Sonntag, 19. Mai 2019

So besiegen Sie Ihre Ängste

Ausgabe 10/2012
Extremsportler Jochen Schweizer im GESÜNDER LEBEN-Interview über Bungee-Jumping, die innere Kraft und wie man seine Ängste überwindet.

Foto: Jochen Schweizer GmbH, Riva Verlag
Wir alle haben Ängste  – sei es die Angst vor dem Tod, vor finanzieller Abhängigkeit oder Einsamkeit. Ängste gehören zu unserem Leben dazu, wir werden von ihnen getrieben und manchmal sogar beherrscht. So sehr, dass wir anstatt das Leben zu genießen nur noch von einer Angst zur nächsten hetzen. Dass dies nicht so sein muss, zeigt der deutsche ehemalige Extremsportler Jochen Schweizer. Der heute 55-Jährige befuhr im Kajak die extremsten Flüsse Europas, durchquerte mit dem Motorrad Afrika, drehte als Stuntman Actionfilme und machte das moderne Bungee-Jumping im deutschsprachigen Raum populär: Schweizer ist mit dem höchsten Bungee-Sprung aller Zeiten, nämlich über eine Sprungdistanz von 1000 Metern aus einem Helikopter, sogar im „Guinness Buch der Rekorde“ verewigt. Er hat gelernt, seinen Ängsten ins Auge zu blicken und, wie er selbst sagt, sie in Freiheit zu verwandeln. Das Interview.

GESÜNDER LEBEN: Herr Schweizer, was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Jochen Schweizer: Das Streben nach operativer Exzellenz. Das bedeutet: Jeder Mensch soll im Rahmen seiner Möglichkeiten das Beste geben, nach dem für ihn bestmöglichen Ergebnis streben. Und er muss bereit sein, dafür alles zu geben. Denn jeder Mensch hat ein breites Feld an Möglichkeiten und Begabungen!

GL: Kann das jeder Mensch?
Schweizer: Auf jeden Fall. Ein jeder kann höher hinaus. Operative Exzellenz fordere ich zu allererst von mir und danach von meinen Mitarbeitern.

GL: Hört sich anstrengend an …
Schweizer: Wenn du etwas willst, musst du auch etwas dafür tun. Du musst rausgehen und es dir holen. Der Erfolg kommt nicht von alleine.

GL: Sie als Bungee-Jumper: Was muss  man mitbringen, um sich tatsächlich zu trauen, in die Tiefe zu springen?
Schweizer: Alle Menschen habe Ängste. Das ist grundlegend nichts Schlechtes. Es gibt Ur-Ängste, die sind tief in unserem Stammhirn verankert, zum Beispiel die Furcht vor dem Feuer, der Dunkelheit oder eben vor der Höhe. All das sind sinnvolle Ängste, weil sie uns von jeher vor gefährlichen Situationen warnen. Wichtig ist aber, sich nicht von diesen Ängsten beherrschen zu lassen. Hat man solch eine Urangst überwunden, gewinnt man an Freiheit. Die kleinen Ängste erreichen einen dann gar nicht mehr so sehr.
GL: Sie sind also angstfrei?
Schweizer: Das würde ich nicht sagen. Aber ich gewinne ein gewisses Maß an Unbeschwertheit. Weil ich das Außergewöhnliche gewagt und gemeistert habe. Wer einmal eine Urangst bewältigt hat, geht viel stabiler und befreiter durch den Alltag. Studien belegen zudem, dass regelmäßige Adrenalin-Ausschüttungen das Immunsystem stärken und somit zu einer besseren Gesundheit führen.

GL: Sollte also jeder BungeeJumping machen?
Schweizer:  Nein. Jeder Mensch muss Situationen finden, die ihn fordern, denen er sich aber gewachsen fühlt. Bei Extremsportarten wie dem Bungee-Sprung entsteht eine eigenartige Wechselbeziehung zwischen Anspannung und Hingabe. Beim Bungee-Jump begegnen sich diese und es entsteht etwas Neues, das ich „Angst-Lust“ nenne. Das ist eigentlich ein widersprüchliches, aber sehr schönes Gefühl.

GL: Was raten Sie Menschen, die von Ängsten geplagt werden?
Schweizer: Ich halte es nach dem Titel von Daniel Carnegies Buch „Sorge dich nicht – lebe!“. Natürlich ist dies leichter gesagt als getan. Denn viele Menschen haben existenzielle Ängste, wie zum Beispiel finanzielle Sorgen oder die Angst vor Krankheiten. Viele Menschen aber leben zu wenig im Jetzt. Sie projizieren potenzielle Probleme der Zukunft in die Gegenwart, wodurch sie sich ihr Leben schwer machen. Ich rate ihnen, sich zu fragen: „Was fehlt mir in DIESEM Moment, in DIESEM Augenblick?“ Die meisten werden daraufhin antworten: „Nichts!“. Wichtig ist, im Hier und Jetzt zu leben –  mit dem Vertrauen darauf, dass mir das Schicksal keine Bewährungsprobe präsentiert, ohne mir aber gleichzeitig die Fähigkeit zu geben, sie zu bewältigen.

GL: Aber Vorauszudenken ist ja nichts Schlechtes …
Schweizer: Natürlich nicht. Aber es ist wichtig, zwischen rationalen Befürchtungen und nichtrationalen Ängsten zu unterscheiden. Das Ausmalen aller potenziellen Probleme der Zukunft macht einem jedoch das Leben schwer.

GL: Würden Sie unsere heutige Gesellschaft als Angstgesellschaft bezeichnen?
Schweizer: Nein. Ich glaube, dass wir als westliche Gesellschaft in einer unglaublich günstigen Lebenssituation sind. Der Großteil der Menschen ist in der Lage, seine Grundbedürfnisse zu befriedigen. Das ist ein großer Luxus. Denn wenn diese Grundbedürfnisse befriedigt sind, kann ich meinen Hedonismus ausleben. Und den Hedonismus lebt man natürlich am schönsten aus, indem ich Dinge ERLEBE.

GL: Wie gelingt es mir, mein Leben vollkommen auszukosten?
Schweizer: Ich bin davon überzeugt, dass in jedem Menschen ein ureigenes Talent schlummert. Wenn es eine Aufgabe im Leben gibt, dann ist es jene, dieses Talent in mir selbst zu entdecken und zur Entfaltung zu bringen. Wenn einem das gelingt, lebt man ein erfolgreiches und glückliches Leben. Und nur wenn ich mich selbst ins Zentrum meines Lebens stelle und es meistere, bin ich in der Lage, anderen zu helfen.

GL: Stichwort „innere Kraft“: Wie schaffe ich es, sie überhaupt zu finden?
Schweizer: Da gibt es viele Wege. Ich bin etwa die Wege des Bungee-Sprungs und der Zen-Meditation gegangen.

GL: Sport ist also ein Weg zum Glücklichsein?
Schweizer: Sport ist ein unverzichtbarer Bestandteil der menschlichen Existenz. Sich zu bewegen ist für uns das Um und Auf.


Jochen Schweizer: Warum Menschen fliegen können müssen
Sein Name steht für Nervenkitzel und Adrenalin: Jochen Schweizer. In seinem ersten Buch erzählt er Geschichten von mutigen Sprüngen in die Tiefe, gewagten Wildwasserkajak-Erlebnissen und aufregenden Afrika-Abenteuern. Angst zu überwinden, die Fähigkeit, loszulassen, zu fliegen, ist ein Glück, das jeder erleben kann.
riva Verlag, € 19,95

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