistherapie für alle ist die tägliche Einnahme von Kalzium und Vitamin D, die man in der Apotheke in verschiedenen Darreichungs- und Geschmacksvarianten bekommt.

Standard der medikamentösen Therapie sind die (rezeptpflichtigen) Bisphosphonate, die als hoch wirksam gelten und langfristig die Häufigkeit von Knochenbrüchen senken können. Allerdings ist die Tabletteneinnahme mühsam: Sie muss für mindestens drei bis fünf Jahre erfolgen, die – komplizierten – Einnahmevorschriften sind genau zu befolgen. Deshalb hat man in den letzten Jahren auf die Entwicklung einer osteoporose-Spritze gesetzt, und heute gibt es eine 3-Monats-Spritze sowie eine Einjahresinfusion, die die lästige Tabletteneinnahme von gestern vergessen lassen. resch, ein international anerkannter Experte auf diesem Gebiet, schaut optimistisch in die Zukunft: „im Herbst kommt zudem eine subkutane Injektion auf den Markt, die man nur alle 6 Monate verabreichen muss.“

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